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LEXIKON

Gezeiten

niederdeutsch Tiden
Gezeiten
Gezeiten
Gezeitenkarte der Nordsee
das periodische Steigen (Flut) und Fallen (Ebbe) des Wasserspiegels von Meeren und großen Seen. Der Wasserstand schwankt zwischen Hochwasser und Niedrigwasser, die Differenz wird als Tidenhub, das arithmetische Mittel als Mittelwasser bezeichnet.
Hauptursache der Gezeiten ist die Anziehungskraft des Mondes. Das Erde-Mond-System bewegt sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt (der sich noch innerhalb der Erdkugel befindet) in der Weise, dass jeder Punkt der Erde die gleiche, der Mondrichtung entgegengesetzte Fliehkraft erfährt. Anziehungskraft und Fliehkraft heben sich annähernd im Erdmittelpunkt auf. Für die dem Mond zugekehrte Seite ergibt sich dadurch ein Überschuss an Anziehungskraft (Zenitflut), für die entgegengesetzte Seite an Fliehkraft (Nadirflut). Daher treten die Gezeiten an den meisten Orten zweimal innerhalb eines Mondtages (24 h, 50 min) auf. In ähnlicher Weise wirkt die Anziehungskraft der Sonne; sie ist aber wegen der großen Entfernung nur halb so groß. Bei Voll- und Neumond addieren sich die Wirkungen von Sonne und Mond (Springflut), bei Halbmond heben sie sich z. T. auf (Nippflut). Infolge der verschiedenen Meerestiefen, der Verteilung von Wasser und Land, der Erdrotation und der Trägheit des Wassers treten zahlreiche Abweichungen auf.
Nach neueren Forschungen setzt sich die Gezeitenwelle aus vielen Einzelwellen mit verschiedenen Perioden zusammen, die sich gegenseitig verstärken oder abschwächen können. Dies hängt von der Form der Ozeanbecken ab, in denen die Gezeitenwelle fortschreitet. Der Gezeitenhub ist örtlich sehr verschieden und erreicht an einzelnen Stellen extreme Werte, z. B. im Ärmelkanal in der St.-Malo-Bucht und im Bristolkanal 1214 m, in den USA (Maine) in der Fundybay bis 21 m. Demgegenüber beträgt er in der Ostsee nur rund 11 cm.
Die Gezeiten sind an großen Flüssen oft weit landeinwärts bemerkbar (Elbe bis 148 km, Amazonas bis rund 1000 km). Dabei können steile, 56 m hohe, schnelle Flutwellen auftreten, z. B. im Amazonas (Pororoca) und im Qiantang Jiang in der Hangzhou-Bucht südlich von Shanghai. Verbunden mit Wasserstandsänderungen treten Gezeitenströme auf, an der Nordseeküste 12 m/s; Gezeitenströme beeinflussen die Schifffahrt und die Erosion an der Küste.
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