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Schumann und seine Zeit

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Florestan und Eusebius

Der junge Schumann begeisterte sich für die poetischen und phantastischen Romanwelten von Jean Paul und E.T.A. Hoffmann, hegte selber schriftstellerische Ambitionen und hat seine typisch romantische Widersprüchlichkeit bezeichnenderweise in einem ungewöhnlichen Gegensatzpaar seiner selbst gebannt: in den fiktiven Figuren Florestan und Eusebius. Er hat, anknüpfend an reale und literarische Künstlerverbindungen um 1830 einen imaginären Künstlerbund mit sich selbst geschlossen: den Davidsbund. Die Mitglieder sind reale Figuren seines Umfelds, seine Lehrer, seine Mitschülerin und spätere Frau Clara, andere Komponisten, die alle mit neuen Namen versehen durch sein Tagebuch und bald auch durch sein Musikschrifttum geistern – und natürlich dürfen Florestan und Eusebius als Vertreter seines widerstreitenden Inneren da erst recht nicht fehlen.

Florestan ist laut Schumann „einer von jenen seltenen Musikmenschen, die alles Zukünftige, Neue, Außerordentliche wie vorausahnen“, der innovative, ungeduldige Sucher, der bereit ist, Unerhörtes anzuerkennen. Eusebius aber ist ein Träumer, ein Schwelger, einer, der formvollendet Lyrisches, Gerundetes liebt, aber auch der genauer Abwägende ist. Schumann trat hinter die beiden zurück und schuf so eine bemerkenswert analytische Distanz zu allem, was sich musikalisch bei seinen Zeitgenossen tat. Aber er lebte diesen ansatzweise schizophrenen Diskurs nicht nur literarisch aus, sondern spiegelte ihn auch in seinem Komponieren. Besonders deutlich wird das in den sogenannten Davidsbündlertänzen, die 1837 entstanden. Schumann ließ seine fiktiven Figuren einzelne Tänze selber unterzeichnen. So findet sich unter den Tänzen Nummer 3, 4, 6, 10 und 12 jeweils das Monogramm „F.“ – für Florestan – und unter den vor bzw. nachgestellten Sätzen das „E.“ – für Eusebius. In anderen Teilen „diskutieren“ beide miteinander.

Zum Artikel "Robert Schumann - der Pianist und Klaviermusik-Prophet"

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von Christian Strehk
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