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Zoonosen auf dem Vormarsch

Mehr als die Hälfte der menschlichen Krankheitserreger stammen aus demTierreich

Die Gefahr lauert im Tier. Insgesamt 1.407 verschiedene Erreger – Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze – können beim Menschen Krankheiten verursachen, mehr als die Hälfte soll sich zunächst bei Tieren entwickelt haben. Krankheiten, die von Wirbeltieren auf den Menschen übertragen werden können, bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation WHO als "Zoonosen". Meist ist der Sprung von Tier zu Mensch viele Jahrtausende her, nach einer jüngst veröffentlichen Studien haben sich allerdings in den vergangenen 25 Jahren 38 Krankheiten dem Menschen angepasst. Auch beim Vogelgrippeerreger befürchten Experten eine Veränderung dahingehend, dass die Krankheit schließlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Der britische Epidemiologe Mark Woolhouse betonte auf dem Jahrestreffen der amerikanischen Wissenschaftsvereinigung AAAS in St. Louis, dass die überwiegende Zahl der infektiösen Übergriffe von so genannten RNA-Viren verursacht werde. Diese würden ihre Erbinformation nicht über genetisch stabile DNA weiterreichen, sondern sie in kleinen Einheiten mutationsfreudiger RNA mobilisieren. So sei eine schnelle Anpassung an den Menschen möglich. Er ist überzeugt: „Tierische Pathogene haben begonnen, uns Menschen regelrecht zu kolonisieren.“


Unter den Zoonosen gibt es einige in Deutschland seit langem etablierte Erreger wie die Tollwut oder die Salmonellen. Der Tollwut-Erreger Rhabdovirus wird vor allem über Biss- und Kratzwunden auf den Menschen übertragen, kann aber auch durch bereits vorhandene Verletzungen in die Haut eindringen. Rund zehn Prozent aller menschlichen Salmonellen-Erkrankungen sind auf direktem Kontakt mit Hunden, Katzen und Reptilien zurückzuführen, die diesen Erreger ausscheiden. Bekannt sind auch die Katzenpocken, die Papageienkrankheit und der Fuchsbandwurm.


„Emerging diseases“ nennen sich ganz neue Viruskrankheiten, die seit 38 Jahren die Menschheit scheinbar urplötzlich befallen: Lassa, Ebola, HIV, SARS. Im Jahr 1967 starben in Deutschland sieben Menschen an einem exotischen Virus aus Afrika. Es hatte sich heraus gestellt, dass Grüne Meerkatzen, die für die Forschung eines Impfstoffherstellers aus Uganda nach Marburg importiert worden waren, das tödliche Virus ins Hessische gebracht und dort Mitarbeiter der Firma infiziert hatten. Die Patienten litten damals zunächst an grippeähnlichen Symptomen, schließlich auch an Brechreiz, verhärteter Milz und Ausschlag. Das natürliche Reservoir des als Marburg-Virus bekannt gewordenen Erregers ist ungewiss. Das gilt auch für das eng verwandte Ebola-Virus. Das durch diesen Erreger ausgelöste hämorrhagische (Blutungen auslösende) Fieber trat erstmals 1976 im damaligen Zaire auf. Beim Aids-Erreger HIV-1 hat man erst nach 20 Jahren Forschung festgestellt, dass der wichtigste Typus des menschlichen Immunschwäche-Virus seinen Ursprung in einer Unterart von Schimpansen hat.


Wissenschaftler wie der Brite Woolhouse vermuten als Grund für das Auftauchen und die Zunahme neuer Krankheitserreger den veränderten Umgang des Menschen mit seiner Umwelt. Das Abholzen der Regenwälder, Massentierhaltung, exotische Haustiere und der weltweiter Reiseverkehr begünstigten den schellen Zuwachs der Erreger.

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Iris Hilberth
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