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Einfach mal abheben 

Paragliding-Schnupperkurs

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Es klappte schon ein wenig besser. Ich hüpfte wie ein Hase den Hang hinunter und schaffte es zumindest sekundenlang, mich etwa zwanzig Zentimeter vom Boden zu entfernen. „Arme hoch“, brüllte Fluglehrer Günter und meinte anschießend: “War doch schon ganz gut.“ Immerhin diesmal kein Absturz, aber vom Flugerlebnis noch keine Spur. Vor das Fliegen haben die Götter die Rennerei gesetzt. Also wieder rauf auf den Hügel, Schirm auslegen, sortieren. Nochmal: Leinen ziehen, rennen, Arme hoch, A-Leinen loslassen, Steuerleinen festhalten, rennen. Auf einmal hatten meine Füße den festen Boden unter den Sohlen verloren und strampelten hilflos in der Luft. Ich hatte tatsächlich mehrere Meter abgehoben. „Wow“, dachte ich, „ich fliege!“ Jetzt nur alles richtig machen. Blick zum Fluglehrer, der gab die Zeichen: rechts ziehen, links ziehen, beide ziehen – Landung. Toll!

Spätestens jetzt begann ich zu begreifen, was es mit dem Traum vom Fliegen auf sich hat. Es erschien mir nicht mehr so abwegig, dass ein Paraglider all seinen Urlaub zusammenrafft, um sich in den Alpen von den Bergen zu stürzen. „Aber es müssen ja nicht immer die Alpen sein“, sagte Fluglehrer Günter Gerkau. Selbst an der Ronneburg sei er schon stundenlang geflogen.

Wer erst einmal geschnuppert hat, will meist mehr. „Ich bin schon richtig süchtig“, verriet Moni. Von ihrem Bürofenster aus könne sie einen Windsack sehen. „Da schau ich immer, ob es sich lohnt hinaufzufahren.“ Während wir noch schnupperten, absolvierte Moni ihre letzten Flüge für den L-Schein, den Lernschein. Mit diesem Papier darf sie nun an Übungshängen selbstständig in die Luft gehen, in anderem Gelände, wenn ein Fluglehrer dabei ist. Dem L-Schein kann der Paraglider den beschränkten Luftfahrtschein, den A-Schein, anhängen. „Frei fliegen“, also durch die Täler oder von Berg zu Berg wird erst mit dem B-Schein möglich.

Zu der Fliegerei gehört selbstverständlich jede Menge Theorie. Denn Gleitschirm-Piloten sind ebenso der Luftverkehrsbehörde unterworfen wie der Lenker eines Jumbos. Auch beim Schnupperlehrgang bekommt man schon elementare Dinge über Thermik, Navigation, über Flugmanöver in besonderen Fällen und über das Wetter erklärt. „Bei allen Winden über Nord können wir hier fliegen“, hatte Günter erklärt, „und auch im Süden haben wir einen Übungshang.“ Aber nicht jeder Wind, der aus der richtigen Richtung kommt, eignet sich dazu, den Schirm aus dem Rucksack zu holen. Fliegen sollte man nur bei Windgeschwindigkeiten bis zu 20 Stundenkilometern. Und das Lüftchen sollte recht konstant wehen. Meldet der Wetterdienst sein bekanntes „in Böen stark auffrischender Wind“ geht gar nichts. Aber an unserem Schnuppertag war der Wind gnädig mit uns, das hatte uns der ständige Blick auf die Fahne bestätigt. Und alle hatten wir das Erfolgserlebnis, wenigstens einmal richtig abgehoben zu haben.

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von Iris Hilberth, wissen.de
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