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Zika-Viren: Die wichtigsten Fragen zur neuen Epidemie

Das Zika-Virus löst weltweit Besorgnis aus. Denn besonders auf dem amerikanischen Kontinent breitet sich der Erreger derzeit rasant aus. Allein in Brasilien wurden seit Oktober 2015 mehr als 11.000 Zika-Infektionen nachgewiesen. Aber wie groß ist die Gefahr wirklich? Und besteht auch bei uns in Deutschland Grund zur Sorge? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um das Zika-Virus und die Folgen.

Zika-Viren im Elektronenmikroskop
Aufnahme von Zika-Viren (blau) im Elektronenmikroskop.

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Zika-Viren werden in den meisten Fällen durch den Stich einer Mücke übertragen, die das Virus in sich trägt. Häufigster Überträger ist die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die in den Tropen und Subtropen verbreitet ist. Bei uns in Deutschland kommt diese Mückenart nicht vor, weil die Winter für sie zu kalt sind. Allerdings ist es laut Experten nicht auszuschließen, dass auch andere Mücken, wie beispielsweise die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) das Zika-Virus verbreiten können. Diese eigentlich weiter südlich heimische Stechmücke kommt vereinzelt auch in Süddeutschland vor.

In bislang zwei Fällen wurde auch über eine sexuelle Übertragung berichtet. Es ist jedoch noch nicht geklärt, wie lange das Virus im Sperma überdauern kann und wie hoch das Ansteckungsrisiko durch Körperflüssigkeiten tatsächlich ist. Ob die Zika-Viren beispielsweise auch durch Urin und Speichel übertragen werden können, ist noch nicht bekannt.

Wie groß ist die Gefahr für eine Ansteckung bei uns in Deutschland?

Bisher gilt die Ansteckungsgefahr als sehr gering. Zum einen kommt die Haupt-Überträgermücke bei uns nicht vor. Zum anderen müsste sich eine Mücke erst einmal selbst an einem Zika-Patienten infizieren, bevor sie das Zika-Virus weiterverbreiten könnte – und bei uns gibt es bisher nur sehr wenige Fälle. Bei diesen handelte es sich meist um Reisende, die aus Brasilien oder Asien zurückkamen. Auch wenn eine Infektion bei uns theoretisch nicht ausgeschlossen ist, gilt das Risiko jedoch bisher als sehr gering.

Gelbfiebermücke (Aedes aegypti)
Das Zika-Virus wird durch die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen.

Wie macht sich eine Infektion mit dem Zika-Virus bemerkbar?

In der Regel merken wir davon gar nichts, denn die Infektion verläuft sehr häufig infektionslos. In rund 20 Prozent der Fälle treten milde, grippeähnliche Beschwerden auf, am häufigsten sind Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber. Diese Symptome beginnen etwa drei bis sieben Tage nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an.

Gravierende Verläufe mit Todesfolge sind bisher nur von Personen bekannt, die unter schweren Vorerkrankungen leiden. Es gibt aber Hinweise darauf, dass das Zika-Virus zumindest in Asien das Guillain-Barré Syndrom auslösen kann, eine akute Autoimmunerkrankung der Nerven. Ob allerdings auch die zurzeit in Mittel- und Südamerika grassierenden Virenstämme diesen Effekt haben, ist bisher noch unbekannt.

Wie gefährlich ist die Infektion für Schwangere?

Es gibt Hinweise darauf, dass eine Infektion mit dem Zika-Virus in der Schwangerschaft zu Fehlbildungen des Gehirns (pränatale Mikrozephalie) beim Ungeborenen führen kann. Dies scheint besonders dann der Fall zu sein, wenn sich die Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel infiziert hat. Die betroffenen Kinder werden mit einem besonders kleinen Kopf geboren. Folgen können geistige Behinderung und andere schwerwiegende neurologische Störungen sein.

Das Auswärtige Amt und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) empfiehlt daher Schwangeren und Frauen, die schwanger werden wollen, auf Reisen in Zikavirus-Ausbruchsgebiete zu verzichten. Denn bisher kann nicht ausgeschlossen werden, dass es bei einer Infektion zu frühkindlichen Fehlbildungen kommt. Es gibt aber bisher keinerlei Hinweise darauf, dass eine vor der Schwangerschaft überstandene Zikavirus-Infektion ein Risiko für spätere Schwangerschaften bedeutet.

Wie kann man sich schützen?

Einen Impfstoff oder eine Therapie gegen das Zika-Virus gibt es bisher nicht. Der bisher einzige und wirksamste Schutz ist es daher, in den Ausbruchsgebieten einen Mückenstich zu vermeiden. Wer in einem tropischen Land unterwegs ist, sollte sich daher durch Insektenschutzmittel und lange Kleidung gegen Stechmücken schützen. Sind die Zimmer nicht klimatisiert oder durch Fensternetze gegen Mücken geschützt, empfiehlt es sich, unter einem Moskitonetz zu schlafen.

Wann sollte man sich untersuchen lassen?

Zeigt man auch mehr als eine Woche nach einer möglichen Infektion keine Symptome, dann ist eine Untersuchung in der Regel nicht nötig – es sei denn, es handelt sich um schwangere Frauen und ihre Partner. Treten – beispielsweise nach Rückkehr aus einem tropischen Land – grippeähnliche Symptome auf, dann kann es sinnvoll sein, zum Arzt zu gehen. Er kann dann anhand von Blut- oder Urinproben prüfen, ob es sich um eine Infektion mit dem Zika-Virus handelt.

Mehr Informationen zum Zika-Virus beim Robert-Koch Institut (RKI): http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Z/Zikaviren/Zikaviren.html

NPO / RKI, 10.03.2016
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