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LEXIKON

Nahostkonflikt

Israelisch-arabische Kriege

Im 1. israelisch-arabischen Krieg 1948/49 konnte Israel seinen Gebietsstand über die im UN-Teilungsbeschluss vorgesehenen Grenzen hinaus erweitern. Der Krieg wurde durch Waffenstillstände, nicht jedoch durch einen Friedensbeschluss beendet. Jordanien annektierte das Westjordanland, das nach dem UN-Plan den Hauptteil des arabischen Palästinenserstaates bilden sollte. Seit Mitte der 1950er Jahre wuchs die Zahl der arabischen Guerillaaktionen.
Israel nutzte 1956 im Zusammenwirken mit Großbritannien und Frankreich die Suezkrise zum Vorstoß bis an den Suezkanal (2. israelisch-arabischer Krieg), um seine Position gegenüber den arabischen Staaten zu verbessern; es erlangte auch Zugeständnisse (u. a. freie Schifffahrt im Golf von Tiran), konnte aber keine Regelung der wesentlichen Streitfragen erreichen. 1957 zog es seine Truppen von der Sinai-Halbinsel und aus dem Gazastreifen wieder ab, und UN-Truppen übernahmen die Kontrolle an der israelisch-ägyptischen Grenze. Während sich Großbritannien und Frankreich seit 1956 weitgehend aus Nahost zurückzogen, griffen die USA auf Seiten Israels und die UdSSR auf Seiten der Araber zunehmend in den Nahostkonflikt ein.
1967 erwirkte Ägypten den Abzug der UN-Truppen, ließ Truppen an der Grenze aufmarschieren und sperrte die Straße von Tiran. Auch Syrien nahm eine drohende Haltung ein. Daraufhin griff Israel am 5. 6. 1967 Ägypten und Syrien an, die im Kampf von Jordanien unterstützt wurden, und besetzte in sechs Tagen die ägyptische Sinai-Halbinsel, den von Ägypten verwalteten Gazastreifen, die syrischen Golanhöhen und das von Jordanien annektierte Westjordanland mit dem Ostteil Jerusalems (3. israelisch-arabischer Krieg, Sechstagekrieg). Am 22. 11. 1967 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die grundlegende „Nahost-Resolution“ 242. Sie forderte den Rückzug der israelischen Truppen „aus besetzten Gebieten“, die Anerkennung und territoriale Unverletzlichkeit aller nahöstlichen Staaten (also auch Israels), freie Durchfahrt durch alle internationalen Wasserstraßen und eine gerechte Regelung des Flüchtlingsproblems. Das Problem der arabischen Palästinenser wurde also nur als Flüchtlings-, nicht als nationales Problem behandelt. Zum Wortführer des erstarkenden palästinensischen Nationalismus machte sich die 1964 gegründete PLO, die seit 1967 an internationalem Einfluss gewann. Sie lehnte die Resolution 242 ab.
Israel: Sechstagekrieg
Gefangene Soldaten
Gefangene ägyptische Soldaten werden während des Sechstagekriegs 1967 von bewaffneten Israelis in ein Kriegsgefangenenlager in der Wüste Sinai gefahren.
Am Suezkanal kam es seit März 1969 erneut zu Kampfhandlungen begrenzten Umfangs, die erst im August 1970 durch einen von den USA vermittelten Waffenstillstand ein Ende fanden („Abnutzungskrieg“). Am 6. 10. 1973 begann überraschend der 4. israelisch-arabische Krieg (Jom-Kippur-Krieg) mit einem koordinierten Angriff Ägyptens und Syriens. Andere arabische Staaten beteiligten sich mit Truppenkontingenten. Den syrischen Angriff auf den Golanhöhen schlug Israel nach schweren Kämpfen zurück. Den Ägyptern gelang es, sich am Ostufer des Suezkanals festzusetzen, während Israel einen Brückenkopf am Westufer errichten konnte. Auf Initiative der USA und der UdSSR erließ der UN-Sicherheitsrat am 22. 10. einen Appell zur Feuereinstellung, dem die Krieg führenden Parteien zustimmten. Mit US-amerikanischer Vermittlung wurden 1974/75 zwei ägyptisch-israelische und ein syrisch-israelisches Truppenentflechtungsabkommen geschlossen. Sie führten zu einem Teilrückzug Israels auf dem Sinai und zu einem Auseinanderrücken der Fronten auf den Golanhöhen; in die Pufferzonen rückten UN-Truppen ein.
1977 leitete der ägyptische Präsident Sadat durch eine Reise nach Jerusalem direkte Verhandlungen mit Israel ein. Sie führten mit US-amerikanischer Vermittlung zum Camp-David-Abkommen vom 17. 9. 1978 und zum Friedensvertrag vom 26. 3. 1979, der die Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten sowie die Aufnahme von Verhandlungen über eine Autonomielösung für das Westjordanland und den Gazastreifen vorsah. Die Sinai-Halbinsel wurde termingemäß bis 1982 zurückgegeben; die Autonomieverhandlungen erbrachten kein Ergebnis. Die meisten arabischen Staaten und die PLO lehnten den israelisch-ägyptischen Friedensvertrag ab.
Nahostkonflikt: Friedensvertrag von 1979
Israelisch-ägyptischer Friedensvertrag
Die letzte Seite des israelisch-ägyptischen Friedensvertrag vom 26. 3. 1979 trägt die Unterschriften von Anwar As Sadat, Menachem Begin und Jimmy Carter.
  1. Einleitung
  2. Teilung Palästinas
  3. Israelisch-arabische Kriege
  4. Krisenherd Libanon in den 1980er Jahren
  5. Erste Intifada und Friedensbemühungen der 1990er Jahre
  6. Jüngste Entwicklungen
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