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Autonome Parkassistenten im ADAC-Test

Besonders in der Stadt finden sich oft nur schwer Parkplätze. Hat man dann mal eine Parklücke gefunden, ist sie oft sehr eng und das Einparken speziell am Rand von vielbefahrenen Straßen nicht leicht. Autonome Parkassistenten können dabei Abhilfe leisten: Sie lenken, beschleunigen und bremsen selbstständig und manövrieren das Auto so selbst in die engsten Parklücken. Doch wie gut sind solche Parkassistenten? Und welche Modelle können was? Der ADAC hat sieben Systeme getestet.

Symbolbild Einparkhilfe
Autonome Parkassistenten können das Auto ganz ohne Beihilfe des Fahrers in eine Parklücke manövrieren.

Um einen Auto-Führerschein zu machen, gehört es dazu, dass man auch Einparken lernt. Dennoch fällt das gerade Fahranfänger mit großen Autos oder bei viel befahrenen Straßen mit engen Parklücken häufig schwer. Mittlerweile sind die meisten Autos zur Unterstützung des Einparkens mit Rückfahrkameras und mit Abstandssensoren  ausgestattet. Diese  piepsen, sobald man beispielsweise zu nah an ein anderes Auto fährt, und erleichtern so das unfallfreie Manövrieren.

Wie funktionieren autonomes Parken?

Noch einfacher machen es einem autonome Parkassistenten: Diese Systeme können das Auto ganz ohne Beihilfe des Fahrers in eine Parklücke manövrieren. Dazu erfassen Ultraschall-Sensoren im Vorbeifahren den rechten Fahrbahnrand, und suchen  nach einer für das Automodell passenden Längs- oder Querparklücke.

Erkennt der Sensor eine passende Parklücke, erhält der Fahrer eine entsprechende Information auf dem Auto-Display oder auf einer App und kann den Einparkassistent aktivieren. Daraufhin berechnet das System den kürzesten Weg in die Lücke, die erforderlichen Lenkmanöver und die Anzahl der Züge  - und führt diese Angaben schließlich auch aus: Der Assistent übernimmt mit Unterstützung der elektrischen Servolenkung das Lenken sowie das Beschleunigen und Bremsen.

Ähnlich sieht es beim Ausparken aus: Auch das kann der Parkassistent, indem er das Fahrzeug in die richtige Ausgangsposition lenkt und selbstständig aus dem Parkplatz hinausgeleitet. Der Fahrer kann sowohl das vollautomatische Einpark- als auch das Auspark-Manöver jederzeit abbrechen. Werden während des Parkvorgangs Hindernisse erkannt oder läuft plötzlich hinter dem Fahrzeug eine Person vorbei, können die Parkassistenten aber auch selbstständig bremsen.

Bei den neuesten Systemen gibt es noch eine Zusatzfunktion: Der Fahrer kann entscheiden, ob er beim Parkvorgang im Auto sitzen bleiben oder vorher aussteigen möchte und das Einparken von draußen aktiviert. Der Vorteil: Ist die Parklücke für das Auto so eng, dass die Fahrertür nach dem Einparken nicht mehr aufgeht, kann man zunächst aussteigen und das Fahrzeug hineinrollen und später auch wieder hinausfahren lassen.

Welche Modelle können was?

Mittlerweile gibt es verschiedene Modelle solcher autonomen Parkassistenten. Welche davon was können, hat der ADAC jetzt in einem Test mit sieben Autos unterschiedlicher Größe und Preisklasse geprüft. Untersucht wurden die Parkassistenzsysteme, wenn sie im Auto aktiviert werden und – wenn vorhanden – auch per Fernsteuerung. Die Systeme sollten in den Tests in verschiedenen Situationen einparken: beim Längsparken in eine Lücke am Straßenrand, beim Querparken, wie etwa auf einem Parkplatz und bei besonders engen Parklücken.

Das Ergebnis: Zwischen den autonomen Parkassistenten konnten die Experten vom ADAC einige Unterschiede feststellen. Lediglich das Längsparken in eine Lücke am Straßenrand funktionierte bei allen Testwagen - bis auf den Kia Sorento - zuverlässig: So konnten sie alle eine Parklücke erkennen, signalisieren, wenn diese groß genug ist, und auf Knopfdruck oder Fingertipp im Display von selbst lenken, beschleunigen und bremsen, um das Auto in die Lücke zu manövrieren. Nur manchmal waren hohe Bordsteine oder dünne Metallstangen für die Fahrzeuge schwer zu erkennen.

Zudem wurde bei größenmäßig grenzwertigen Parklücken nicht in jedem Fall zuverlässig erkannt, ob das Fahrzeug tatsächlich in die Lücke passt. Gut schnitten dabei aber die Assistenzsysteme von BMW und Mercedes ab: Da diese Autos über eine Lenkung an der Hinterachse verfügen, konnten sie in den Tests sogar in Längsparklücken rangieren, die nur circa einen Meter länger waren als die Fahrzeuge und dadurch nur jeweils 50 Zentimeter vor und hinter dem Auto Platz blieben. Bis auf den ebenfalls sehr knapp einparkenden Aiways U5 brauchten die anderen Autos in der Regel über einen Meter, der VW Touareg sogar 1,3 Meter zusätzlichen Platz zur Fahrzeuglänge.

Beim Querparken wurde der Ford Focus im Gegensatz zu den anderen Assistenten als besser bewertet: Er quetschte sich im Test auch in Lücken, die nur 0,85 Meter breiter sind als das Fahrzeug. Die anderen Systeme parkten das Auto hingegen nur in Parklücken, die rund ein Meter breiter waren als das Auto selbst. Für seinen im Vergleich günstigen Preis von 650 Euro wurde der Fahrassistent des Ford Focus insgesamt vom ADAC als empfehlenswert bewertet: Er hat zwar im Vergleich zu den hochpreisigeren Modellen weniger Funktionen, aber das Parksystem ist sehr einfach bedienbar und zielsicher. Ein ähnliches Gesamtergebnis hielten die ADAC-Experten auch für das ebenso günstige System des Aiways U5 fest.

Symbolbild Fahrassistent
Beim Einparken per Fernsteuerung muss der Fahrer dabei samt Fernbedienung aus Sicherheitsgründen in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs stehen - auch bei Regen.

Fernsteuerung nicht immer verlässlich

Die teureren Parkassistenzen von Preisen bis zu 5.000 Euro unterschieden sich davon vor allem durch ihre Fernsteuerung: Über diese verfügten der BMW 5, der Kia Sorento, der Porsche 911, die Mercedes S-Klasse und der VW Touareg. Aus Sicherheitsgründen muss der Fahrer dabei samt Fernbedienung in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs stehen. Kia gibt dafür maximal vier Meter Abstand zum Auto an, bei BMW darf der Fahrer höchstens drei Meter entfernt auf die Fernbedienung drücken.

Beim ferngesteuerten Einparken traute sich der Porsche 911 mit nur 0,6 Metern zusätzlich zur Fahrzeugbreite am meisten zu. Bei den anderen Fahrzeugen bewegten sich die Werte zwischen 0,7 und 0,8 Metern. In eine an der engsten Stelle rund 2,25 Meter breite Garage konnten der Porsche 911 sowie der BMW 5 ferngesteuert einparken. Die anderen Fahrzeuge mit vorhandener Fernsteuerung verweigerten die Einfahrt. Der 5er-BMW zeigte jedoch einen kleinen Nachteil: Bei den Fahrversuchen in die sehr enge Garage fuhr er zwar selbstständig ganz ohne Fahrer an Bord hinein, wagte sich dann aber beim Herausfahren nicht mehr am Gestänge des Garagentores vorbei.

Insgesamt überzeugten nach Angaben des ADAC eher die Fernsteuerungs-Systeme, die über den Fahrzeugschlüssel aktiviert werden. Denn die Systeme, die übers Smartphone gesteuert werden mussten, hatten häufig instabile Verbindungen. Zu ersteren gehören die Parkassistenten des Kia Sorrento und des BMW 5, die beide laut des ADACs gut funktionierten. Jedoch war die Bedienung der Fahrzeugschlüssel nicht auf Anhieb verständlich. Zum Beispiel muss man, um den Kia ferngesteuert bewegen zu können, das Fahrzeug abschließen, die Taste "Hold" am Schlüssel für den Motorstart vier Sekunden und dann noch eine weitere Taste vier Sekunden lang gedrückt halten. Erst dann setzt sich das Fahrzeug in Bewegung, stoppt beim Loslassen der Taste aber sofort.

Fahrer hat die Verantwortung

Trotz der meist positiven Ergebnisse der autonomen Parkassistenzsysteme gilt, dass der Fahrer den Parkvorgang aller Systeme überwachen muss. Denn er ist nach wie vor in der Verantwortung und Haftung, sollte die Technik nicht richtig funktionieren.

Außerdem ist zu beachten, dass die Systeme auch ihre Grenzen haben: Damit die Sensoren vor dem Einparken zuverlässig erkennen können, ob eine Parklücke groß genug ist, darf eine bestimmte Geschwindigkeit nicht überschritten werden. Mit VW und Porsche kann man beim Längsparken bis 40 Kilometer pro Stunde fahren, mit der S-Klasse 35 und mit dem Aiways nur 25 Kilometer pro Stunde. Bei Querparklücken muss man meist noch langsamer rollen. Der ADAC empfiehlt generell eine Geschwindigkeit von maximal 20 Kilometern pro Stunde, um rechtzeitig auf die Park-Empfehlung des Fahrzeugs reagieren zu können.

Auch ist das Parken bei Steigungen nicht immer möglich: Zum Beispiel kann der BMW bei einer Steigung von fünf Prozent nicht mehr einparken, der Mercedes rollt dagegen noch bei 15 Prozent Steigung in die Lücke. Neben Steigungen können auch weiche Oberflächen und runde Gegenstände gefährlich werden. Nicht immer sind die Schwierigkeiten der Systeme aber exakt in der Bedienungsanleitung beschrieben – so etwa bei Kia.

Vor allem für Ungeübte hilfreich

Lohnt sich ein Parkassistent also? Hinsichtlich der Ergebnisse resümieren die ADAC-Experten, dass geübte Autofahrer meist schneller ohne einen autonomen Parkassistenten einparken und es deshalb für sie höchstens dafür hilfreich ist, um festzustellen ob eine Parklücke für das Auto ausreichend ist. Für Ungeübte können die Systeme hingegen durchaus auch für den Parkvorgang eine Hilfe sein, so die Experten – sofern man sich genau über die Fähigkeiten und Grenzen der Systeme informiert und deren Bedienung genau kennt.

Zudem rät der ADAC beim Kauf eines Parkassistenten dazu, das System unbedingt beim Autohändler auszuprobieren und sich genau erklären zu lassen. Zu Beginn sollte man es zudem in Straßen mit wenig Verkehr testen und stets mit Vorsicht benutzen. Aufpassen sollte man dabei vor allem immer bei kleineren Hindernisse. Zusätzlich empfehlen die ADAC-Experten darauf zu achten, dass die Sensoren des Fahrzeugs nicht verschmutzt sind, weil dies die Funktion behindert.

Quelle: ADAC
 

ABO / ADAC, 14.07.2021
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