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Vorsicht vor Betrügern beim Online-Kauf

Corona-Schnelltests können helfen zu erkennen, ob man mit dem Coronavirus infiziert ist, obwohl man etwa noch keine Symptome hat. Seit Anfang März sind erste Schnelltests auch zum Selbstmachen zugelassen und im Handel sowie in Online-Shops erhältlich. Doch gerade im Internet häufen sich inzwischen betrügerische Angebote. Wie aber kann man sie erkennen?

Symbolbild Selbsttest
Ähnlich wie schon bei Desinfektionsmitteln und medizinischen Schutzausrüstungen könnten Kriminelle versuchen, auch bei Schnelltests abzukassieren.

Neben den üblichen PCR-Tests, die von medizinischem Fachpersonal durchgeführt und im Labor ausgewertet werden, gibt es mittlerweile auch Corona-Schnelltests, die man sogar zu Hause in etwa 30 Minuten selbst machen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis dieser Laientests falsch ist, ist zwar höher als bei den professionellen Tests. Allerdings kann ein positives Ergebnis frühzeitig anzeigen, dass man mit dem Coronavirus infiziert und potenziell ansteckend ist. Das hilft, das Weitertragen der Infektion zu verhindern.

Künftig vielerorts erhältlich

Die Selbsttests liefern innerhalb von rund 15 Minuten ein Testergebnis und können von Laien angewendet werden. , sondern sie sollen zukünftig auch vielerorts für jeden erhältlich sein. So gibt es bereits jetzt zum Beispiel in Apotheken oder in Drogerien und Supermärkten ein paar Laientests zu kaufen. Insgesamt sollen in Deutschland in Zukunft mindestens 200 Millionen dieser Selbsttests erhältlich sein.

Aufgrund der großen Nachfrage werden Corona-Schnelltests auch in Online-Shops im Internet angeboten. Das Problem: Das kann Cyberkriminelle dazu veranlassen, gefälschte Internet-Plattformen - sogenannte „Fake-Shops“ - zu erstellen. In diesen bieten sie Laientests zum Verkauf an, die entweder nicht ausreichend geprüft wurden oder die sie gar nicht haben, warnen jetzt Forscher um Peter Mayer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Oft täuschen solche Kriminelle sogar Lieferschwierigkeiten vor, um Betroffene daran zu hindern, ihre Überweisungen rückgängig zu machen .

Fake-Shops mit betrügerischen Angeboten

„Fake-Shops locken Kunden typischerweise mit besonders günstigen Angeboten zu gerade sehr begehrten Produkten“, erklärt Mayer. „So boten betrügerische Online-Shops in der ersten Zeit der Pandemie Desinfektionsmittel und medizinische Schutzausrüstungen an.“ Zudem wurden bereits unter anderem minderwertigen Medizinprodukte und sogar Arzneimittel wie Pilze, Lutschpastillen oder Gurgelwasser angeboten, die angeblich vor Covid-19 schützen sollen. In der Vergangenheit haben solche Fake-Shops  tatsächlich auch schon Corona-Impfstoffe angeboten – obwohl diese gar nicht frei verkäuflich sind.

Die Kriminellen nutzen dafür häufig Sicherheitslücken in Webseiten von Unternehmen, Vereinen oder Privatpersonen, indem sie dort eine Weiterleitung zu ihrem Fake-Shop hinterlegen, erklärt Mayer. Die Eigentümer der Webseiten bekommen davon aber meist nichts mit, da die Betrüger nur den Namen und damit die Sichtbarkeit der Webseite in Suchmaschinen nutzen. Das bedeutet, dass man bei einer Suche im Internet selbst bei Eingabe einer vermeintlich seriösen Adresse die echt aussehenden Fake-Shops angezeigt bekommen kann.

Wie erkennt man unseriöse Shops?

Damit man nicht auf die Betrüger hineinfällt, haben die Forscher einige Tipps: „Das Wichtigste ist, nicht überstürzt zu handeln, sondern sich die Zeit zu nehmen, den Shop genau unter die Lupe zu nehmen“, betont Mayer. Dabei sollte man prüfen, wie seriös der Shop im Internet aussieht. Wenn der Anbieter keine weiteren ähnlichen Produkte im Angebot hat, also nur etwa Schuhe verkauft, und sich die angebotenen Corona-Tests völlig vom übrigen Sortiment abheben, sollte einen das bereits misstrauisch machen, so der Experte.

Außerdem sollte man auf den Preis der angebotenen Tests achten. Sind die Schnelltests nur halb so teuer sind wie sonst üblich, könnte das ein Hinweis für Betrug sein. Im Allgemeinen liegen die Preise für Corona-Selbsttests bei rund 20 bis 25 Euro für fünf Stück. Ist das Angebot im Online-Shop deutlich günstiger, ist das ein Alarmzeichen. Gleiches gilt auch für die Zahlungsmöglichkeiten: Bietet der Shop als Zahlungsmittel ausschließlich Vorauskasse oder Zahlung per Kreditkarte an, ist es nicht ratsam, dort einzukaufen.

Zusätzlich hilft es auch zu prüfen, ob auf der Shop-Seite ein Impressum angegeben ist oder die angegebenen Kontaktdaten erreichbar sind. Sollte das nicht der Fall sein, rät Mayer von einem Kauf ab. Auch ein Blick auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) kann hilfreich sein. Denn dort kann man oftmals Hinweise auf einen ausländischen Firmensitz finden. Manchmal ist im Impressum auch ein Verweis auf das Handelsregister und die entsprechende Nummer angegeben, die man dann prüfen sollte.

Zuletzt ist es auch ratsam, den Shop-Namen in eine Suchmaschine wie Google einzugeben. Denn dort findet man manchmal zum Beispiel auf Hilfeforen Hinweise von Betroffenen, die bereits versucht haben, bei dem Fake-Shop einzukaufen, aber getäuscht wurden.

Symbolbild Online-Shopping
Ist das Angebot im Online-Shop deutlich günstiger, ist das ein Alarmzeichen. Auch wenn als Zahlungsmittel ausschließlich Vorauskasse oder Zahlung per Kreditkarte vorgesehen sind, ist Vorsicht geboten.

Klare Indizien

Und selbst wenn Online-Shops auf den ersten Blick vertrauenswürdig wirken, können sie täuschen. So hat in der Vergangenheit beispielsweise der seriös scheinende Online-Shop „Schutz-Shopping24.de“ unter anderem mit Corona-Schnelltests geworben. Das Angebot entpuppte sich aber als Fake: Die Regensburger Firma im Impressum war unbekannt und Menschen, die die Tests bestellt hatten, bekamen diese nicht und hatten ihr Geld verloren.

Deshalb sollte man sich nicht allein von der Aufmachung der Seiten überzeugen lassen, sondern zusätzlich nach klaren Hinweisen für die Glaubwürdigkeit suchen. Indizien dafür können Gütesiegel wie das Trusted-Shops-Label oder das s@fer-shopping-Siegel des TÜV SÜD sein. „Aber auch hier ist Vorsicht geboten“, warnt Mayer. „Betrüger können die Siegel einfach kopieren oder eigene Siegel erfinden, um Seriosität vorzutäuschen.“

Außerdem kann man sich zum Beispiel auch bei der Verbraucherzentrale melden, die dann den Online-Händler prüfen kann. Einige Online-Anbieter, die für den Verkauf von Arzneimitteln zugelassen sind, findet man zudem auf der Seite des Bundesamts für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Zusätzlich empfiehlt es sich, auch die angebotenen Selbsttests näher unter die Lupe zu nehmen. Denn bis ein Test in Deutschland zugelassen wird, muss er erst von Experten geprüft werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat dazu eine Liste mit allen Laientests erstellt, die bisher eine Zulassung in Deutschland haben. Die Namen und Hersteller der Coronatests kann man dann mit den angebotenen Produkten im Online-Shop vergleichen.

Kennzeichnung auf den Tests prüfen

Aber selbst wenn in dem Online-Shop angeblich zugelassene Tests beworben werden, kann es auch ein Fake-Shop sein, der einem nach der Bezahlung keine Schnelltests zuschickt. Seriös wirkenden, aber unbekannte Online-Shops sollten deshalb grundsätzlich möglichst selten für solche Medizinprodukte benutzt werden.

Und auch wenn einem tatsächlich ein Coronatest nach der Bestellung nach Hause geschickt wird, sollte man vorsichtig sein. Bevor man diesen benutzt, ist es ratsam, dass man sich zuerst die Außenseite der Verpackung genau anschaut. In Deutschland zugelassene Laientests haben dort eine CE-Kennzeichnung und die vierstelligen Kennnummer der Prüfstelle aufgedruckt. Zudem muss sich in der Verpackung eine deutschsprachige Gebrauchsinformation befinden.

Andere warnen

Wurde man schließlich tatsächlich betrogen, sollte man sich sofort bei seiner Bank informieren, ob man die Zahlung noch rückgängig machen kann, was aber meist nur innerhalb eines bestimmten Zeitraums noch möglich ist. Zudem sollte man alle Beweise wie zum Beispiel den Kaufvertrag, die Bestellbestätigung oder E-Mails sammeln und ausdrucken. Mit den Unterlagen kann man dann bei der Polizei Strafanzeige erstatten.

Auch wenn die Täter nur selten gefunden werden, kann dann der Fake-Shops zumindest schneller gelöscht werden, damit nicht noch andere Menschen dort bestellen. Dafür sollte man zudem in Hilfsforen vor dem Fake-Shop warnen und die Verbraucherzentrale verständigen.
 

ABO, 12.03.2021
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