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Zehn Fakten zu Hurrikan "Florence"

Der US-Ostküste könnte der schwerste Wirbelsturm seit 30 Jahren bevorstehen: Heute oder morgen soll Hurrikan "Florence" auf das amerikanische Festland treffen - und extreme Regenfälle und heftige Sturmfluten mit sich bringen. Wie stark aber ist dieser Sturm genau? Wo ist er entstanden? Und warum ist er so gefährlich? Wir liefern die wichtigsten Fakten zu "Florence" - und Hurrikan-Wissen zum Mitreden.

Luftaufnahme des Hurrikans "Florence", Sep. 2018
Hurrikan "Florence" aus dem All von Bord der Raumstation ISS gesehen.
Die Situation weckt Erinnerungen an den Supersturm "Sandy" vor sechs Jahren: Auch damals war ein Hurrikan aus dem tropischen Atlantik nach Norden abgebogen und hatte die US-Ostküste mit Sturmfluten, Starkregen und heftigen Windböen überzogen - genauso, wie es nun wahrscheinlich Hurrikan "Florence" tun wird. "Florence" steuert seit Tagen direkt auf die Südostküste der USA zu und wird von Meteorologen als "extrem gefährlich" eingestuft. Schon jetzt befinden sich mehr als eine Millionen Menschen auf der Flucht vor diesem Wirbelsturm, der den Prognosen zufolge heute oder morgen das amerikanische Festland erreichen wird.

Wie stark ist "Florence"?

"Hurrikan "Florence" wird als sehr starker Hurrikan der Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern im Bereich der Bundesstaaten North und South Carolina auf das amerikanische Festland treffen", sagt der Meteorologe Matthias Habel von "Wetter Online". Auch eine Verstärkung des Sturms auf Kategorie 5 ist Experten zufolge nicht auszuschließen - damit wäre er dann vergleichbar mit dem verheerenden Hurrikan "Katrina", der im Jahr 2005 gewaltige Schäden in den US-Bundesstaaten Florida, Louisiana, Mississippi, Alabama und Georgia anrichtete.

Wann und wo ist "Florence" entstanden?

"Amerikanische Meteorologen beobachten die Entwicklung von "Florence" bereits seit dem 28. August, als über Westafrika eine Zone besonders hoher Gewitteraktivität entdeckt wurde. Aus dieser bildete sich vor der Küste Senegals ein Tiefdruckgebiet. Es zog weiter nach Westen und verstärkte sich bei den Kapverdischen Inseln zu einem tropischen Sturm", erklärt Habel. "Der Sturm erhielt am 1. September den Namen "Florence", intensivierte sich weiter und wurde am 4. September etwa 2.000 Kilometer westlich der Kapverden erstmals als Hurrikan klassifiziert."

Wie hat sich "Florence" danach entwickelt?

Nach seiner Klassifizierung als Hurrikan verstärkte "Florence" sich zunächst weiter und schwächte sich dann zwischenzeitlich ab. Nachdem er seine Windgeschwindigkeit mit rund 220 Kilometer pro Stunde fast verdoppelt hatte, stufte das US National Hurricane Center (NHC) den Sturm am 10. September in die Kategorie 4 ein. "In Böen wütet der Hurrikan derzeit mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 Stundenkilometern", sagt Habel.

Warum ist "Florence" so gefährlich?

Experten erwarten, dass es durch "Florence" zu extremen und anhaltenden Regenfällen, starken Winden und Sturmfluten mit mehr als zehn Meter hohen Wellen kommen wird. Demnach sind Stromausfälle, Überschwemmungen und erhebliche Schäden an der Infrastruktur zu befürchten. Aufgrund der drohenden Gefahr wurde in den betroffenen Bundesstaaten der Notstand ausgerufen und die Menschen zur Evakuierung aufgefordert.

Infografik der NOAA zum Hurrikan Florence (2018)
Voraussichtliche Zugbahn des Wirbelsturms "Florence". Für die rot gefärbten Küstengebiete gilt eine Hurrikanwarnung. Die Zeitangaben beziehen sich auf die Eastern Daylight Time, die der Mitteleuropäischen Sommerzeit sechs Stunden nachläuft.

Wie kommen Hurrikane zu ihren Namen?

"Die World Meteorological Organization legt die Namen fest", erklärt Habel. "Es gibt sechs Listen mit je 21 Namen. Pro Jahr kommt eine Liste zum Einsatz, sodass sich die Benennung der Stürme nach sechs Jahren wiederholt. Verursacht ein Hurrikan besonders schwere Schäden, so wird dessen Name aus der Liste gestrichen und durch einen neuen ersetzt. Gibt es in einem Jahr mehr als 21 Stürme, werden alle folgenden nach dem griechischen Alphabet mit Alpha, Beta, Gamma und so weiter benannt."

Wie entsteht ein Hurrikan?

Hurrikane entstehen über tropischen Meeren - und vor allem dann, wenn es sehr warm ist. Denn erst, wenn das Oberflächenwasser die 26-Grad-Marke knackt, verdunstet das Wasser und steigt als feuchte, warme Luft wie in einem Schornstein nach oben. Als Folge entsteht ein Tiefdruckgebiet, in das nun Luft aus allen Richtungen einwirbelt. Die sogenannte Corioliskraft - die ablenkende Kraft der Erdrotation - bewirkt, dass die Luftströme um das Zentrum des Tiefs herumkreisen. Auf diese Weise entsteht ein großflächiger Wirbel.

Wie schnell verlagert sich ein Hurrikan?

"Hurrikane sind gerade deshalb so gefährlich, weil sie sich nur sehr langsam verlagern", erklärt Habel. "Aufgrund ihres geringen Tempos haben sie sehr viel Zeit, ihre volle Stärke aufzubauen." Gleichzeitig führe die langsame Verlagerung dazu, dass die Stürme Orte in ihrer Zugbahn sehr lange mit hohen Windgeschwindigkeiten und enormen Regenmengen heimsuchen. "Man muss unbedingt zwischen der extrem langsamen Verlagerung und den extrem hohen Windgeschwindigkeiten im Hurrikan selbst unterscheiden", betont Habel.

Wann treten die meisten Hurrikane auf?

Tropische Wirbelstürme bilden sich im Atlantischen Ozean gewöhnlich zwischen Anfang Juni und Ende November. Dieser Zeitraum gilt daher offiziell als Hurrikan-Saison. "Anfangs ist die Sturmaktivität nur sehr schwach. Sie nimmt im August dann deutlich zu und erreicht ihren Höhepunkt Anfang bis Mitte September. Dann treten im Durchschnitt bis zu vier tropische Stürme auf, von denen statistisch gesehen zwei die Stärke eines Hurrikans erreichen", sagt Habel.

Drei tropische Wirbelstürme über dem Nordatalantik, Satellitenaufnahme von 9.9.2018
Bedrohliches Stelldichein über dem Nordatlantik: Hurrikan "Florence", tropischer Wirbelsturm "Isaac" und Hurrikan "Helene" (von links nach rechts) am 9. September 2018.

Sind derzeit noch weitere Tropenstürme unterwegs?

Neben "Florence" sind derzeit sechs weitere tropische Stürme unterwegs: Hurrikan "Helene" und Sturm "Isaac" bewegen sich über dem Atlantik. Über dem Pazifik wüten zudem die Stürme "Paul", "Olivia", "Barijat" sowie der Super-Taifun "Mangkhut". Er wird wahrscheinlich am Freitag über die nördlichste Insel der Philippinen ziehen und könnte noch schwerere Schäden anrichten als "Florence". In der betroffenen Region leben etwa drei Millionen Menschen.

Treten Hurrikane durch den Klimawandel häufiger auf?

"Dieser Eindruck täuscht", sagt Habel. "Auf Jahre mit vielen Hurrikanen folgen andere mit wenigen." Als erwiesen gilt allerdings, dass die Wirbelstürme durch den Klimawandel ihre Zugbahnen verändern und außerdem intensiver werden. Das bedeutet: Die Zahl der Hurrikane insgesamt nimmt durch die Erderwärmung zwar nicht zu - wohl aber die Zahl der sogenannten Superstürme der Kategorien 4 und 5.

DAL / Wetter Online, 13.09.2018
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