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WAHRIG HERKUNFTSWöRTERBUCH

Posse

derbkomisches Bühnenstück
zu Possen „lustiger Streich, Schelmenstreich“, im 16. Jh. possen (Plural) „lächerliche Dinge, komische Gebärden, lustiges Treiben“, urspr. „lustige, wasserspeiende Brunnenfiguren“, possenwerk „Figuren, Beiwerk als Zierrat“, daneben posse, bosse „Entwurf des Bildhauers, Zeichnung einer menschlichen Figur“, aus
frz.
ouvrage à bosse „bildhauerische erhabene Arbeit“, zu
frz.
bosse „Buckel, Beule, Anschwellung“
[Info]
Posse: Possen reißen
Im heutigen Deutsch verwendet man das Wort Posse meist abwertend für eine „derbe Komödie“, einen „Schwank“, und ganz besonders beliebt ist das Wort Provinzposse, das in übertragenem Gebrauch so viel bedeutet wie „lächerliche Handlungen von Menschen, die in der Provinz Führungspositionen bekleiden“. Die Redewendung Possen reißen (und das spätere Possen treiben) „Unsinn machen, scherzen“ bezieht sich aber auf das
frühnhd.
Wort Posse oder Bosse, und dies bezeichnet im Grunde eine „Scherzfigur (als Schmuck öffentlicher Brunnen)“. Der nicht sofort erschließbare Zusammenhang zwischen einer solchen Figur und dem Wort reißen erklärt sich wie folgt: Reißen stammt von dem Reißbrett, an dem diese Figuren entworfen wurden. Seit dem 16. Jh. ist die Wendung gebräuchlich, und auch der heute noch derbe Späße machende Possenreißer ist ein Kind jener Zeit.
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