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LEXIKON

Sexulwissenschaft

Sexologie
eine Anfang des 20. Jahrhunderts von I. Bloch, M. Hirschfeld, M. Marcuse u. a. begründete Wissenschaft, die die menschliche Sexualität und ihre Verhaltensweisen untersucht. An ihr sind u. a. Medizin, Psychologie, Soziologie und Völkerkunde beteiligt.
Die Anfänge der Sexualwissenschaft liegen bereits im 19. Jahrhundert. Die Theorien S. Freuds ließen die Bedeutung der menschlichen Sexualität erkennen. W. Reich erstrebte die sexuelle Befreiung der Massen durch eine Verbindung von Psychoanalyse und marxistischer Gesellschaftskritik. Erstes Zentrum der Sexualwissenschaft war Berlin, wo 1919 von M. Hirschfeld das erste Institut für Sexualwissenschaft gegründet wurde. 1933 wurde es vom nationalsozialistischen Regime geschlossen, Archiv und Bibliothek wurden verbrannt. Danach verlagerte sich die Sexualforschung in die USA, wo A. Kinsey die menschliche Sexualwissenschaft mit statistischen Methoden zu analysieren versuchte und Bücher über das sexuelle Verhalten des Mannes (1948) und der Frau (1953) veröffentlichte, die heute unter dem Namen Kinsey-Report bekannt sind. Auf experimentellen Laboruntersuchungen beruhten die Studien von W. H. Masters und V. Johnson (1966).
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Sexualwissenschaft in Deutschland von H. Giese wieder aufgenommen, der 1950 die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung in Frankfurt gründete. Nach Gieses Tod wurde seine Arbeit von V. Sigusch, E. Schorsch, H. Kentler u. a. weitergeführt. Sigusch war z. B. an der Reform und rechtlichen Auslegung des Sexualstrafrechts beteiligt, die u. a. 1998 den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern verschärfte. Mehrere sexologische Arbeits- und Forschungsgruppen an medizinischen Fakultäten befassen sich u. a. mit Sexualpädagogik, Sexualtherapie, Sexualverhalten und Sexualstrafrecht.
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