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60 Jahre Supermarkt

Das Ende der Tante Emma-Ära

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Selbstbedienungsgeschäft, 1949
Ungefähr zeitgleich mit dem Supermarkt hielt auch das Selbstbedienungsgeschäft in Deutschland Einzug.
USA-Konzept kommt nach Deutschland

Den ersten Selbstbedienungsladen der Bundesrepublik gründet schließlich der Unternehmer Herbert Eklöh. Er hat Cullens Supermarkt in den USA besucht und eröffnet nach diesem Vorbild 1938 ein Geschäft in Osnabrück. Doch der Laden wird zum Flop: Die Kunden tun sich schwer mit der neuen Art des Einkaufens, die Eklöh ihnen schmackhaft machen will. Auch die Konkurrenz ist skeptisch. Die Händler befürchten, dass durch das Prinzip der Selbstbedienung die enge Kundenbindung verloren geht. Dann kommt der Zweite Weltkrieg – und die Idee des Supermarkts gerät in Vergessenheit.

Nach dem Krieg jedoch hat die Stunde des Supermarkts endlich auch in Deutschland geschlagen. Der Wohlstand wächst, es ist die Zeit des Wirtschaftswunders. Die Menschen konsumieren mehr und mehr. Herbert Eklöh nutzt die Goldgräberstimmung für einen zweiten Anlauf: Am 26. September 1957 eröffnet er in Köln ein Selbstbedienungsgeschäft für Lebensmittel mit einer für damalige Verhältnisse riesigen Verkaufsfläche von rund 2.000 Quadratmetern. Es ist der erste richtige Supermarkt Deutschlands.

Von nun an gehen auch die Deutschen immer häufiger zum Einkaufen in große Geschäfte, die ihnen das komplette Spektrum an Lebensmitteln, präsentiert in großen Regalreihen und in unterschiedlichen Abteilungen anbieten. Schon bald gibt es jedoch nicht mehr nur Wurst, Obst, Gemüse und Co - ab 1959 bereichern auch Non-Food-Produkte die Angebotspalette.

Erste Aldi-Filiale in Essen-Schonnebeck
Bescheidene Anfänge

Anstelle des vom Vater der Aldi-Brüder gegründeten Tante-Emma-Ladens in Essen findet sich heute eine Aldi-Filiale.

Geburtsstunde der Discounter

Allerdings: Die Preise sind in den neuen Supermärkten noch immer vergleichsweise hoch. Denn durch die Preisbindung bestimmen die Hersteller, was ein Produkt kostet. Ein Wettbewerb über den Preis findet nicht statt. Die Brüder Karl und Theo Albrecht sind die Ersten, die eine Idee entwickeln, um dieses Problem zu umgehen: Sie lassen Produkte unter eigenem Namen selbst herstellen und erfinden so das Konzept der Eigenmarken.

1961 bieten die Albrechts erstmals in einem Aldi-Discounter ihre Produkte an. Statt eine riesigen Produktpalette haben sie vergleichsweise wenige Artikel im Angebot. Die gibt es dafür aber zum Dauerniedrigpreis. Das Konzept hat Erfolg und geht bald in Serie. Auch Nachahmer finden sich schnell. 1973 eröffnet der erste Lidl-Discountmarkt, gegenwärtig der größte Konkurrent von Aldi. Auch nachdem die Preisbindung 1974 fällt, bleiben die Discounter erfolgreich - ihre Besonderheit der günstigeren Eigenmarken schauen sich bald auch die traditionellen Supermärkte ab.

Lidl-Filiale
Schmucklose Läden, reduziertes Angebot, dafür unschlagbare Preise – mit diesem Rezept wurden die deutschen Discounter groß.
Schon damals wird getrickst

Verkauft wird in den Supermärkten übrigens schon in den 70er Jahren mit erfindungsreichen Tricks. Bereits damals setzen die Händler bewusst psychologische Mittel wie Farben, Düfte oder Musik ein, um die Kunden zum Kaufen zu animieren. Außerdem steht Teures in der Regel auf Augenhöhe, für die günstige Ware muss sich der Kunde dagegen bücken – auch die Regalbestückung ist der in heutigen Supermärkten damals schon ähnlich.

DAL, 26.09.2017
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