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Volkskrankheiten in Zeiten von Corona – wer besonders gefährdet ist

Die Deutschen sind geplagt von zahlreichen Volkskrankheiten. Darunter fallen neben vielen anderen auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes, Depressionen, Rückenschmerzen, … Doch sind sie jetzt – in Zeiten der Corona-Pandemie – alle gleichermaßen gefährdet oder trifft es gar manche schwerer und manche weniger? Sind wirklich Asthmatiker die Risikogruppe Nummer 1 und müssen Diabetiker das Coronavirus überhaupt fürchten? Der folgende Beitrag zeigt schlaglichtartig, wie es um die Corona-Forschung mit Blick auf Diabetes, Neurodermitis und Co. bestellt ist.

Symbolbild Neurodermitis
Ein juckender Hautausschlag ist das typischste Anzeichen für Neurodermitis. Was viele nicht wissen: An Neurodermitis erkranken nicht nur Kinder. Im Hinblick auf das Coronavirus ist die Gefahr jedoch nicht erhöht.

Wer an Neurodermitis leidet, kann sich gegen Corona impfen lassen

Das raten die Redakteure der Deutschen Apotheker Zeitung und stützen sich dabei auf die Erkenntnisse aus dem Neurodermitis-Report. Neurodermitis werde als Krankheit von Kindern und Jugendlichen abgetan, doch dem sei nicht so. Stattdessen zählen etwa 3,3 Prozent der Erwachsenen zur Gruppe der Neurodermitis-Patienten. Doch warum ist eine Impfung für diese Gruppe sinnvoll? Prof. Dr. Matthias Augustin rät nachdrücklich dazu, dass sich Betroffene ab 16 impfen lassen sollten. Vor allem der Impfstoff von Biontech/Pfizer könne zum Einsatz komme, da dieser bereits ab 16 Jahren zugelassen ist. Moderna könne ab 18 Jahren verimpft werden. Der Facharzt für Hauterkrankungen räumt damit die Zweifel vieler aus dem Weg, da gerade Patienten, die an Neurodermitis leiden, häufiger auch andere Unverträglichkeiten und Allergien aufweisen – und deswegen eine Impfung scheuen.

Ein Blick auf die Zahlen: Deutschlandweit leiden etwa vier Millionen Menschen an Neurodermitis. Häufig wird die Hautkrankheit, die von Ausschlag und Juckreiz gekennzeichnet ist, bereits in der frühesten Kindheit diagnostiziert.

Symbolbild Asthma
Asthmatiker haben wider Erwarten kein erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Stattdessen könnte jetzt ein Asthma-Medikament helfen, den Krankheitsverlauf zu mildern.
Wer an Asthma bronchiale leidet, ist nicht zwingend anfälliger für das Coronavirus

Laut Recherchen des Lungeninformationsdienstes können zwar bestimmte Grunderkrankungen einen schwereren Covid-19-Krankheitsverlauf bedingen, allerdings zeigen Studien, dass davon nicht zwingend Menschen betroffen sein müssen, die an Asthma leiden. Entscheidend seien den Studienergebnisse zufolge vor allem das Alter und etwaige Grunderkrankungen. Auch Raucher, Diabetiker sowie Menschen, die an Bluthochdruck litten, hatten ein größeres Risiko als Asthmatiker. Neuesten Erkenntnissen aus Großbritannien zufolge sei nun sogar ausgerechnet ein Asthma-Mittel (Budesonid) dafür geeignet, einen schweren Corona-Krankheitsverlauf abzufedern. Budesonid könne demnach die Behandlungsdauer von Covid-19 sowie die Tage mit Fieber verkürzen und so die Krankheitsausmaße deutlich reduzieren.

Ein Blick auf die Zahlen: Deutschlandweit leiden etwa acht Millionen Menschen an Asthma bronchiale. Auch hieran erkranken deutlich mehr Kinder als Erwachsene. Asthma gilt sogar als häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.

Symbolbild Diabetes
Wer an Diabetes leidet, hat das mitunter größte Risiko, dass eine Corona-Infektion in einem schweren Krankheitsverlauf mündet.
Wer an Diabetes leidet, muss gut eingestellt sein – doch das ist kein Garant

Auch wenn der Betroffene gut eingestellt ist, besteht ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Diese Erkenntnis dokumentierte die Redaktion des Ärzteblatt und nennt erschreckende Zahlen, wie etwa, dass bei Diabetikern das Sterberisiko um 50 Prozent erhöht sei. Auch bei Diabetikern spielen Grunderkrankungen sowie Bluthochdruck, Geschlecht und Übergewicht eine entscheidende Rolle mit Blick auf den Krankheitsverlauf. Allerdings zeigte sich bei Untersuchungen auch, dass selbst gut eingestellte Diabetiker Gefahr laufen, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Ein Blick auf die Zahlen: Deutschlandweit leben etwa acht Millionen Menschen mit der Zuckerkrankheit. Täglich steigt die Zahl der Erkrankten um 1.600 Menschen. Das bedeutet umgerechnet auf ein Jahr, dass jährlich 600.000 Menschen „neu“ an Diabetes erkranken.

Symbolbild Herzkrankheit
Eine Herzkrankheit und Bluthochdruck sind gefährlich mit Blick auf das Coronavirus. Betroffene zählen zur Risikogruppe.
Wer eine Herzkrankheit hat, hat ein größeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf

Eine Infektion mit dem Coronavirus stellt eine Belastung für das gesamte Herz-Kreislauf-System dar. Deswegen gehen die Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie davon aus, dass die Krankheitsverläufe von Herzpatienten deutlich schwerwiegender verlaufen könnten als bei Menschen ohne Vorerkrankungen. Ohne Herzerkrankung liege die Sterblichkeitsrate bei 7,6 Prozent – mit Herzleiden bei 13,3 Prozent. Zudem steigt das Risiko mit dem Alter, weshalb Menschen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren das größte Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Faktoren, die den Krankheitsverlauf darüber hinaus negativ beeinflussen könnten sind weitere Vorerkrankungen, beispielsweise der Leber sowie eine Krebserkrankung oder ein ohnehin geschwächtes Immunsystem.

Ein Blick auf die Zahlen: Laut dem Robert-Koch-Institut sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache – und zwar ohne, dass das Coronavirus mitwirkt. Sie verursachen Statistiken zufolge 40 Prozent aller Sterbefälle deutschlandweit.

Blutdruckmittel bereiten dem Coronavirus einen idealen Nährboden

Dass Menschen mit Bluthochdruck ein größeres Risiko auf einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf haben, liegt zum einen am schlechten körperlichen Zustand der Patienten sowie an den Medikamenten, die eingenommen werden. Wer den ACE2-Spiegel erhöht, um  den Blutdruck zu senken, bereitet dem Coronavirus den idealen Nährboden, denn SARS-CoV-2 dockt eben dort besonders gut und gerne an. Wer eine poröse Gefäßstruktur hat, der könnte stärker an einer Covid-Infektion leiden, denn das Virus greift das Endothel an. So wird die innerste Gefäßschicht bezeichnet.

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