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LEXIKON

Kurosawa

Akira, japanischer Filmregisseur, * 23. 3. 1910 Tokyo,  6. 9. 1998 Tokyo; wurde durch seine sozialkritischen Gegenwartsfilme und seine historischen Filme auch in Europa und den USA bekannt. Filme: „Rashomon“ 1950 (Oscar); „Die sieben Samurai“ 1954; „Das Schloss im Spinnwebwald“ 1957; „Uzala, der Kirgise“ 1975; „Kagemusha Der Schatten des Kriegers“ 1980; „Rhapsodie im August“ 1991. Kurosawa erhielt 1990 den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.
  • Deutscher Titel: Rashomon Das Lustwäldchen
  • Original-Titel: RASHOMON
  • Land: Japan
  • Jahr: 1950
  • Regie: Akira Kurosawa
  • Drehbuch: Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto
  • Kamera: Kazuo Miyagawa
  • Schauspieler: Toshiro Mifune, Machiko Kyô, Masayuki Mori
  • Auszeichnungen: Goldene Palme Filmfestival Venedig 1951 für Film
Akira Kurosawa hinterfragt in »Rashomon Das Lustwäldchen« hintergründig die verschiedenen Auffassungen von Wahrheit und Wirklichkeit. Sein Film macht ihn mit einem Schlag weltweit bekannt und wird wie auch andere seiner Werke zum Vorbild für viele US-Regisseure.
Kurosawa zeigt zwei Gewaltverbrechen aus den Perspektiven der Beteiligten und eines Augenzeugen. Die verschiedenen Versionen eines Mordes und einer Vergewaltigung bringt er in Rückblenden auf die Leinwand, so dass auch der Zuschauer zum Schluss nicht mehr weiß, wer Täter, wer Opfer und was die Wahrheit ist. Durch einen Kunstgriff am Ende führt der Regisseur diese Fragen ad absurdum. Kurosawa verlegt die Handlung ins mittelalterliche Japan. Perfekt durchkomponierte Bilder und eine Erzähltechnik mit kunstvoll montierten Rückblenden geben der Geschichte trotz ihrer Komplexität große Spannung. Mit »Rashomon« wird der japanische Film erstmals einem größeren westlichen Publikum zugänglich, das begeistert reagiert. Kurosawa wird vor allem in den USA und Frankreich als neuer Regiestar gefeiert. Da die Samurai-Figur in vielen seiner Filme große Ähnlichkeit mit dem rechtschaffenen aber einsamen Kämpfer im Western hat, werden seine Werke in den USA vielfach als Vorlagen benutzt. So dreht Martin Ritt 1964 mit »Carrasco, der Schänder« die Western-Version von »Rashomon«.
  • Deutscher Titel: Die sieben Samurai
  • Original-Titel: SHICHININ NO SAMURAI
  • Land: Japan
  • Jahr: 1954
  • Regie: Akira Kurosawa
  • Drehbuch: Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto, Hideo Oguni
  • Kamera: Asaichi Nakaie
  • Schauspieler: Toshiro Mifune, Takashi Shimura, Seiji Myaguchi
  • Auszeichnungen: Silberner Löwe Venedig 1954 für Film
Mit »Die sieben Samurai« etabliert sich Akira Kurosawa als Regisseur von Weltrang.
Um einen Überfall auf ihr Dorf abzuwehren, heuern die Bewohner sieben Samurai an. Es kommt zum Kampf mit den Banditen, dabei wandeln sich die Motive der Samurai: Zunächst eher für sich kämpfend, stellen sie sich immer stärker auf die Seite der Bauern. Zuletzt sind die Angreifer geschlagen, einige Dorfbewohner und vier Samurai sind tot. Den Überlebenden bleibt die Erkenntnis, dass der Sieg nicht den Samurai gehört, sondern den Bauern.
Kurosawas aktionsreicher Film kommt den westlichen Sehgewohnheiten entgegen. Er betreibt zugleich detailreiche Charakterstudien der Samurai und vollzieht ihre psychologische Wandlung nach. Die Kombination von asiatischen Ausdrucksformen und westlichen Inszenierungselementen gibt dem Film seine intensive Spannung.
John Sturges dreht mit »Die glorreichen Sieben« 1960 ein Remake des Kurosawa-Films.
  • Deutscher Titel: Uzala, der Kirgise
  • Original-Titel: DERSU UZALA
  • Land: UdSSR
  • Jahr: 1975
  • Regie: Akira Kurosawa
  • Drehbuch: Akira Kurosawa, Yuri Nagibin, nach Berichten von Wladimir K. Arsenjew
  • Kamera: Asakazu Nakai, Yuri Bantman, Fjodor Dobronrawow
  • Schauspieler: Yuri Salomin, Maxim Munzouk, Schemeikl Schokmorow
  • Auszeichnungen: Oscar 1976 für ausländischen Film
Nach dem Misserfolg von »Dodeskaden« (1970) und einem Selbstmordversuch im Dezember 1971 war es still um Akira Kurosawa geworden. Mit »Uzala, der Kirgise« meldet er sich im Filmgeschäft zurück. Faszinierend schöne Landschaftsaufnahmen und große Gefühle ohne kitschige Sentimentalität machen die Geschichte um eine Männerfreundschaft sehenswert.
Der russische Forscher Arsenjew erinnert sich: 1902 brach er mit einer Expedition nach Osten auf, wo er den kirgisischen Jäger Uzala kennen lernte, der die Gruppe sicher durch die Wildnis führte und ihm selbst das Leben rettete. Jahre später treffen sie sich wieder, und Arsenjew nimmt Uzala mit in die Stadt. Uzala aber kann sich an das moderne Leben nicht mehr gewöhnen und geht wieder in die Wälder; dort wird er wenig später tot aufgefunden.
  • Deutscher Titel: Kagemusha Der Schatten des Kriegers
  • Original-Titel: KAGEMUSHA
  • Land: Japan
  • Jahr: 1980
  • Regie: Akira Kurosawa
  • Drehbuch: Akira Kurosawa, Masato Ide
  • Kamera: Takao Saito, Masaharu Ueda
  • Schauspieler: Tatsuya Nakadai, Tsutomu Yamazaki, Kenichi Hagiwara
  • Auszeichnungen: Goldene Palme Filmfestspiele Cannes 1980 für Film
Der Film führt den Zuschauer in das Japan des 16. Jahrhunderts, das geprägt ist von periodisch wiederkehrenden Bürgerkriegen und militärischen Auseinandersetzungen machtgieriger Clans. Um den Fortbestand und die Vorherrschaft seines Clans zu sichern, benutzt der Clan-Fürst Shingen Takeda eine Kriegslist: Er läßt einen »Kagemusha«, einen Schattenkrieger, an seine Stelle treten. Sein Doppelgänger ist ein Dieb, den lediglich seine frappierende Ähnlichkeit mit dem Fürsten vor dem Tod bewahrt hat. Dieser Kagemusha findet sich in seiner Rolle immer besser zurecht, und er verschafft dem Clan auch militärische Erfolge. Durch eine Intrige des Fürstensohns Katsuyori wird der Kagemusha zu Fall gebracht und vom Hof gejagt. Damit ist auch der Zerfall des hochmütigen Clans eingeleitet: Seine Armee wird in einer blutigen Schlacht vernichtet.
Dem japanischen Altmeister Akira Kurosawa gelingt mit »Kagemusha« ein Meisterwerk, das in außergewöhnlichen und kühl kalkulierten Bildern den Zerfall des antiquierten Gesellschaftssystems erzählt. Mit dem eindrucksvollen Ausstattungsfilm kann Kurosawa an seine großen Erfolge in der 50er Jahren anknüpfen.
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