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ADAC-Test: Welche Auto-Kindersitze sind sicher?

Ob Babyschale, Kindersitz oder Sitzerhöhung – Kinder brauchen im Auto zusätzlichen Schutz. Denn sie sind noch nicht so groß, dass der Anschnallgurt im Auto über die Schulter verläuft und daher bei einem Unfall nicht ausreichend geschützt. Aber welcher zusätzliche Sitz eignet sich? Und welche Modelle sind empfehlenswert? Der ADAC hat dazu einen Kindersitz-Test durchgeführt und gibt Tipps für den Kauf.

Symbolbild Kindersitz
Kinder bis 12 Jahre oder bis zu 150 cm Größe brauchen einen Kindersitz.

Sich während der Autofahrt anzuschnallen, ist unerlässlich und gesetzlich vorgeschrieben. Bei kleinen Kindern reicht der Anschnallgut alleine aber nicht aus, um bei einen Unfall gesichert zu sein: Setzen sie sich ins Auto, läuft der Gurt am Hals der Kinder entlang – und kann sie bei einem Unfall stark verletzen. Deshalb müssen Kinder bis zu einer Körpergröße von 1,50 Metern im Auto in einem speziellen Kindersitz mit eigenem Gurtsystem oder zumindest mit einer Sitzerhöhung mitfahren, durch die der klassische Gurt an der Schulter anliegt.

Aktuelle Kindersitze im Test

Doch die Auswahl an Modellen und Herstellern von Kindersitzen ist riesig. Deshalb haben Experten des ADAC einen Kindersitztest mit den aktuellen Angeboten durchgeführt. Dabei prüften und bewerteten sie insgesamt 26 Kindersitze in verschiedenen Kategorien. So unterschieden sich die Sitze teilweise darin, welchem Standard ihre an den Autositz angepasste Basis folgte. "i-Size"-Basen können beispielsweise auf allen Autositzen mit diesem Standard montiert werden.

Darunter beispielsweise in der Kategorie Sicherheit: Dazu setzten die Experten unterschiedlich große Puppen in die zu testenden Kindersitze und befestigten sie in einem Testauto. Damit simulierten sie dann einen Frontal- und einen Seitenaufprall, um so die Standfestigkeit der Sitze zu prüfen. Für die Kategorie Ergonomie untersuchten die Tester unter anderem das Platzangebot und die Sitzposition, die das Kind in den unterschiedlichen Modellen hat,  sowie den Platzbedarf des Sitzes im Auto.

Zudem wurde die Handhabung der Kindersitze geprüft, also etwa, ob sie leicht einzubauen und zu bedienen sind und ob das Anschnallen mit dem Gurtsystem des Sitzes einfach möglich ist. Zusätzlich testeten die Experten des ADAC alle Teile der Kindersitze, mit denen das Kind in Kontakt kommt, wie etwa der Bezug oder die Schulterpolster, auf Schadstoffe wie Schwermetalle oder Weichmacher.

Fünf Modelle als „mangelhaft“ eingestuft

Das Ergebnis: Insgesamt erwies sich der Großteil der getesteten Kindersitze als sicher. So beurteilten die Experten 18 Modelle als „gut“ und drei als "befriedigend". Besonders positiv wurden der „Maxi-Cosi Tinca" (mit der Tinca Base), der „Peg Perego Primo Viaggio Lounge" mit iSize Base und der „Stokke iZi Go Modular X1 i-Size by Besafe" mit der iZi Modular i-Size Base sowie der Kindersitz „Babyzen Yoyo iZi Go Modular X1 i-Size by Besafe" ebenfalls mit der iZi Modular i-Size Base eingestuft. Diese Sitze übertreffen die gesetzlichen Vorschriften zum Teil deutlich.

Allerdings schnitten im diesjährigen Vergleichstest auch fünf Sitzmodelle mit "mangelhaft" ab: Eine Babyschale, die „Chicco Kiros i-Size + Kiros i-Size Base“, versagte direkt beim Frontal- und Seiten-Crash. Bei dem Frontalaufpralltest löste sie sich von ihrer Basis und flog nahezu ungebremst nach vorne. Ein Kind würde bei einem schweren Unfall samt der Babyschale durchs Auto geschleudert werden und so einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt sein, warnen die ADAC-Prüfer.

Die vier weiteren abgewerteten Sitze scheiterten an den Kriterien der Schadstoffprüfung. Denn die Bezugsstoffe vom „Besafe iZi Go Modular X1 i-Size“, mit und ohne iZi Modular i-Size Base, und vom „Swandoo Marie 2“ enthielten den Stoff Naphthalin, der im Verdacht steht, eine krebserzeugende Wirkung zu haben. In der untersuchten Probe vom „Osann Oreo 360“ wiesen die Prüfer den Weichmacher DPHP nach, der die Schilddrüse und den Hormonhaushalt beeinflussen kann.

Diese negative Bewertung hat bei den Herstellern aber bereits für ein Umdenken gesorgt: Drei der Hersteller der mangelhaft getesteten Sitze reagierten auf die schlechte Bewertung und bieten Käufern nun eine kostenlose Nachbesserung an. Chicco tauscht die Isofix-Station gegen eine verbesserte Konstruktion um, Osann bietet den Tausch der schadstoffhaltigen Schulterpolster und Swandoo den Tausch der belasteten Sitzbezüge an, wie der ADAC berichtet.

Was vor dem Kauf noch zu beachten ist

Mithilfe der Ergebnisse können sich Eltern nun besser über die vielen Angebote informieren, bevor sie einen Kindersitz kaufen. Auch die Ergebnisse der Vorjahre können hilfreich sein. Die aus dem letzten Jahr sind sogar direkt mit den aktuellen Ergebnissen vergleichbar und alle seit 2015 „gut“ und „befriedigend“ bewertete Sitze können immer noch empfohlen werden.

Beim Kauf des Kindersitzes sollten aber nicht nur die Kindersitztests beachtet werden, raten die Experten. Denn nicht jeder Kindersitz passt gleich gut in alle Autos. Vorab sollte man also prüfen, ob der ausgewählte Kindersitz im eigenen Auto montiert werden kann und darf.

Zum Beispiel können Kindersitzmodelle mit semi-universaler Zulassung, also etwa Kindersitze mit Stützfuß, nicht in allen Autos eingebaut werden. Ob das eigene Fahrzeug dafür geeignet ist, kann man in der Typliste des jeweiligen Modells nachlesen. Auch nach dem sogenannten „i-Size“-Standard zugelassene Kindersitze können nicht auf allen Fahrzeugsitzen montiert werden, sondern nur auf welchen mit „i-Size“-Freigabe. Dazu findet man eine Kennzeichnung am Fahrzeugsitz und eine Beschreibung im Handbuch des Autos. Bei Isofix-Kindersitze mit Top Tether muss zudem vorher geprüft werden, ob das Fahrzeug über die erforderlichen Befestigungspunkte verfügt.

Hinzu kommt, dass die Eltern vor dem Kauf des Kindersitzes unter anderem prüfen sollten, ob sich der Kindersitz stramm und standsicher im Fahrzeug einbauen lässt. Vor allem bei älteren Fahrzeugen können beispielsweise lange Gurtschlossbefestigungen dazu führen, dass sich der Sitz nicht stabil anschnallen lässt. Insgesamt sollte man darauf achten, dass die Gurte möglichst geradlinig verlaufen und keine Falten werfen. Insbesondere bei Babyschalen ist es zudem ratsam zu prüfen, ob die Gurtlänge im Fahrzeug ausreicht, um den Sitz sicher anschnallen zu können.

Auch an Vorlieben anpassen

Doch nicht nur der Einbau ins eigenen Auto sollte vor dem Kauf geprüft werden. Auch die Anforderungen bei der alltäglichen Nutzung sollten mitbedacht werden. Wollen die Eltern den Kindersitz zu Beispiel häufig ein- und ausbauen, sollten sie auf ein nicht zu schweres Gewicht des Sitzes achten. Fährt ein Elternteil ein zweitüriges Fahrzeug, wie ein Cabrio, sollte man zudem beachten, dass Kindersitze mit Sitzschale und Isofix-Station dort zwar einzubauen sind, jedoch meist nicht zur Seite gedreht werden können, um das Hineinheben und Anschnallen von kleineren Kindern zu erleichtern.

Neben den Präferenzen der Eltern spielen aber auch die Vorlieben der Kinder eine wichtige Rolle, wenn es um den Kauf eines Autositzes für sie geht. Deshalb sollte man unter anderem auch prüfen, ob das Kind in dem Kindersitz bequem sitzt oder ob beispielsweise der Oberkörper zu lang ist, um das Kind sicher anzuschnallen.

Sitzerhöhung nur im Notfall

Neben den klassischen Kindersitzen haben die ADAC-Tester dieses Jahr auch die beliebten Sitzerhöher untersucht. Dabei handelt es sich um Schalen aus Plastik oder Styropor, die kein eigenes Gurtsystem haben und teilweise mit einer Rückenlehne oder einer Gurtführung an den seitlichen „Hörnchen“ ausgestattet sind, manchmal aber auch  weder mit dem einen noch dem anderen. Insbesondere letztere sind deshalb platzsparender, sodass damit auch drei Kinder nebeneinander auf der Rückbank sitzen können. Generell gilt, dass ein klassischer Kindersitz erst von einer Sitzerhöhung ohne eigenes Gurtsystem und Rückenlehne abgelöst werden darf, wenn das Kind mindestens 22 Kilogramm wiegt und größer als 1,25 Meter ist.

Aber selbst dann sind sie nicht so sicher wie ein Kindersitz: In den ADAC-Untersuchungen zeigte sich, dass sie größere Kinder zwar bei einem Frontalaufprall schützen können, jedoch bieten nur die Sitzerhöher mit Rückenlehne einen Seitenaufprallschutz. Insbesondere bei den einfachen Sitzerhöhungen werden die Kinder hingegen in die Innenseite der Autotür gedrückt und können sich schnell verletzen. Außerdem werden der Anschnallgurt und das Kind durch die Sitzerhöhung nicht optimal zueinander positioniert.

Während ein Erhöher mit Rückenlehne noch eher als sicher eingestuft werden kann, sind die Sitzerhöhungen mit Gurtführungen und die einfachen zwar besser als gar keine Sicherung, sollten aber dennoch nur als "Notsitz" für die größeren Kinder verwendet werden. Laut ADAC sollte man dabei zumindest die Sitzerhöher mit den seitlich angebrachte Gurtführungen wählen, da diese die Sitzerhöhung in Position halten und die Lage des Beckengurtes verbessern. Von den einfachen Erhöhern rät der ADAC hingegen ganz ab.

Wer auf der Suche nach einem möglichst guten Modell der Sitzerhöhung ist, sollte vor allem auf das Material achten. Die Experten raten zu Produkten aus Kunststoff, da sie stabiler sind als solche aus Styropor. Durch das robustere Material werden sie weniger leicht beschädigt und die Gefahr, dass sie im Falle eines Unfalls versagen, ist geringer. Zudem gilt auch hier, dass man die Sitzerhöhung vor dem Kauf einbauen und das Kind Probe sitzen lassen sollte.

ABO, 28.05.2021
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