wissen.de
You voted 4. Total votes: 276
wissen.de Artikel

Gap Year: Zeit für Reisen und gute Taten

Freiwilligenarbeit im Ausland ist bei Schulabgängern beliebt. Aber nicht jedes Projekt hilft wirklich.

...

Wem nützt der Einsatz der Freiwilligentouristen?

Das Reisekonzept Voluntourism boomt – gerade unter jungen Leuten. Der enge Kontakt mit Land und Leuten ist garantiert, trotzdem bleibt Zeit für ein wenig Sightseeing. Zudem sorgt der ehrenamtliche Einsatz in einem Hilfsprojekt für ein gutes Gefühl. Der Volunteer profitiert, der Reiseveranstalter auch. Ob auch das Projekt, in dem die Freiwilligen ehrenamtlich arbeiten, profitiert, ist nicht immer sicher.

Gerade Kurzzeiteinsätze in sozialen Projekten gelten als fragwürdig, auch wenn die Reiseanbieter gern die Zweifel zerstreuen: „Egal ob Sie sich lieber in der Altersklasse Junior intensiv um Babys und Kleinkinder kümmern oder den Älteren bei den Hausaufgaben helfen: Sie können auf jeden Fall sicher sein, dass Sie mit Ihrer Hilfe in Waisenhäusern und Grundschulen einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung leisten“, versichert ein Anbieter im Internet.

Linda Richter, Kinderärztin und Psychologin im Human Sciences Research Council in Südafrika sieht das anders. „Wir sind sehr besorgt, dass sich die ständig wechselnden Betreuer negativ auf die emotionale und psychologische Gesundheit sehr junger Kinder in Heimen auswirken“, erklärte Richter 2011 in einem Blog der OECD. „Vermutlich ist die fortwährende Entstehung und Auflösung von Bindungen an immer neue Freiwillige höchst schädigend. Instabile Bindungen und Verlusterfahrungen machen die Kinder verletzlich und steigern ihr Risiko, langfristig psychologische Schwierigkeiten zu entwickeln.“

Des Problems ist sich auch Melanie Feldhaus, Marketing-Managerin beim Reiseanbieter Travelworks, bewusst. Sie versichert: „Wir achten bei unseren sozialen Projekten darauf, dass die Teilnehmer längere Zeit vor Ort sind, damit sie sich in das Projekt einleben können und die Kinder nicht ständig andere Ansprechpartner haben.“ Wolle jemand einen Kurzbesuch in einem Kinderheim buchen, dann würde der Kundenservice empfehlen, ein anderes Projekt zu wählen oder längere Zeit zu bleiben. Im Angebot ist der Kurzzeit-Waisenhauseinsatz trotzdem.

Verbindliche Regelungen für die Gestaltung von Freiwilligenangeboten gibt es im kommerziellen Bereich nicht. Wer Kurztrips ins Elend und Freiwilligenarbeit „light“ anbieten möchte, darf das auch tun. So etwa ein Reiseanbieter, der „Voluntourism Hopper“ offeriert. Auf den vierwöchigen Afrika-Trips können die Kunden in bis zu vier Projekten ihrer Wahl mitarbeiten, zum Beispiel eine Woche lang in einem Kinderheim, eine weitere in einer Grundschule, dann noch je eine mit behinderten Kindern und in einer Fraueninitiative – so kommt garantiert keine Langeweile auf.

 

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
von wissen.de-Redakteurin Alexandra Mankarios, Januar 2013
You voted 4. Total votes: 276