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LEXIKON

Dalit-Theologie

[Sanskrit gebrochen, zerrissen, gespalten, niedergetreten]
indische Variante der Befreiungstheologie, die die Abschaffung der Diskriminierung und die Anerkennung der Menschenwürde der indischen Kaste der Dalits („Außgestoßenen“, „Unreinen“) zum Ziel hat. Traditionell orientierten sich die Versuche, eine indische Theologie in der Umgebung des Hinduismus zu entwerfen, an den religiös-kulturellen Modellen des brahmanischen Hinduismus, nie dagegen an den Erfahrungen der Dalits, den Nachkommen der Ureinwohner. Vorreiter einer theologischen Reflexion ihrer Probleme war das von Saral Kumar Chatterji gegründete Christliche Institut für das Studium von Religion und Gesellschaft (Delhi). Das lutherisch-theologische Seminar Gurukul (Madras) richtete einen eigenen Lehrstuhl für Dalit-Theologie ein.
Heute sind einschlägige Kurse Bestandteil der meisten Studiengänge in fast allen protestantischen und katholischen Seminaren. Dalit-Theologie deutete die Erfahrungen des Gebrochenseins und Verachtetwerdens der „Unreinen“ auf dem Hintergrund des leidenden und verachteten Christus. Sie leistet dadurch einen Beitrag zur Stärkung der Dalit-Identität und leitet sie an zu emanzipatorischer Aktion. Dalit-Theologie kritisiert die hinduistische Kastenlehre und die Götter, die diese Institution sanktionieren. Die Kooperation der christlichen Dalits mit den in viele Untergruppen zerfallenden übrigen Dalits erweist sich als sehr schwierig. Dalits organisieren sich, kämpfen für soziale Gerechtigkeit. Stark sind sie vor allem im indischen Herzstück Uttar Pradesh.
Die 1986 gegründete Dalit Open University, eine christliche Bildungseinrichtung, will die verschüttete Geschichte und Kultur der sog. Kastenlosen in Indien sichtbar machen.
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