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Können Schnelltests die Omikron-Variante erkennen?

Die letzten zwei Jahre haben gezeigt: Für eine Eindämmung der Corona-Pandemie ist häufiges Testen ein wichtiger Faktor – vor allem im Zuge der "Omikron-Welle". Für eine Entlastung der Kliniken bleibt es entscheidend, durch regelmäßiges Testen frühzeitige Infektionen zu erkennen und potenzielle Überträger zu isolieren. Doch schlagen unsere herkömmlichen Antigen-Tests bei der Omikron-Variante überhaupt an?

Symbolbild Antigen-Schnelltest
Wie verlässlich sind die handelsüblichen Antigen-Schnelltests wirklich?

Während PCR-Tests das Coronavirus SARS‑CoV‑2 über seine RNA direkt nachweisen, reagieren die Schnelltests auf bestimmte Proteine des Virus, die sogenannten Antigene. In der Matrix dieser Antigen-Tests befinden sich Antikörper, die nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an bestimmte Oberflächenstrukturen der Antigene andocken können. Dieser Mechanismus wird auch von unserem Immunsystem verwendet, um mit Antikörpern das Coronavirus zu bekämpfen.

Allerdings lösen die Antikörper im Schnelltest keine Immunreaktion aus, sondern bewirken durch die Bindung an Coronavirus-Proteine in unserem Speichel oder Nasenabstrich eine Farbreaktion. Angelagerte Farbmoleküle färben sich um und auf dem Test erscheint ein farbiger Strich.

Vergleichende Bewertung von 245 Antigen-Tests

Wenn nun neue Coronavirus-Varianten durch Mutationen entstehen, besteht die Möglichkeit, dass die Antikörper dieser Tests das mutierte Virusprotein schlechter erkennen können. Wenn ihre Bindungsstellen am Protein verändert sind, passt ihr Schlüssel gewissermaßen nicht mehr ins Schloss. Als Folge zeigen die Schnelltests dann eine Infektion mit dem mutierten Virus nicht mehr an oder weisen und eine geringere Sensitivität (Empfindlichkeit) zum Beispiel gegenüber der Omikron-Variante auf.

Ob dies bei den gängigen Schnelltests der Fall ist, hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut und dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr untersucht. Dafür haben Forschende ein Jahr lang stichprobenartig die Sensitivität von in Deutschland erhältlichen SARS-CoV-2-Antigen-Tests überprüft. 245 Schnelltests haben bis zum 14. Dezember 2021 das Prüflabor des Paul-Ehrlich-Institut durchlaufen.

80 Prozent der Schnelltests funktionieren

Die Überprüfung ergab, dass 199 Antigen-Tests, also 80 Prozent aller untersuchten Tests, die Untersuchung bestanden haben. Als bestanden wurden die Tests eingestuft, die eine Gesamtsensitivität von mindestens 28 Prozent erreichen. Konkret bedeutet dies, dass diese Tests mindestens 28 Prozent der positiven Proben korrekt erkennen und als infiziert anzeigen. 

46 Schnelltests hingegen haben die Sensitivitätskriterien nicht erfüllt und sind bei der Vergleichsuntersuchung durchgefallen.

Aber auch bei den Schnelltests, die die Überprüfung bestanden haben, gab es starke Unterschiede.  Von den 199 Tests wiesen nur 16 Tests eine Gesamtsensitivität von ≥ 90 Prozent auf. Was diese Tests den anderen voraus hatten: Sie schlugen auch bei niedrigen Viruslasten mit vergleichsweise hoher Sensitivität an. Zwar vom PEI noch als positiv bewertet, aber verhältnismäßig schlecht schnitten hingegen Antigen-Tests mit einer Gesamtsensitivität zwischen 28 und 40 Prozent ab. In diesem Bereich lagen 32 der 199 untersuchten Antigen-Tests.

Omikron-Entwarnung für die meisten Tests

Doch wie präzise sind nun die Antigen-Test bei einer Infektion mit der Omikron-Variante? Das Paul-Ehrlich-Institut erklärt, dass die Mutationen der Corona-Varianten – und darunter auch Omikron – hauptsächlich das Spike-Protein betreffen. Die große Mehrheit der 245 überprüften Antigen-Tests tragen aber Antikörper, die auf das sogenannte Nukleo (N)-Protein des Coronavirus reagieren. Das N‑Protein des SARS-CoV-2-Virus ist wesentlich stärker konserviert als das S-Protein und ist daher deutlich seltener von Mutationen betroffen.

Zum Vergleich: Während die Omikron-Variante verglichen mit dem ursprünglichen SARS-CoV-2 Virus rund 30 Mutationen im Spike-Protein aufweist, sind es im N-Protein nur vier Mutationen. Deshalb geht das Paul-Ehrlich-Institut davon aus, dass der Großteil der in der Studie positiv bewerteten Antigen-Test auch eine Infektion mit der Omikron-Variante nachweisen kann.

Einordnung des eigenen Corona-Schnelltest

Die Sensitivitätsraten der 245 Antigen-Tests im Vergleich mit der Polymerase-Kettenreaktion, dem Goldstandard unter den Corona-Tests, hat das Paul-Ehrlich-Institut in zwei Tabellen zusammengefasst. Tabelle 1 zeigt dabei die 199 positiv bewerteten Tests, während in Tabelle 2 die 46 Schnelltests aufgeführt sind, die das Sensitivitätskriterium der Evaluierung für Antigentests nicht erfüllten. Die Gesamtsensitivität der Antigen-Tests ist jeweils in der letzten Spalte der Tabellen zu finden.

Wer den eigenen Schnelltest zuhause auf die Sensitivität hin überprüfen möchte, kann die Tabellen des Paul-Ehrlich-Institut hier aufrufen.

JFR, 12.02.2021
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