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Makrobiotik

Vom Essen zur Weltanschauung

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Ernährungsgrundlagen der Makrobiotik

Ohsawas Speiseplan sah im Schnitt den Verzehr von 70 Prozent unbehandeltem Vollkorngetreide und 20 Prozent gekochtem Gemüse, dazu Algen und Hülsenfrüchte vor. Im Gegensatz zu Hufelands Auffassung sollten die Mahlzeiten mit reichlich Kochsalz gewürzt sein und war mit Flüssigkeit sparsam umzugehen. Kranken empfahl der Makrobiotik-Guru ausschließlich Getreide, denn er war überzeugt, dass der Körper Vitamine selbst bilde. Kein Wunder, dass für manchen seiner Anhänger eine solche Kur mit dem Tod statt mit Genesung endete.

Nachfolger von Ohsawa sind weniger radikal. Sein Landsmann Michio Kushi etwa empfiehlt eine ausgewogenere Aufteilung von Getreide und Gemüse, lässt Rohkost sowie Desserts zu und erlaubt zu besonderen Anlässen auch mal einen Schluck Alkohol. Der Amerikaner Steven Acuff indessen fügt seinem Diätplan Eier hinzu, um dem bei makrobiotischer Ernährungsweise oft beklagten Mangel an Vitamin B12 beizukommen. Dies ist bedeutsam für die Zellteilung, die Blutbildung und das Nervensystem.

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Kind isst Rohkost

Moderne Formen der Makrobiotik erlauben auch den Verzehr von Rohkost.

Trotz aller Unterschiede, Grundlage der modernen Makrobiotik ist das taoistische Prinzip von Yin und Yang, von – vereinfacht gesagt – gegensätzlichen Kräften, die einander bedingen und somit in der Welt eine Einheit bilden. Diese Gegensätzlichkeit liegt auch bei Lebensmitteln vor. Während einige mehr Yin enthalten, sind andere ausgesprochen Yang. Hier sollte die Balance bewahrt bleiben, wie übrigens in allen anderen Lebensbereichen auch.

Nun ist aber nicht allein die Balance von Yin und Yang ausschlaggebend. Wer sich nach neuen Erkenntnissen makrobiotisch ernähren und Mangelerscheinungen vorbeugen möchte, tut gut daran, sich individuell vom Ernährungsmediziner beraten zu lassen. „Die Makrobiotik ist keine Ernährungsform, sondern eine Lebensform, deren Gesetzmäßigkeiten die Ernährung folgt“, sagt Maktrobiotik-Expertin Imke Lamberts aus Hamburg. „Insofern hängt der Speiseplan von Lebenssituation, Geschlecht, Beruf, Herkunftsregion und so weiter ab. Um seinen Eiweißbedarf zu decken, empfiehlt sich  für den durchschnittlichen Mitteleuropäer neben Hülsenfrüchten und Tofu zwei bis dreimal die Woche Fisch und gelegentlich auch mal Fleisch.“

Makrobiotische Kost ist also keine rein vegetarische Angelegenheit, wohl aber sollte alles aus biologischem Anbau stammen. Und noch eines: Da sich auf ernährungswissenschaftlicher Seite die Erkenntnisse ständig ändern, ist es ratsam, sich auch ständig auf dem Laufenden zu halten.

von wissen.de-Autor Jens Ossa
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