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Einweg-Plastik: Was ist in der EU ab jetzt verboten und warum?

Ob Trinkhalme und Einweg-Geschirr aus Plastik oder To-Go-Becher aus Styropor – Einwegprodukte sind zwar bequem, aber auch besonders umweltschädlich: Sie erzeugen Unmengen an Müll, der dann oft in der Umwelt landet. Das Plastik verschmutzt dann Ozeane, Flüsse und Böden und bringt Tiere in Gefahr. Ab dem 3. Juli sind deshalb einige Einweg-Produkte in der Europäischen Union verboten. Wir erklären, was verboten ist und warum.

EU-Sterne und Plastikgegenstände
Viele Einwegplastikprodukte sind seit dem 3. Juli 2021 in der EU verboten. Dazu zählen etwa Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen oder Einweg-Geschirr aus konventionellem Plastik und aus "Bioplastik".

Aktuell werden nach Angaben des Bundesumweltministeriums in Deutschland stündlich allein rund 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke verbraucht - davon bis zu 140.000 To-go-Becher. Zudem betrug die Abfall-Bilanz von Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen im Jahr 2017 mehr als 346.000 Tonnen, wie eine Erhebung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung ergeben hat. Und die Menge der Kunststoffabfälle der Deutschen insgesamt stieg laut Umweltbundesamt zwischen 2015 und 2017 um rund vier Prozent auf 6,15 Millionen Tonnen - bisheriger Höchststand.

Das Problem mit Einweg-Kunststoff

Das Problem dabei: Wenn sich immer mehr Menschen unterwegs etwa einen Kaffee to-go oder zum Beispiel ein Schnitzel und Nudeln in der Styropor-Box kaufen und mit Einweg-Plastikbesteck essen oder sich das Mittagessen samt Plastikgeschirr nach Hause liefern lassen, ist das zwar bequem, weil man die Verpackung danach einfach wegschmeißen kann. Jedoch verursachen sie damit in kurzer Zeit immer mehr nur schwer recycelbaren Kunststoffmüll.

Der nur einmal genutzte Verpackungsmüll landet dann oft beispielsweise im Park, an der Uferböschung oder bleibt am Strand liegen. Dort muss er extra aufgesammelt werden oder gelangt entweder mit dem Wind ins Meer oder erst in den nächsten Fluss und wird dann in die Nord-, Ostsee und Co. getragen. Jedes Jahr landen so weltweit mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren, sodass mittlerweile rund 85 Prozent des Ozeanmülls aus Kunststoffen besteht. Allein am Grund der Nordsee liegen laut dem Naturschutzbund Deutschland vermutlich mehr als 600.000 Kubikmeter Müll.

Die Massen an Müll sorgen dafür, dass viele Meereslebewesen einen qualvollen Tod erleiden: So fressen beispielsweise Wale, Delfine oder Schildkröten Plastikverpackungen, Kaffeebecher und Co und sterben daran.  Jedes Jahr kostet die Müllflut dadurch bis zu 135.000 Meeressäugern und einer Million Meeresvögel das Leben. Hinzu kommt, dass der  Plastikabfall mit der Zeit zu kleinsten Teilchen zerfällt, dem Mikroplastik. Diese Kleinstteile verbleiben auf unbestimmte Zeit im Wasser und verteilen sich bis in die Tiefsee und in die arktischen Meere. Die Folgen dieser Mikroplastikverseuchung sind bislang noch nicht abzusehen.

Das viele Plastik kann jedoch auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen: Aus den Kunststoffen des Einweg-Bestecks und -Geschirrs oder des To-Go-Becher können gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe wie Bisphenol A, Phtalate oder Flammschutzmittel freigesetzt werden. Diese gelangen dann entweder durch direkten Kontakt in unseren Körper oder aber kommen im Umweg über die Nahrungskette wieder zu uns.

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Über 350.000 Tonnen Abfall durch Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen fallen allein in Deutschland jedes Jahr an. Diese Einwegprodukte sind eine der Ursachen für die weiter steigenden Abfallmengen.

Verbot gegen das Plastik-Problem

Um die Plastikverschmutzung zu verringern, sind deshalb seit dem 3. Juli 2021 in der Europäischen Union viele der besonders Müll-verursachenden Einwegplastikprodukte verboten. Dazu gehören etwa Trinkhalme, Rührstäbchen für den Kaffee, Luftballonstäbe und Einweg-Besteck sowie -Geschirr aus konventionellem Plastik. Auch To-Go-Becher und Einweg-Behälter aus Styropor dürfen in der EU nicht mehr produziert und in den Handel gebracht werden. Vorhandene Ware kann aber noch abverkauft werden. Verboten werden zudem Wegwerfteller, -becher oder -besteck, aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen. Das gleiche gilt für Einweggeschirr aus Pappe, das nur zu einem geringen Teil aus Kunststoff besteht oder mit Kunststoff überzogen ist.

Erlaubt bleiben hingegen weitere Wegwerfprodukte aus oder mit Kunststoff, zu denen es bisher nicht ausreichend plastiklose Alternativen gibt. So beispielsweise Feuchttücher und bestimmte Hygieneartikel wie Binden und Tampons, Zigaretten mit kunststoffhaltigen Filtern oder Wegwerfgetränkebecher. Sie müssen aber seit dem 3. Juli 2021 ein spezielles Kennzeichen tragen, das vor Umweltschäden durch Plastik warnt und über die richtige Entsorgung informiert.

Reicht das Gesetz?

Ob diese neuen Vorgaben ausreichend sind, um die Meere von Plastik zu befreien, bestreiten manche Kritiker und fordern Nachbesserungen an der Umsetzung. Denn die Produkte, die verboten werden, machten nur etwa ein Zehntel des Müll-Volumens auf Straßen und in öffentlichen Mülleimern aus, , so Patrick Hasenkamp vom Verband kommunaler Unternehmen.

Die Kritiker fordern deshalb eine Ausweitung des Verbots auf alle Einweggetränkebecher und Essensboxen aus Kunststoff. Zudem betonen einige, dass Einwegplastik nicht einfach durch Einweg-Produkte aus anderem Material ersetzt werden dürfen, weil so weiterhin die gleichen Massen an Müll entstehen. Außerdem sollen Mehrweg-Produkte von der Regierung mehr gefördert werden.

Zukünftige Plastik-Reglungen

Neben dem aktuellen Verbot und dem seit Januar dieses Jahres EU-weit geltenden Exportverbot für schwer recycelbare Kunststoffabfälle– plant die EU bereits weitere Reglungen gegen das Plastikproblem: Zum Beispiel dürfen ab 2022 keine leichten Plastiktüten mehr ausgegeben werden. Zudem müssen Einweg- oder Mehrwegflaschen besser markiert werden, um den Menschen die Entscheidung zu erleichtern, überflüssiges Plastik zu vermeiden und wiederverwertbare Produkte zu kaufen.

Hinzu kommt, dass ab 2022 eine Pfandpflicht für Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff bis zu drei Litern bestehen soll und zwei Jahre später auch für Plastikflaschen mit Milchgetränken. Ab 2025 müssen zusätzlich PET-Einweg-Getränkeflaschen mindestens 25 Prozent Recycling-Plastik, so genanntes Rezyklat, enthalten. Außerdem werden ab 2023 Caterer, Lieferdienste und Restaurants verpflichtet, auch Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen anzubieten. Ausnahmen sind für kleine Betriebe vorgesehen, die den Gästen Speisen und Getränke auch in mitgebrachte Behälter abfüllen können.

Das deutsche Bundesumweltministerium hat zudem letztes Jahr ein neues, internationales Förderprogramm gestartet. In diesem sollen  weitere Lösungen gefunden werden, um die Menge an Plastikmüll zu reduzieren und Abfall- und Kreislaufmanagementsysteme aufzubauen. Zudem ist Deutschland 2020 der internationalen Meeres-Vorreiter-Allianz, der sogenannten "Global Ocean Alliance", beigetreten. Diese strebt an, bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der Weltmeere unter Schutz zu stellen.

Selbst Initiative ergreifen

Unabhängig von den gesetzlichen Verboten und Zielen, die erst im Laufe der nächsten Zeit umgesetzt werden, kann jeder Einzelne täglich etwas gegen den Plastikmüll tun. Das Wirksamste ist, weitgehend auf Plastik zu verzichten. So gibt es in vielen Supermärkten beispielsweise Obst und Gemüse auch ohne Verpackung und einige Produkte, die in Papier verpackt sind, sowie Flaschen aus Glas. In großen Städten findet man zudem „Unverpackt-Läden“, die Produkte wie Müsli, Reis und Nudeln verpackungslos anbieten, sodass man mit Papiertüten oder Stoffbeuteln dort einkaufen kann.

Findet sich nichts Plastikloses, kann man zumindest versuchen, möglichst umweltfreundliche Plastikartikel zu wählen. Auf solche Produkte weist so etwa das Umweltzeichen "Blauer Engel" hin. Dazu gehören zum Beispiel Verpackungen aus recyceltem Plastik. Für den täglichen Kaffee to go oder das Sandwich in der Mittagspause bietet es sich in vielen Städten an, einen Pfandbecher oder einen mitgebrachten Plastik-Becher und – Dose mitzubringen, die man immer wieder befüllen kann. Und wer doch mal etwa eine Plastikflasche kauft, sollte zumindest auf Mehrwegflaschen zurückgreifen, die bis zu 50 Mal wiederverwendet werden können.

Weitere Tipps, wie sich Plastik im Alltag etwa beim Grillen, bei Hygieneprodukten oder beim Waschen und Putzen vermeiden lässt, gibt das Bundesumweltministerium mit seiner Kampagne „Weniger ist mehr“.

ABO, 05.07.2021
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