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Willy Brandt

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Nach Kriegsende kehrte Brandt als Berichterstatter skandinavischer Zeitungen nach Deutschland zurück; 1947 war er norwegischer Presseattaché in Berlin. 1948 ließ er sich wieder einbürgern (formelle Namensänderung 1949), vertrat den SPD-Parteivorstand in Berlin. Weitere Stationen: 1950-1957 Mitglied des Westberliner Abgeordnetenhauses, dessen Präsident 1955 bis 1957; 1957-1966 Regierender Bürgermeister von Berlin (West); 1958-1962 Vorsitzender der Berliner SPD; 1964-1987 Parteivorsitzender, seit 1987 Ehrenvorsitzender der SPD; 1961 und 1965 nominierte ihn die SPD zum Kanzlerkandidaten bei den Bundestagswahlen; 1966-1969 Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler in der Regierung der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD im Kabinett Kurt Georg Kiesinger; 1969-1974 Bundeskanzler einer von SPD und FDP getragenen Koalitionsregierung; 1976-1992 Präsident der Sozialistischen Internationale; 1977-1979 Vorsitzender der Unabhängigen Kommission für internationale Entwicklungsfragen (Nord-Süd-Kommission).

In der Nachfolge Otto Suhrs (1955-1957) Regierender Bürgermeister von Berlin, setzte sich Brandt auf internationaler Ebene wirkungsvoll für die Freiheit der Westberliner und die Lebensfähigkeit der Stadt insbesondere nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 ein und erreichte 1963 das Passierscheinabkommen mit der DDR. Mit seiner von ihm als Außenminister vorsichtig eingeleiteten neuen Ostpolitik unter dem Motto "Wandel durch Annäherung" betrieb er im Rahmen der von ihm aktiv mitbeförderten Entspannungspolitik der Großmächte besonders die Verbesserung des Verhältnisses zu den östlichen Nachbarn (1967 diplomatische Beziehungen mit Rumänien, 1968 Wiederaufnahme der Beziehungen zu Jugoslawien).

Brandt und Stoph 1970, Erfurt.jpeg

Als Bundeskanzler intensivierte Brandt mit Unterstützung von Außenminister Walter Scheel (FDP) diese Ostpolitik (1970 Verträge mit der Sowjetunion und Polen, 1973 mit der Tschechoslowakei). Damit ermöglichte er den Abschluss des Berlin-Abkommens von 1971. Im Verhältnis zur DDR suchte Brandt ein "geregeltes Nebeneinander" herbeizuführen (1970 Treffen mit Ministerpräsident Willi Stoph in Erfurt und Kassel, 1972 Grundlagenvertrag). Für seine "Politik der Versöhnung zwischen alten Feindbildern" erhielt er 1971 als erster Deutscher nach dem 2. Weltkrieg den Friedensnobelpreis. Seine Entspannungspolitik ermöglichte das Zustandekommen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE, 1972-1974). Vorrangig außenpolitisch engagiert leitete Brandt auch mehrere gesellschaftspolitische Reformen ein, die von den Konservativen bekämpft, von der Linken als nicht ausreichend kritisiert wurden. Im Zuge der Terrorismusbekämpfung konterkarierte er mit dem Radikalenerlass gegen vermutete linke Verfassungsfeinde im öffentlichen Dienst seinen Anspruch, "mehr Demokratie zu wagen."

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