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Dune: Was steckt chemisch hinter der Film-Droge "Spice"?

Die Verfilmung des Science-Fiction-Klassikers "Dune" füllt zurzeit die Kinos. In ihm geht es um einen Wüstenplaneten, auf dem die geheimnisvolle Substanz "Spice" gewonnen wird. Diese Droge wirkt nicht nur lebensverlängernd, sie ermöglicht es Navigatoren auch, ihre Raumschiffe dank hellseherischer Fähigkeiten ans Ziel zu bringen. Ein irdischer Chemiker hat sich nun Gedanken darüber gemacht, welche chemischen Entsprechungen es für "Spice" geben könnte.

Symbolbild Spice
Spice oder Melange eine bewusstseinsverändernde Droge, hat lebensverlängernde Wirkung, färbt das Weiße in den Augen blau und kann bei übermäßigem Konsum auch weit exteremere Mutationen hervorrufen.

Seine Ursprung haben die Geschichten um den Wüstenplaneten "Arrakis" und die dort gewonnene Droge "Spice" im Romanzyklus "Dune" des US-Autors Frank Herbert. Diese in den 1960er Jahren veröffentliche Science-Fiction-Reihe beschreibt eine Zeit in der fernen Zukunft, in der die Menschheit fremde Planeten besiedelt, aber die Computertechnologie zugunsten einer feudalen, auf geistgien Kräften aufgebauten Gesellschaft aufgegeben hat.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Wüstenplanet Arrakis, auf dem die Droge "Spice" – englisch für "Gewürz" - gewonnen wird. Sie wird dort von riesigen Sandwürmern produziert und von der Bevölkerung des Planeten geerntet. Es handelt sich um ein rötlich-braunes Pulver, das nach Zimt riecht, aber unterschiedliche Geschmacksaromen entfalten kann. Die Einnahme des Gewürzes oder das Riechen seines Dufts wirkt in der Geschichte nach nicht nur lebensverlängernd, es verleiht auch hellseherische Fähigkeiten, durch die die Raumschiff-Navigatoren bei Flügen mit Überlichtgeschwindigkeit ihr Ziel erreichen. Gleichzeitig mach "Spice" süchtig und kann bei Entzug töten.

Der Chemiker Fabrice Chemla von der Sorbonne Universität in Paris beschäftigt sich schon länger mit der Frage, was chemisch gesehen hinter der Science-Fiction-Droge "Spice" stecken könnte. Im Interview erklärt er, was ihn an "Dune" und am fiktionalen "Spice" so fasziniert.

Symbolbild Wüstenplanet
Die auf dem Wüstenplanten Arrakis heimischen gigantischen Sandwürmer sind an der Entstehung der Droge "Spice" ursächlich beteiligt.

Was ist Ihre Verbindung mit "Dune"?

Fabrice Chemla: Ich bin schon lange Fan des Romans von Frank Herbert. Als ich 17 war, beeindruckte mich das Cover der 1980 bei uns veröffentlichen Taschenbuchausgabe von "Dune". Sie zeigt ein Gesicht mit tiefblauen Augen – ein Titelbild, das in der Science-Fiction-Welt berühmt wurde. Die Dune-Saga hat mich damals völlig in ihren Bann geschlagen.

In jüngerer Zeit habe ich als Chemiker versucht, einige reale Analoga zu der mysteriösen und fiktionalen Substanz "Spice" zu finden. Dazu habe ich alle Hinweise, die der Autor in seinen Büchern über das Aussehen und die Eigenschaften von Spice fallenließ, zusammengetragen und ausgewertet.

Was genau ist Spice?

Dieser nur auf dem Wüstenplaneten produzierte Substanz werden einige wundersame Eigenschaften zugeschrieben. Zum einen soll sie einen Anti-Aging-Effekt haben, der die Lebensdauer verdreifacht. Außerdem wirkt Spice nootropisch, das bedeutet, dass es die mentalen Fähigkeiten steigert. Und schließlich hat die Substanz auch hallozinogene und entheogene Eigenschaften – sie erzeugt Halluzinationen und spirituelle, mystische Erfahrungen. Dadurch soll sie es ermöglichen, in die Zukunft zu sehen und so potenziell fatale Hindernisse im Hyperraum zu umschiffen.

Was verrät der Roman über die chemische Zusammensetzung und Merkmale von Spice?

Im Buch werden keine spezifischen chemischen Strukturen oder Substanzen genannt – aus gutem Grund: Frank Herbert war kein Chemiker. Er erwähnt aber, dass es sich bei der "Melange", einem anderen Namen für Spice, um fermentierten Sandwurm-Kot handelt. Er verrät auch, dass Spice fest ist, nach Zimt riecht und dass es seine Farbe je nach Umgebung verändern kann – von rötlich-braun zu purpur oder blau.

Was können Sie auf Basis ihres chemischen Wissens aus diesen Hinweisen schließen?

Als erstes scheint Spice nicht nur ein chemischer Stoff zu sein, sondern eine Mischung – ein Gemisch aus mehreren verschiedenen Molekülen. Zum zweiten deutet der Zimtduft darauf hin, dass diese Mischung Zimtaldehyd enthält, eine Kohlenwasserstoff-Verbindung mit der Summenformel C9H8O. Diese organische Verbindung ist in Zimt enthalten.

Die Fähigkeit zum Farbwechsel könnte darauf hindeuten, dass Spice zusätzlich ein natürliches Pigment aus der Klasse der Anthocyane enthält. Dieses Pigment steckt in vielen unserer violetten, roten und bräunlichen Früchte und Gemüse, darunter Aubergine, roten Trauben, Blaubeeren oder Brombeeren. Die Farbe dieser Verbindungen variiert mit dem pH-Wert: Anthocyane sind in saurem Milieu rot, in alkalischem eher blau-violett. Demnach könnte Spice Zimtaldehyd und Anthocyane enthalten.

Was verleiht Spice seinen Anti-Aging-Effekt?

Es gibt mehrere irdische Substanzen, die in diese Richtung wirken, darunter auch die Anthocyane. Sie gehören zu einer Gruppe von Verbindungen, den Flavonoiden, die dafür bekannt sind, dass sie Zellen gegen schädliche freie Radikale schützen. Dadurch wirken sie der Zellalterung entgegen. Nach unserem derzeitigen Wissensstand können die Flavonoide allerdings das Altern des Körpers nicht verlangsamen. Aber man könnte sich vorstellen, dass Spice ein Anthocyan enthält, dessen außergewöhnliche Struktur es ihm erlauben würden, eine stärkere Wirkung zu entfalten und so die Lebensdauer zu verlängern.

Und was ist mit den bemerkenswerten kognitiven Effekten?

Es gibt viele Substanzen, die die mentalen Leistungen verbessern können – dazu gehören auch Kaffee, Tee und Schokolade. Aber eine direkte Entsprechung zur Wirkung von Spice kann ich leider nicht bieten, weil es im Buch zu diesem Aspekt seiner Wirkung zu wenig Informationen gibt.

Besser ist dies mit den halluzinogenen und entheogenen Eigenschaften der Droge: Die Beschreibungen in der Dune-Saga machen es möglich, Parallelen zu verschiedenen realen halluzinogenen und psychotropen Drogen zu ziehen.

Welche sind das?

Einige davon sind hier zwar illegal, werden aber in bestimmten Kulturen für religiöse oder mystische Zwecke Praktiken genutzt. Beispielsweise um mit den Geistern zu kommunizieren. Das aus dem "Magic Mushrooms" bekannte Psilocybin beispielsweise war bei den Azteken in Mexiko beliebt. Außerdem gibt es noch DMT (N,N-Dimethyltryptamin), das in Ayahuasca enthalten ist, einem jahrhundertealten halluzinogenen Getränk, das von einer Reihe von Amazonasvölkern konsumiert wird. Dann wäre da noch Ibogain, ein Extrakt der im Gabun wachsenden Pflanze Tabernanthe iboga.

Die halluzinogenen und entheogenen Wirkungen von Spice sind aber auch mit denen einer menschengemachten Substanz vergleichbar: Lysergsäurediäthylamid, bekannter unter dem Kürzel LSD.

Durch welchen Mechanismus rufen diese Substanzen Halluzinationen hervor?

Ausschlaggebend ist das Tryptamin, ein chemisches Strukturmotiv, das in allen diese halluzinogenen Verbindungen enthalten ist. Gleichzeitig findet es sich auch in einem wichtigen Hirnbotenstoff, der an der Regulation unserer Stimmungen beteiligt ist, dem Serotonin. Das Tryptamin aktiviert die Serotoninrezeptoren auf der Oberfläche der Hirnzellen und kann an diese Andockstellen binden.

Wenn dies passiert, kann die Substanz die Stimmung beeinflussen, weshalb einige dieser Halluzinogene zurzeit auch für die Behandlung von schweren Depressionen erforscht werden. Gleichzeitig und noch wichtiger jedoch, verändern diese Stoffe auch den Bewusstseinszustand. Dies verursacht die Halluzinationen und erinnert an die Effekte, die für Spice in der Dune-Saga beschrieben werden.

CNRS / NPO
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