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Schöner Wohnen auf engem Raum

Klimawandel und Wohnungsknappheit stellen neue Anforderungen an den Bausektor

In unseren Großstädten herrscht Wohnraumknappheit und die Mieten steigen stetig an. Wenig Wohnraum möglichst optimal nutzen – das kann Abhilfe schaffen. Doch nicht nur die urbane Entwicklung, sondern auch der Klimawandel fordert ein Umdenken auf dem Bausektor. Denn die Art, wie wir bauen und wohnen beeinflusst in nicht unerheblichem Ausmaß die Erderwärmung. Welchen Beitrag der Bausektor leisten kann und muss, das hat die deutsche Bauzeitung db gemeinsam mit dem Wuppertal Institut zum Thema eines Kongresses gemacht, der am 21. Mai 2014 in Darmstadt stattfindet. „Besser, anders, weniger – Suffizienz in der Baukultur“, so lautet der treffend formulierte Titel der Veranstaltung.

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Platz für Optimierung ist vorhanden.

Wir müssen umdenken

„Größer, schneller, weiter“ - zu dem Lebensmotto hin hat sich unsere Gesellschaft entwickelt. Hinsichtlich des verschwenderischen Umgangs mit Wohnraum stellt uns diese Entwicklung vor zweierlei Probleme: Zum einen herrscht in den Großstädten Platzmangel und es fehlt an bezahlbaren Wohnungen. Zum anderen trägt auch diese Art der Verschwendung zum Klimawandel bei. Der enorme Anteil von 40 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen stammen aus dem privaten Konsum, wie Experten berichten. Wir verbrauchen zu viel Strom und Wasser, wir produzieren zu viel Müll, um nur einige Beispiele zu nennen. Kurzum: Wir müssen wieder lernen, genügsamer und bescheidener zu werden. Zum privaten Konsum zählt aber auch die Nutzung von Wohnraum. Weg von verschwenderisch großem Wohnraum hin zu mehr Qualität auf engem Raum. Das ist der Weg, den wir in Zukunft einschlagen müssen, ganz nach dem Motto „Besser, anders, weniger.“

Architekten müssen umdenken

Was war bislang der Traum eines Architekten? Große, einladende Eingangshallen, hohe Decken, offene Galerien. Kurzum: Enorm viel Raum, um kreative Ideen uneingeschränkt entfalten zu können. Doch dies muss sich ändern, sagen Experten. Statt dessen ist es besser, kleinen Wohnraum gestalterisch so zu perfektionieren, dass jeder Zentimeter genutzt werden kann. Und das bei hoher Wohn- und damit auch Lebensqualität. Das sollten die Ziele auf dem Bausektor sein. Wieviel Platz nimmt eine Treppe ein? Kann ich diesen Platz minimieren bei gleicher Qualität? Dies Fragen treiben idealerweise in Zukunft die Architekten in ihrem Schaffen an.

Wir brauchen mehr Suffizienz in der Baukultur, wie es heißt. Doch was bedeutet Suffizienz? Der Begriff stammt von dem lateinischen Wort sufficere für ausreichend ab. Nicht mehr als nötig, das ist es, worum es bei dem Thema Suffizienz demnach geht. Bei dem eintägigen Kongress wird dieses Thema nicht nur aus der Sicht von Architekten und Planern, sondern auch aus soziologischer und mathematischer Sichtweise beleuchtet. Ein Bewusstsein für das Thema schaffen, Fachleute verschiedener Disziplinen zum Dialog einladen, um gemeinsam Lösungen zu finden und den Weg zu ebnen, darum geht bei dem Kongress.

Ganzheitlich umdenken

Ein Schwerpunkt des Kongresses wird das Thema sein: „Kann man ein Weniger verkaufen?“. Denn was hilft es kleinen Wohnraum zu schaffen und zu optimieren, wenn er von den Menschen nicht angenommen wird. Angebot und Nachfrage müssen auch hier Hand in Hand gehen: Der Bausektor bietet optimierten kleinen Wohnraum an und der Konsument fragt diesen Wohnraum nach. Zu diesem Ziel der Suffizienz gelangen wir nur, wenn wir ganzheitlich umdenken.

Sowohl Architekten und Bauunternehmer, als auch Konsumenten sind gefordert, ihre Sichtweise und ihre Anforderungen zu ändern. Ein kleiner Wohnraum ist nicht gleichbedeutend mit geringer Wohnqualität. Wenn wir bei dieser Einstellung angekommen sind, dann ist bereits ein großer Schritt getan auf dem Weg zu einer Wohnkultur, die sowohl dem Problem der Wohnungsknappheit in Städten als auch dem Klimawandel angemessen begegnen kann.

Interessenten können sich bei dem Suffizienzkongress „Besser, anders, weniger“ der deutschen Bauzeitung anmelden.

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