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LEXIKON

Luther

Wartburgaufenthalt und Bauernkriege

Am 3. 1. 1521 wurde Luther von Papst Leo X. exkommuniziert. Auf dem Reichstag zu Worms im April 1521 lehnte Luther den Widerruf und die stumme Unterwerfung unter ein allgemeines Konzil ab; Kaiser Karl V. verhängte darauf über Luther die Reichsacht. Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen ließ Luther nach einem Scheinüberfall auf die Wartburg bringen, wo die Übersetzung des Neuen Testaments entstand, die 1522 im Druck erschien und 1534 durch die Übersetzung des Alten Testaments ergänzt wurde. Während des Wartburgaufenthalts (bis 1522) hatten sich vielerorts lutherische Gemeinden gebildet. Seine Schrift gegen die Mönchgelübde bewog zahlreiche Mönche und Nonnen, die Klöster zu verlassen. Die 1524/25 überall im Reich ausbrechenden Bauernaufstände beriefen sich vielfach auf Luthers Lehren, doch die verübten Gräueltaten veranlassten ihn nach anfänglichem Verständnis für die Anliegen der unter Rechtsunsicherheit leidenden Bauern, die Fürsten „wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“ aufzurufen. Am 13. 6. 1525 heiratete Luther die ehemalige Zisterziensernonne K. von Bora.
Luthers Verhör durch Dr. Eck
Luthers Verhör durch Dr. Eck
Als Orator Kaiser Karls V. eröffnete der Offizial des Trierer Erzbischofs, Johann Eck, auf dem Wormser Reichstag am 17. April 1521 das Verhör Martin Luthers:

Martin Luther, die hohe und unüberwindliche Kaiserl. Majestät hat aus Bedenken und nach Rat aller Stände des Heiligen Römischen Reiches dich vor ihrer Majestät Stuhl hierher berufen und erfordern lassen, um dich diese zween Artikel zu fragen: Erstlich, ob du bekennst, dass diese Bücher (deren ein großes Convolut und Bündel lateinisch und deutsch geschrieben, gezeiget ward) dein seien, und ob du dieselben für die deinen erkennest oder nicht? Zum andern, ob du dieselben und was darinnen ist, widerrufen oder auf denselben verharren und bestehen willst?

Nach der Bitte Luthers um Bedenkzeit:
Wiewohl du, Martin Luther, jetzt aus Kaiserl. Mandat und Befehl genugsam hättest können verstehen, wozu und warum du erfordert bist, und derhalben nun nicht mehr würdig wärest, dass dir weiter und länger Bedenkzeit gegeben würde, so lässt dir doch Kaiserl. Majestät aus angeborener Güte noch einen Tag, dich zu bedenken, also, dass du morgen um eben diese Stunde gegenwärtig erscheinst ...
Hie stehe ich, Gott helff mir. Amen.
Hie stehe ich, Gott helff mir. Amen.
Der Luther-Biograf Heiko A. Obermann (* 1930) rekonstruierte den Auftritt Martin Luthers vor dem Reichstag zu Worms am 17. und 18. April 1521:

Er hat gezittert unter der Last der Anklage im Angesicht der hohen Herren des Reiches. Doch das war es eben nicht allein!... Und nun sah er sich auf einmal selbst vor die Grenze gestellt. Für ihn unerwartet, hatten sich Kurie und Papst nicht auf seine Seite, eben die Seite des Evangeliums, gestellt. Er war sicher gewesen, der Papst würde den Tetzel verdammen und mich segnen... Aber da ich den Segen aus Rom erwartete, da kamen Blitz und Donner über mich. In kürzester Zeit hat er umdenken müssen ...

Die ganze Wucht geheiligter Tradition stand ihm entgegen: Martin Luther, so hatte der Trierer Offizial Johann von der Ecken [Eck] im Auftrag des Kaisers gefragt, erkläre, willst du deine Bücher etwa alle verteidigen? Das war die Situation der schärfsten Anfechtung, die Luther zeitlebens befallen hatte. Jetzt wurde sie offiziell von Reichs wegen gestellt, die Teufelsfrage, die so berechtigt ist: Bist du allein weise, gegen so viele Jahrhunderte - gegen die Heilige Kirche, gegen die Konzilien, Dekrete, Gesetze und Zeremonien, wie sie unsere Vorfahren und alle um uns herum bis auf den heutigen Tag gehalten haben? ...
Luther hatte seine Bedenkzeit gut genutzt und seine sachlich beschreibende Reichstagsrede gezielt in das Kernproblem einmünden lassen: Ich streite nicht über mein Leben, sondern über die Lehre Christi. Und so habe ich nicht freie Hand, diese Schriften zu widerrufen, weil eben durch diesen Widerruf Tyrannei und Gottlosigkeit gestärkt werden und desto härter wüten werden...
Das Ende des Verhörs bildet Luthers Antwort ohne Hörner und Zähne, eine prägnante Folge von Sätzen mit dem eindrucksvollen Schluss: Mein Gewissen ist im Wort Gottes gefangen. Somit kann ich und will ich nicht widerrufen, denn gegen mein Gewissen zu handeln ist weder sicher noch heilsam. Ich kann nicht anderst, hie stehe ich, Gott helff mir. Amen.
  1. Einleitung
  2. Kritik am Papsttum
  3. Wartburgaufenthalt und Bauernkriege
  4. Weitere Ausbreitung der reformatorischen Ideen
  5. Luthers Theologie und kulturhistorische Wirkung
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