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Was ist der digitale Impfpass und wie funktioniert er?

Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft sind, können sich zwar noch mit SARS-CoV-2 infizieren, erkranken aber meist nicht mehr an Covid-19 und stecken auch andere nicht an. Deshalb sollen Geimpfte künftig wieder Restaurants, Fitnessstudios und Co. besuchen und verreisen können. Ein digitaler Impfpass soll dabei helfen, Geimpfte in der Europäischen Union leichter und sicherer zu identifizieren. Doch wie funktioniert er? Und was sind die Vorteile und Risiken?

Symbolbild digitaler Impfpass
Schon in wenigen Wochen sollen gegen das Coronavirus geimpfte Personen ihren Status per App nachweisen können.

Schon Ende Januar 2021 wurde durch den Europäischen Rat beschlossen, dass es in allen EU-Mitgliedsstaaten einen digitalen Impfnachweis geben soll. Dieses sogenannte „Green Certificate“ sollen alle Menschen auf ihr Smartphone bekommen können, die gegen das Coronavirus geimpft sind und so selbst nur noch ein geringes Risiko haben, an einer Infektion zu erkranken. Diskutiert wird zudem, ob auch Menschen das digitale Zertifikat erhalten, die seit einer bestimmten Zeit von einer Erkrankung genesen sind. Möglicherweise könnten auch negative PCR-Corona-Tests künftig auf dem grünen Pass gespeichert werden.

Nach Angaben der EU-Kommission sollen die rechtlichen Voraussetzungen für den digitalen Impfpass spätestens bis zum 1. Juni geschaffen werden. Theoretisch könnte dann eine entsprechende App bis zu den Sommerferien einsatzbereit sein. Allerdings hängt das auch davon ab, wie zügig die technischen Lösungen umgesetzt werden und ob nicht doch noch Einsprüche, Datenschutzbedenken und Ähnliches die Entwicklung verzögern.

Wofür soll der Impfpass genutzt werden?

Der Vorteil:  Ein solcher einheitlicher und digitaler Impfpass gilt in allen Mitgliedstaaten der EU. Einmal registriert, kann man mit dem digitalen Nachweis bequem wieder Restaurants, Theater, Fitnessstudios und Co. besuchen und in Europa verreisen – ohne Quarantäne und Tests. Und auch der Nachweis eines  negativen Corona-Tests soll in dieser App angezeigt werden.

Das Angebot soll den üblichen gelben Papier-Impfpass der Weltgesundheitsorganisation nicht ersetzen, sondern ihn nur spezifisch  für die Corona-Impfung und zusätzliche Informationen wie den Testnachweis ergänzen. Hat man also kein Smartphone oder dieses verloren, ist ein Impfnachweis über das bekannte „gelbe Heft“ weiterhin möglich und gültig. Zudem kann man dann das grüne Corona-Zertifikat auch auf Papier erhalten.

Außerdem bleibt es freiwillig, ob man überhaupt das Impfzertifikat haben möchte. Wer ohne den zusätzlichen Pass etwa reisen will, kann das weiterhin – je nach Vorgaben des Landes. Allerdings könnten dann die verschiedenen Länder weitere Gesundheitsdokumente wie ein negatives Testergebnis verlangen.

Wie funktioniert der Impfpass?

Aber wie genau funktioniert der digitale Impfnachweis? Bei der Impfung gegen das Coronavirus erfolgt zunächst eine Registrierung des Patienten. Die Experten des Impfzentrums oder der Arzt nehmen dazu den Namen, das Geburtsdatum, das Datum der Zertifikatsausgabe und die Daten zu den Impfungen - also den verwendeten Impfstoff und das Datum des Impftermins – auf. Mit diesen Daten wird dann ein verschlüsseltes Impfzertifikat mit einem persönlichen QR-Code erstellt. 

Den Barcode kann der Nutzer als Papierdruck mitnehmen oder abscannen. Der Scan funktioniert über eine kostenfreie, nationale App, für die das Bundesgesundheitsministerium den Techkonzern IBM, das Softwareunternehmen Ubirch, die IT-Genossenschaft govdigital und den IT-Dienstleister Bechtle beauftragt hat. Über deren Plattform werden dann die Impfbescheinigung und die Daten auf dem Smartphone gespeichert.

Zusätzlich soll man seinen Impfnachweis auch in der deutschen Corona-Warn-App speichern können. So kann der Patient den digitalen Impfnachweis dann über das Handy steuern und sich anzeigen lassen.  Digitale Impfnachweise von Kindern oder Partnern sollen dabei zusammen auf einem Smartphone gespeichert werden können. Und wer bereits vor der Einführung des digitalen Impfpasses geimpft wurde, kann das Zertifikat auch noch nachträglich beim Impfzentrum oder dem Arzt erhalten.

QR-Code als "Eintrittskarte"

Und wie kann man den QR-Code dann benutzen? Zukünftig soll man den grünen Impfpass einfach mit der App im Restaurant, Theater oder am Flughafen vorzeigen können. Dort wird dann erst anhand des Personalausweises geprüft, ob einem das Zertifikat auch gehört. Mithilfe einer speziellen Prüf-App wird dann der QR-Code des Impfnachweises  eingescannt und der Impfstatus gecheckt  -ähnlich wie bei der Kontrolle eines virtuellen Bahntickets oder der Bordkarte für einen Flug.

Dazu kontaktieren die Prüf-Apps einen europaweiten Rechner, der die einzelnen Rechnernetze der Länder miteinander verbindet. Checkt also beispielsweise ein Restaurantbesitzer in Italien den QR-Code eines deutschen Nutzers mit der Prüf-App, wird der im QR-Code gespeicherte Schlüssel in dem europaweiten Rechner geprüft. Ist er dort als gültig gemeldet, leuchtet die Prüf-App grün auf.

Wie sicher ist der Pass?

Zum Schutz vor Hackern oder Datenmissbrauch ist der digitale Impfnachweis durch den persönlichen QR-Code und eine digitale Echtheitssignatur vor Veränderungen verschlüsselt. Zudem gilt, dass die persönlichen Daten nur auf dem eigenen Smartphone gespeichert werden, aber nicht auf einer zentralen Datenbank mit den Daten von allen Geimpften. Beim Bundesministerium für Gesundheit heißt es dazu: "Alle digitalen Impfnachweise werden nur temporär im Impfprotokollierungssystem erstellt und anschließend gelöscht. Eine dauerhafte Speicherung ist nur dezentral auf den Smartphones der Nutzer vorgesehen." Deshalb kann auch jeder selbst entscheiden, ob und wann man die Daten vom Handy löschen möchte.

Auch bei der Überprüfung an der Theaterkasse oder etwa am Flughafen werden die Daten über den Nutzer nicht übermittelt, gesendet und verglichen wird nur die verschlüsselte Signatur. Vor Ort werden zunächst der Name und das Geburtsdatum mit dem Ausweis verglichen und dann die Signatur und die Gültigkeit des Impfnachweises kontrolliert, indem überprüft wird, wer ihn unterzeichnet und ausgestellt hat. Und selbst diese Daten werden von der Prüfstelle nicht gespeichert. Es soll also weder in Deutschland noch europaweit eine Datenbank mit den Informationen aller Geimpften geben.

Dennoch befürchten Kritiker, dass es zu Missbrauch, Datenschutzproblem und auch Fälschungen kommen könnte. So könnten die streng zu schützenden geheimen Schlüssel, mit denen der Impfnachweis beglaubigt wird, von Kriminellen entwendet werden. Denn in den Impfzentren und Arztpraxen, in denen sie erstellt werden, gibt es häufig nicht genug Absicherungen. Wird einmal ein Schlüssel eines grünen Impfpasses geklaut, können die Kriminellen damit in kürzester Zeit Tausende gefälschte digitale Nachweise erzeugen. In diesem Fall könnten die digitalen Codes aber zurückgerufen werden, sodass sie von den Prüf-Apps nicht mehr als gültig angezeigt werden.

Eine weitere Schwierigkeit könnte auftreten, wenn bereits Geimpfte nachträglich das Zertifikat haben wollen. Zwar ist noch nicht genau festgelegt, wie die nachträgliche Ausgabe des grünen Zertifikats durchgeführt wird. Aber vermutlich muss man dafür nur die im gelben Papier-Impfpass eingetragene Corona-Impfung vorzeigen. Kriminelle könnten diese Chance für sich nutzen und die Papier-Impfbücher mit den nötigen Chargennummern der Corona-Impfstoffe fälschen, um an die digitalen Impfpässe zu kommen. Die gelben Impfhefte und die Klebeetiketten gelten als relativ leicht fälschbar. Kritiker fordern deshalb für die Etiketten der Impfstoffe, die in das Heft geklebt werden, dass etwa geprägtes Papier genutzt wird, das schwieriger gefälscht werden kann.

ABO, 11.05.2021
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