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LEXIKON

Wallenstein

Wallensteins Ende und seine historische Einschätzung

Wallensteins Fernziel war die Errichtung der absoluten Monarchie im Reich unter Ausschaltung des Einspruchsrechtes ausländischer Mächte und bei Duldung aller christlichen Konfessionen. Dies und die Missachtung der Fürsten und Landstände trug ihm die Feindschaft sowohl der deutschen katholischen Fürsten als auch Spaniens und der Jesuiten ein. 1630 erzwangen die Jesuiten und die deutschen Fürsten um Maximilian von Bayern auf dem Regensburger Kurfürstentag Wallensteins Absetzung. Dennoch folgte er nach der Niederlage Tillys bei Breitenfeld dem Hilferuf des Kaisers und übernahm den nun unbeschränkten Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen. Er vertrieb die Sachsen aus Böhmen und schlug 1632 die Schlacht bei Lützen, in der Gustav II. Adolf fiel. Seine Verhandlungen mit den Schweden, mit Brandenburg und Sachsen zur Erlangung eines allgemeinen Reichsfriedens gaben seinen Wiedersachern am Wiener Hof erneut Auftrieb, da er auch zögerte, Maximilian von Bayern militärische Hilfe in Süddeutschland zu leisten. Nachdem Wallenstein im „Pilsener Revers“ vom Januar 1634 ein unmittelbares Treueversprechen seiner Kommmandeure einforderte, eskalierte die Situation. Wallenstein wurde durch kaiserliches Patente im Februar 1634 abgesetzt und des Hochverrats bezichtigt. Wichtige Getreue fielen nun von ihm ab. In Eger wurde Wallenstein von dem irischen Hauptmann Devereux (Deveroux) erstochen.
Wallensteins Konspiration
Wallensteins Konspiration
Der Beichtvater Kaiser Ferdinands II., P. Lamormaini S. J., berichtete am 3. März 1634 dem jesuitischen Ordensgeneral Vitelleschi über die Anschuldigungen gegen Wallenstein und die Gegenmaßnahmen des Kaisers:

Die geheimen Machenschaften Friedlands [= Wallenstein] wurden endlich am 12. Januar als Verschwörung erkennbar. Er wollte den Kaiser verderben, das Haus Österreich ausrotten, die österreichischen Königreiche und Provinzen an sich reißen und die Güter und Herrschaften der kaisertreuen Minister an seine Mitverschworenen aufteilen. So hatte er den kaiserfeindlichen und besonders den ketzerischen und wegen Rebellion und Häresie in vergangenen Jahren aus Böhmen und den Erbländern emigrierten Offizieren die weit gehendsten Versprechungen gemacht, aber immer mit solcher Vorsicht, dass er nur wenigen seine geheimsten Absichten entdeckte, nämlich nur denen, deren Treue er durch Zusage ganzer Fürstentümer gewonnen zu haben glaubte. Der kaiserlichen Majestät gegenüber heuchelte er indessen eine ganz andere Gesinnung. Sobald aber der Kaiser im tiefsten Geheimnis von denen, die er [Wallenstein] ins Vertrauen gezogen hatte, die Treulosigkeit dieses ruchlosen und undankbaren Menschen erfuhr, versuchte er, ganz im Verborgenen seine Machenschaften zu vereiteln und zunichte zu machen. Zunächst nahm er demütig seine Zuflucht zur Hilfe Gottes und ließ, ohne den Anlass seines Ersuchens anzugeben, den Ordensleuten anbefehlen, um Versöhnung Gottes bemüht zu sein... Dann gab er einigen Getreuen, nämlich Gallas, Aldringen, Piccolomini und Coloredo, die sich den Anschein gaben, als seien sie für Friedland, Vollmacht und Befehl, die Obersten und die Soldaten von ihrem Irrweg, der den meisten nicht bewusst war, abzurufen bzw. im Gehorsam und in der Pflicht gegenüber dem Kaiser zu erhalten; ferner aber das Haupt und die wichtigsten Teilhaber der Verschwörung, so es sich irgend tun lasse zu verhaften und nach Wien zu bringen oder als Überführte aus der Zahl der Sterblichen zu tilgen.

Dieser Befehl wurde am 24. Januar gegeben, und es gefiel der göttlichen Majestät, die Pläne des Kaisers gedeihen zu lassen. Die ganze Sache blieb geheim bis zum 22. Februar...
Die historische Einschätzung Wallensteins blieb, insbesondere durch die starke Betonung der Verratsfrage, lange zwiespältig. Einerseits wurden ihm militärische Genialität und politische Weitsicht zuerkannt, andererseits Ehrgeiz, Gewinnsucht und Verkennung der tatsächlichen Machtverhältnisse vorgeworfen. Heute muss man in ihm einen ersten Typus des militärische Unternehmers sehen, der Kriegführung und Versorgung der Armee nach wirtschaftlich-finanziellen Gesichtspunkten plante und organisierte und sich dadurch eine starke politische Stellung verschaffen konnte, in der er zur prägenden Persönlichkeit des Dreißigjährigen Krieges wurde.
Wallensteins Schicksal ist in der Literatur häufig behandelt worden; zu nennen sind vor allem Schillers Dramentrilogie „Wallensteins Lager“, „Die Piccolomini“ und „Wallensteins Tod“ 1798/99 und Alfred Döblins Roman „Wallenstein“ 1920.
  1. Einleitung
  2. Aufstieg
  3. Auf dem Höhepunkt der Macht
  4. Wallensteins Ende und seine historische Einschätzung
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