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Die Geschichte des Fußballs: eine beliebte Sportart mit langer Tradition

Bereits im 12. Jahrhundert erfreuten sich die Menschen an einem Spiel, dessen Mittelpunkt ein Ball war. Es gab weder Regeln noch eine Mindestanzahl an Spielern. Das Ganze nannte sich „Shrovetide Football“ und wird bis heute im mittelenglischen Ashbourne traditionell zum Faschingsdienstag gespielt. Inzwischen ist Fußball mehr als eine Sportart. Spiele der Lieblingsmannschaften, insbesondere WM- oder EM-Spiele, werden richtiggehend zelebriert, und zwar von Jung und Alt. Warum das so ist, und wie weit die Fußballtradition wirklich zurückreicht, dass erfahren Interessierte im nachfolgenden Beitrag.

Symbolbild Fußball
Fußball

Die Anfänge eines weltweiten Trendsports

Einig sind sich die verschiedenen Quellen zu den Anfängen des Fußballs nicht so richtig. Im 2. Jahrhundert vor Christus gab es in China ein Spiel, das im Rahmen der Militärausbildung gespielt wurde. Im Vergleich zum heutigen Fußball gab und gibt es da aber wenig Gemeinsamkeiten. Während heute hochwertige Fußballschuhe, schützende Schienbeinschoner und für den Torwart auch Handschuhe zur Standardausstattung gehören, war damals lediglich der Ball aus Lederstücken mit Federn- und Tierhaarfüllung von Bedeutung. Schnell fand die Bevölkerung Spaß an dem Spiel, das schließlich durch Regeln weniger gewalttätig wurde. Lange Zeit war diese Art des Fußballs eine Nationalsportart, bis das Spiel schließlich einfach vergessen wurde. Historisch ging es dann ungefähr wie folgt weiter:

  • „Sphairomachia“ – die Ballschlacht: Aus den Überlieferungen des griechischen Philosophen Platon geht die „Ballschlacht“ hervor. Insbesondere in Sparta war das ein beliebtes Spiel, bei dem sich alle Spieler auf den Ball stürzten.
  • „Harpastum“ – das Raffballspiel: Die Römer kopierten das Ballspielen von den Spartanern. Das Raffballspiel ähnelte in seinen Grundzügen jedoch mehr dem heutigen Rugby als dem modernen Fußball.
  • Mesoamerikanisches Ballspiel: Mit einem Ball aus Kautschuk wurde bei den Mayas und Azteken gekickt. Bis heute existiert das sogenannte „Ulama“. Der Ball musste durch einen erhöht hängenden Steinring der gegnerischen Mannschaft befördert werden.
  • Shrovetide oder Folk Football: Das bereits eingangs erwähnte „Shrovetide Football“-Spiel verwandelte sich in der Vergangenheit leider oft in stürmische Prügeleien, sodass die Sportart 1314 verboten wurde.
  • „Calcio Storico“: Zur Renaissance in Florenz wurde ein Spiel namens „Calcio Storico“ gespielt. Es gab keine Regeln. Die Spieler hatte jegliche Freiheiten, um den Ball zu erlangen und ihn ins gegnerische Tor zu befördern. Bis heute ist dieses Spiel eine Touristenattraktion.

Ein richtiges Fußballspiel entwickelte sich aber erst im 16. Jahrhundert, und zwar in den englischen Public Schools (Eliteschulen). Zunächst war es den Lehrern nicht recht. Später – um die 1830er Jahre – wurde dieses Spiel dann aktiv gefördert, um die Schüler auch im Sport zu unterrichten. Wichtige Tugenden, die mit dem Fußball einhergingen, waren nämlich Fairness, Beherrschung und Teamgeist. Wenige Jahre später kam es dazu, dass feste Regeln für das Ballspiel aufgestellt wurden. Allerdings variierten diese von Schule zu Schule. Dadurch war es sehr schwierig, die Mannschaften der verschiedenen Schulen gegeneinander spielen zu lassen.

Fußballszene
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten einheitlichen Regeln eingeführt.
Die Entstehung einer modernen Sportart

Im Jahr 1846 wurden schließlich die ersten einheitlichen Regeln eingeführt. Diese besagten zum Beispiel, dass eine Mannschaft lediglich aus 15 bis 20 Spielern bestehen darf. 18 Jahre später entstand in London die sogenannte „FA“ (Football Association). Ihr Regelwerk prägte die Entwicklung des Fußballs maßgeblich. 1866 wurde die Abseitsregel verändert, und sowohl Eckball als auch Freistoß kamen im sogenannten „Sheffield Code“ zur Geltung. Nur 4 Jahre später wurde die Mannschaftszahl von der FA auf 11 Spieler begrenzt und auch das Handspiel wurde verboten. Einzige Ausnahme war der Torwart, welcher den Ball allerdings nach zwei Schritten wieder freizugeben hatte.

Schnell entwickelte sich der Fußball nicht nur zum Lieblingsvertreib der Menschen, sondern auch zu einem Massensport. Wer nicht spielte, schaute wenigstens zu. Jeder interessierte sich für Fußball und so war es kein Wunder, dass es 1872 zum ersten Länderspiel zwischen England und Glasgow kam. Erst 1874 wurde das Spiel auch in Deutschland etwas beliebter. Grund dafür waren Menschen wie der Lehrer eines Braunschweiger Gymnasiums. Konrad Koch integrierte den englischen Fußball in seinen Unterricht und die Schüler liebten es. Grund für den verspäteten Start des Spiels war die damalige Leidenschaft Deutschlands – das Turnen. Viele sahen in dem neuen Sport eine „englische Krankheit“ oder auch eine „undeutsche Sportart“. Aber schließlich setzte sich der Fußball auch hierzulande durch und so gründete sich 1900 der bis heute existierende DFB (Deutsche-Fußball-Bund).

Mit dem Erreichen eines internationalen Parketts wurde der Fußball zum weltweiten Phänomen. Weltmeisterschaften finden seit 1930 statt. Damals wurde die Erste in Uruguay mit gerade 13 Mannschaften ausgetragen. Inzwischen sind mehr als doppelt so viele Fußballmannschaften dabei. Die Geschichte der FIFA Fußballweltmeisterschaft ist allerdings ein Stück weit älter, denn die erste Idee dazu gab es 1905. Der Niederländer Anton Willem Hirschmann trug die Vision auf der 2. Versammlung der FIFA (Fédéracion Internationale de Football Association) vor. Die Europameisterschaften werden seit 1960 ausgetragen und die heutige Bundesliga ist seit 1963 ein fester Bestandteil der deutschen Fußballlandschaft.

Symbolbild Fußballstadion
Fußball ist seit Jahrzehnten die beliebteste Ballsportart in Deutschland.
Das Geheimnis des Fußballs: Warum ist diese Sportart so beliebt?

Laut einer Statistik zum Thema Fußball ist er die beliebteste Ballsportart in Deutschland. 2020 war Fußball so gut wie jedem Deutschen ein Begriff. Das große Interesse und die Beliebtheit des Fußballspiels lassen sich auch anhand der Vereinsmitgliederanzahl erkennen. Rund 7,2 Millionen Menschen waren letztes Jahr Mitglieder in einem Fußballverein. Beim Kicken geht es aber nicht nur um die Zugehörigkeit zu einem Verein, die Paraden, die Spieler oder das Endergebnis. Es geht vor allem um das Entertainment. Nicht nur zuhause vor dem Fernseher, sondern insbesondere im Stadion. Die Atmosphäre, das Adrenalin und das Erlebnis gemeinsam mit anderen Fans ganz nah bei der Lieblingsmannschaft zu sein, sorgen dafür, dass das Zuschauen im Stadion zu einem unvergesslichen Ereignis wird. Das gemeinsame Erlebnis steht hier definitiv im Vordergrund, und es ist kein Geheimnis, dass der ein oder andere Fußballfan bei einem unerwarteten Ausgang auch schon mal ein Tränchen verdrückt hat. Außerdem ist Fußball in vielen Kreisen ein echter Allrounder, wenn es um das Finden eines Gesprächsthemas geht. Insbesondere, wenn das Gegenüber nicht zum engen Freundeskreis gehört, ist es schön gleich ein Thema parat zu haben, das unkompliziert und unterhaltsam ist.

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