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Zum Kreml mit der Cessna. Friedensengel oder Spinner?

Ed Stuhler portraitiert Mathias Rust 25 Jahre nach Kreml-Flug

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Dennoch, Ed Stuhler ist überzeugt: die Landung am Kreml bedauert der heute 44-Jährige nicht. „Was ihn allerdings enttäuscht hat, ist, Michail Gorbatschow nie persönlich getroffen zu haben, und dass seine ‚Mission als Friedensengel‘ keine weiterreichenden Konsequenzen hatte“, erklärt Stuhler, „Rust hatte sich Begegnungen zwischen Jugendlichen aus Ost und West vorgestellt, einen Dialog auf ganz anderer Ebene, um den Kalten Krieg zu beenden. Er hat wirklich geglaubt, mit seiner Aktion am Kreml etwas für den Weltfrieden tun zu können.“ Eigenbrötlerisch und individualistisch sei er eben gewesen, doch entschlossen, selbst etwas für eine Verbesserung der Verhältnisse zu tun. Und dafür zollt der Autor seinem Protagonisten im Buch unverhohlen Respekt.

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1988, Rust bei Rückkehr
Respekt, der ihm von anderer Seite verweigert worden sei, wie Stuhler findet. „Während man früher solche Träumer auf dem Scheiterhaufen verbrannte, werden sie heute von der Presse hingerichtet“, fällt er ein hartes Urteil über die Medien, die den jungen Rust unversehens fallen gelassen und kaputt geschrieben hätten. Den Grund dafür sieht der Autor in Rusts Weigerung, sich nach seiner vorzeitigen Haftentlassung von der deutschen Presse zum Opfer der Russen stilisieren zu lassen, - sowie in dem Exklusivvertrag zwischen den Eltern Rust und dem stern, der allen anderen Medien ein einkömmliches Geschäft mit dem waghalsigen Kreml-Flieger verhagelt habe. Der gerade 20-jährige Rust stürzte nach einer für ihn äußerst enttäuschenden stern-Berichterstattung, der allgemeinen medialen Schelte und wiederholten Morddrohungen indes in eine tiefe Krise, verletzte sogar eine Krankenschwester schwer mit dem Messer und kam erneut ins Gefängnis. Heute scheint der Kreml-Flieger wieder mit sich im Reinen zu sein, arbeitet seit Jahren als Finanzanalyst in der Schweiz, will sich demnächst als Yoga-Lehrer in Hamburg niederlassen. „Yoga hat ihm bei seiner psychischen Gesundung sehr geholfen“, weiß Stuhler. 

Dennoch,  Mathias Rust wird eine ambivalente Figur der jüngeren Geschichte bleiben. Seine Jubiläumsreise zum Kreml ausgerechnet mit dem stern ist ähnlich schwer zu verstehen wie damals sein Beteuern, die UdSSR „als Freund der Russen“  zu verlassen – nach 432 Tagen Haft. Doch ebenso wie er ein gewisses Verständnis bei Rust für die Verurteilung voraussetzt, spekuliert Ed Stuhler auf ein geheimes Wohlwollen bei Michail Gorbatschow für den deutschen „Kindskopf“. „Er muss ihm sprichwörtlich wie ein Geschenk des Himmels erschienen sein. Dass der Junge ungehindert in den Luftraum der hochgerüsteten Sowjetunion eindringen und am Kreml landen konnte, nahm der Reformer zum Anlass, die reaktionäre Militärführung abzusetzen.“  Und so hat Mathias Rust durch seinen illegalen Flug zum Kreml, ins Herz der UdSSR, doch etwas zum Ende des Rüstungswahnsinns und somit zum Ende des Kalten Krieges beigetragen. Wenn auch anders als geplant.

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Susanne Böllert
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