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LEXIKON

Robbe-Grillet

[
rɔbgriˈjɛ
]
Alain, französischer Schriftsteller und Filmregisseur, * 18. 8. 1922 Brest,  18. 2. 2008 Caen; Theoretiker und Hauptvertreter des Nouveau Roman; arbeitete bis 1950 als Agraringenieur an naturwissenschaftlichen Instituten; bricht in seinen in sachlich-mathematischer Sprache gehaltenen Romanen mit dem linearen Erzählen und der psychologischen Figurengestaltung des klassischen Romans; Aufgabe des Lesers ist es, aus den fragmentarischen Sequenzen und den sich überlagernden Perspektiven das Geschehen zu (re-)konstruieren; Gewalt und Erotik bilden häufige Themen seiner Werke; später auch Drehbücher sowie Hinwendung zu autobiografisch beeinflussten Romanen; Werke u. a.: „Der Augenzeuge“ 1955, deutsch 1957; „Die Niederlage von Reichenfels“ 1959, deutsch 1960; „Projekt für eine Revolution in New York“ 1970, deutsch 1971; „Djinn“ 1978, deutsch 1983; „Ein rotes Loch im lückenhaften Pflaster“ 1981, deutsch 1983; Drehbücher: „Letztes Jahr in Marienbad“ 1961, deutsch 1961 (Film von A. Resnais); „Die Unsterbliche“ 1963, deutsch 1963. Autobiografien: „Der wiederkehrende Spiegel“ 1985, deutsch 1986; „Angélique oder die Verzauberung“ 1988, deutsch 1989; „Corinthes letzte Tage“ 1994, deutsch 1997.
  • Erscheinungsjahr: 1955
  • Veröffentlicht: Frankreich
  • Verfasser:
    , Alain
  • Deutscher Titel: Der Augenzeuge
  • Original-Titel: Le Voyeur
  • Genre: Roman
Mit dem in Paris erschienenen Roman »Der Augenzeuge« legt Alain Robbe-Grillet (* 1922) das erste seiner Romanwerke vor, die später als »nouveau roman« (Neuer Roman) bezeichnet werden. Ein Handelsvertreter schafft durch die genaue Beschreibung der Dinge, die er sieht, den Verdacht, dass er einen Lustmord begangen hat. Der Autor lässt die Frage offen, ob der Mord tatsächlich begangen wurde oder ob es sich nur um Fantasien des Handelsvertreters handelt, der die Dinge so sieht, als wäre ein Mord begangen worden.
Die deutsche Übersetzung erscheint 1957.
  • Erscheinungsjahr: 1959
  • Veröffentlicht: Frankreich
  • Verfasser:
    , Alain
  • Deutscher Titel: Im Labyrinth/Die Niederlage von Reichenfels
  • Original-Titel: Dans le labyrinthe
  • Genre: Roman
Alain Robbe-Grillets (* 1922) Roman handelt von einem Soldaten, der nach einer verlorenen Schlacht in einer verschneiten, menschenleeren Stadt umherirrt, um Briefe gefallener Kameraden zu überbringen. Er wird von einer feindlichen Patrouille tödlich verwundet, bevor er seine Mission erfüllen kann. Robbe-Grillet qualifiziert die Szenen dieses Romans provozierend als Comic-Strip-Bilder, als »bloße Oberflächen ohne verborgene Seele«. Der Autor kommentiert Szenen, bricht sie mit einem desillusionierenden »usw.« ab, probiert nacheinander verschiedene Erzählversionen aus (»Draußen regnet es...«, »Draußen scheint die Sonne...«, »Draußen schneit es...«). Gegen eine Interpretation wehrt er sich: »Der große Feind für mich, der einzige Feind vielleicht, und das wohl seit jeher, ist ganz allgemein der Sinn.«
Die deutsche Übersetzung erscheint 1960.
  • Erscheinungsjahr: 1970
  • Veröffentlicht: Frankreich
  • Verfasser:
    , Alain
  • Deutscher Titel: Projekt für eine Revolution in New York
  • Original-Titel: Projet pour une révolution à New York
  • Genre: Roman
Gewalt, Brandstiftung und Mord sind die vielfach variierten Grundmotive des Romans »Projekt für eine Revolution in New York« von Alain Robbe-Grillet (* 1922). Diese Aktionen einer radikalen Untergrundbewegung richten sich gegen die sich gegenseitig bespitzelnden Gruppenmitglieder, ein Panoptikum von Maskenträgern, bei denen auch das Abstreifen der Maske nicht zum Erscheinen einer Persönlichkeit führt. Vergewaltigungsszenen werden als »lustig« und »charmant« beschrieben. Der Autor verteidigt das Werk als Phantasiebild der modernen Gesellschaft.
Die deutsche Übersetzung erscheint 1971.
  • Deutscher Titel: Letztes Jahr in Marienbad
  • Original-Titel: L„ANNÉE DERNIERE A MARIENBAD
  • Land: Frankreich
  • Jahr: 1961
  • Regie: Alain Resnais
  • Drehbuch: Alain Robbe-Grillet
  • Kamera: Sacha Vierny
  • Schauspieler: Delphine Seyrig, Giorgio Albertazzi
  • Auszeichnungen: Goldener Löwe Filmfestival Venedig 1961
Regisseur Alain Resnais und Experimentalromancier Alain Robbe-Grillet betreten künstlerisches Neuland mit einem Film, der die Zuverlässigkeit bewusster Wahrnehmungen in Frage stellt. Der Film »Letztes Jahr in Marienbad«, der in Venedig uraufgeführt wird, gewinnt in kürzester Zeit den Rang eines Schlüsselwerks, das eine Weiterentwicklung der Filmsprache neben dem traditionellen Erzählkino markiert.
Ort der Filmhandlung ist ein barockes Prunkschloss, das mit seinen kunstvollen Parkanlagen als luxuriöses Kurhotel genutzt wird. Ein Mann geht durch die Anlage und begegnet einer jungen Frau.
Vor einem Jahr sollen sie ein Liebesverhältnis gehabt haben. Nun scheinen sie sich nicht zu kennen. Ein kompliziertes Geflecht aus wahren und imaginären Erinnerungen und Gedanken wird in Bild und Sprache ausgebreitet, ohne dass der Zuschauer letztlich Klarheit über die tatsächlichen Abläufe gewinnt. Resnais kleidet das Spiel mit Assoziationen in streng aufgebaute Bilder mit Gestaltungselementen der modernen Kunst.
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