wissen.de
Total votes: 139
wissen.de Artikel

Zurück in der Todeszone

20 Jahre nach der Katastrophe kehren Bewohner heim in das Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Tschernobyl.

Die Behörden dulden sie. Die Umsiedlung, so Wissenschaftler, habe vielen Menschen eh mehr geschadet als genutzt.

Jeder Schritt tut weh. Das Rheuma versteift die Gelenke, die Füße schwellen an und passen in keine Schuhe mehr hinein. Doch von den Gebrechen des Alters lässt sich Maria Grigorjewna Schilan nicht aufhalten. Jeden Morgen geht sie in den Wald, um Brennholz zu sammeln. Sie stapelt es an der Straße, versorgt die Hühner und fegt den Hof. "Vor dem orthodoxen Osterfest am Sonntag muss ich noch das Haus anstreichen", sagt die 76-Jährige und rückt das Kopftuch zurecht.

Das Holzhaus hat zwei Räume, die als Küche, Wohnzimmer und Schlafstube dienen. Ein weiß getünchter Backsteinofen wärmt. Bunt bestickte Kopfkissen stapeln sich auf dem Bett. An den Wänden hängen Fotos aus besseren Zeiten. "Meine Söhne", sagt die Alte, die Augen voller Tränen. "Sie sind vor zwei Jahren gestorben. Das Herz. Der Stress nach Tschernobyl war zu viel."

Ärztin schaut regelmäßig vorbei

Für Millionen Menschen war der Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 eine Lebenszäsur, das Ende einer glücklichen Existenz und der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Die Explosion im Reaktorblock 4 schleuderte 400-mal so viel Radioaktivität in die Luft wie die Hiroschima-Bombe. Von Wind getrieben verseuchte die Wolke 150.000 Quadratkilometer in der Ukraine, Weißrussland und Russland. Direkt betroffen waren die Einwohner der Ortschaften, die in einem Radius von 30 Kilometern um das Kernkraftwerk lebten. Sie mussten ihr Hab und Gut liegen lassen und wurden umgesiedelt - je nachdem, wo es gerade freien Wohnraum gab.

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
© Financial Times Deutschland
Total votes: 139