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Wie machen sich Astigmatismus, Grüner Star und CO bemerkbar?

Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit fällt es uns besonders auf, wenn mit unseren Augen etwas nicht stimmt. Sehen wir den Weihnachtsmarkt nur verschwommen oder sind die Ränder unseres Sehfelds dunkel, dann muss das nicht an zu viel Glühwein liegen – auch eine Sehstörung oder sogar eine ernste Augenkrankheit kann dahinter stecken. Wir zeigen ganz praktisch in Bildern, wie sich Astigmatismus, Grüner Star und andere Erkrankungen bemerkbar machen.

Auge einer jungen Frau
Die Ursachen von Sehstörungen sind genauso vielfältig wie die Symptome.

Manchmal wird das Bild einfach nur unscharf, bei anderen Sehstörungen fallen gleich ganze Bereiche unseres Sehfelds aus oder erscheinen wie von Nebel verhüllt. Zusammen mit dem Optiker Roshni Patel hat Lenstore Fotos so bearbeitet, dass sie uns einen Eindruck solcher Sehstörungen vermitteln. Wir erklären dazu, was genau Astigmatismus, Grüner und Grauer Star, Makuladegeneration, Netzhautablösung und Retinis pigmentosa ist und wie man diese Augenkrankheiten bemerkt.

Interaktiv können Sie die Symptome anhand verschiedener Fotomotive auch auf dieser Website erkunden.

Astigmatismus

Schilder in der Ferne zu lesen kann für Menschen mit Astigmatismus besonders schwierig sein. Dies wird bei Dunkelheit nochmals erschwert, und Lichter und Halo Effekte können besonders blendend wirken. Astigmatismus ist eine häufige Form der Fehlsichtigkeit, die zu unscharfer und oftmals verzerrter Sicht führt. Menschen mit unbehandeltem Astigmatismus neigen oft dazu, zu blinzeln, um Gegenstände in den Fokus zu rücken, was zu Kopfschmerzen führen kann. Allerdings kann Astigmatismus durch Brillen oder torische Kontaktlinsen leicht korrigiert werden

Astigmatismus wird durch eine Verkrümmung der Augenhornhaut (Hornhautverkrümmung) oder Augenlinse verursacht.  Astigmatismus kann genetisch bedingt sein und fast alle von uns haben eine leichte Form an Astigmatismus, was völlig normal ist. Neugeborene neigen zu einem sehr hohen Maß an Astigmatismus, der sich aber im Laufe ihres Wachstums neutralisiert. Es wird empfohlen, übermäßiges Reiben der Augen zu vermeiden, da dies die Hornhaut reizen und die benötigte Sehstärke ihrer Brille oder Kontaktlinsen beeinflussen kann.

Visualisierung eine Seheindrucks mit und ohne Astigmatismus
Bei Astigmatismus führt eine Hornhautverkrümmung zu unscharfem Sehen (Bild rechts).

Grüner Star

Der grüne Star, medizinisch auch Glaukom genannt, ist eine Augenkrankheit, bei der der Sehnerv, der das Auge mit dem Gehirn verbindet, geschädigt wird. Ein Glaukom entwickelt sich nur langsam über einen längeren Zeitraum und führt zur Einengung des Gesichtsfeldes von außen. Wenn die Erkrankung nicht frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird, kann es zu einer dauerhaften Einschränkung des Sehvermögens und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Glaukom ist eine häufige Erkrankung, die etwa 2 Prozent der Bevölkerung über 40 Jahre betrifft. Diabetiker haben eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, an Glaukom zu erkranken.

Die Erkrankung an grünem Star ist genetisch bedingt, steht aber auch in Verbindung mit anderen Risikofaktoren. Leider kann primäres Glaukom nicht verhindert werden, aber mit regelmäßigen Augenuntersuchungen ist es möglich, den Zustand frühzeitig zu erkennen. Ein frühzeitiges Eingreifen kann dabei helfen, das Fortschreiten der Erkrankung soweit es geht zu verlangsamen.

Sekundäres Glaukom kann aufgrund von Traumata wie Augenverletzungen oder Steroidkonsum verursacht werden. Wenn Sie einen gefährlichen Beruf (z.B. auf einer Baustelle) ausüben, ist es wichtig, die richtige Schutzbrille zu tragen.

Es gibt keine Heilung für Glaukom, aber die Erkrankung kann mit medizinischen Tropfen behandelt und kontrolliert werden. Diese Tropfen helfen, den Augendruck zu reduzieren und damit das Fortschreiten der Schädigung des Sehnervs zu verlangsamen.

Visualisierung eine Seheindrucks mit Glaukom
Bei einem Glaukom führen Schäden am Sehnerv zu einer fortschreitenden Einengung des Gesichtsfeldes von außen. Den Betroffenen kommt es vor, als sei ein Teil des Blickfelds ausradiert.

Grauer Star

Der Graue Star beeinflusst die Farbwahrnehmung, verursacht trübes Sehen (wie beim Blick durch ein schmutziges Fenster) und kann unsere Kontrastempfindlichkeit stark reduzieren. Blendungen werden häufig zum Problem, sodass das Fahren bei Regen sehr schwerfallen kann. Auch das Lesen einer Zeitung wird beispielsweise schwieriger. Somit erschwert grauer Star die Lösung täglicher Aufgaben erheblich.

Der graue Star oder Katarakt tritt sehr häufig auf und betrifft vor allem ältere Menschen. Der Katarakt wird durch eine Trübung der Linse verursacht, sodass der Seheindruck verschleiert und grau wirkt. Katarakt ist so weit verbreitet, dass im Alter von 65 Jahren fast alle von uns irgendeine Form dieser Augenerkrankung haben werden.

Katarakte tritt in der Regel bei jedem auf, da es ein normaler Teil des Alterungsprozesses des Auges ist. Jedoch kann beispielsweise auch der Konsum von Steroiden grauen Star verursachen. Manchmal kann grauer Start allerdings auch angeboren sein. Menschen, die Küstenjobs ausüben oder viel Zeit am Meer verbringt, können schon in frühem Alter an Katarakt erkranken. Die Nutzung von Gläsern mit UV-Schutz und das Nicht-Rauchen kann dazu beitragen, dass sich das Auftreten der Krankheit nach hinten verschiebt. Eine gute Ernährung ist auch wichtig, da Fettleibigkeit zu Diabetes führen kann und Diabetiker aufgrund von Stoffwechselveränderungen ein höheres Risiko für Katarakte haben.

Früher Katarakt kann durch das Tragen einer Brille oder Kontaktlinsen einfach korrigiert werden. Wenn der graue Star jedoch den Lebensstil erheblich beeinflusst und das Sehvermögen trotz Brillen und Kontaktlinsen nicht ausreichend ist, ist die Operation die einzige Option. Die Kataraktoperation gilt als Routineoperation und dauert ca. 30 Minuten. Hierbei wird die alte Linse entfernt und durch eine neue ersetzt.

Visualisierung eine Seheindrucks mit Katarakt
Der Graue Star wird durch eine Trübung der Linse verursacht, so dass der Seheindruck verschleiert erscheint und die Farbwahrnehmung beeinträchtigt wird.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Die AMD ist eine Augenerkrankung, bei der die Sehfähigkeit im Zentrum des Gesichtsfeldes teilweise oder gänzlich verloren geht. Die Makula - auch gelber Fleck genannt - befindet sich in der Mitte der Netzhaut und ist für die scharfe Abbildung von allem, was das Auge fixiert, und das Farbsehen zuständig.

Eine AMD wird durch die Schädigung von Sehzellen in diesem Bereich verursacht und kann zu unscharfer Sicht, getrübten Farben und Schwierigkeiten bei der Erkennung von Gesichtern führen. Bei fortgeschrittenem Stadium der AMD bildet sich ein schwarzer Fleck im Zentrum des Gesichtsfeldes - am äußeren Rand bleibt die Sicht jedoch erhalten.  Da diese Augenerkrankung das zentrale Sehen betrifft, wird es schwer, ein Buch zu lesen oder eine Einkaufsliste. Auch das Erkennen von Gesichtern auf der Straße ist für Betroffene oft kaum mehr möglich. AMD beeinflusst viele Tätigkeiten, die wir im Alltag für selbstverständlich halten.

Derzeit sind 170 Millionen Menschen weltweit von AMD betroffen, womit diese Krankheit eine der häufigsten Ursachen für Blindheit in der Welt ist. Das Risiko reduzieren kann man durch das Nicht-Rauchen, das Tragen von Brillen mit UV-Schutz und die Zunahme von Lebensmittelgruppen mit hohem Gehalt an Antioxidantien, Blattgemüse, Lutein und Fettsäuren sowie die frühzeitige Kontrolle des Cholesterinspiegels.  Heilen lässt sich die Makuladegeneration zwar nicht, man kann aber das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.

Visualisierung einer durch AMD verursachten Sehfeldeinschränkung
Bei der Altersbedingten Makuladegeneration geht die Sehfähigkeit im Zentrum des Gesichtsfeldes teilweise oder gänzlich verloren.

Netzhautablösung

Die Netzhautablösung ist eine seltene Erkrankung, bei der sich die Netzhaut vom retinalen Pigmentepithel, die die Netzhaut mit Nährstoffen versorgt, ablöst. Netzhautablösungen betreffen im Durchschnitt 1:10.000 Menschen pro Jahr, dies kann in den Altersgruppen über 60 Jahren zunehmen.

Zu den Symptomen gehören: Lichtblitze, schwarze Punkte, ein dunkler Schatten und verschwommene Sicht. Wenn eine Netzhautablösung nicht behandelt wird, kann das betroffene Auge erblinden. Falls diese Symptome auftreten, ist das Aufsuchen eines Augenarztes dringend empfohlen.

Wenn sich die Netzhaut löst, kann sie wie ein Vorhang über dem Blickfeld liegen. Ohne Behandlung beginnen die Fotorezeptoren in diesem Teil der Netzhaut abzusterben und können einen dauerhaften Sehverlust in diesem Bereich verursachen. Dies kann eine große oder kleinere Verlustfläche betreffen, abhängig von der Größe der Ablösung. Dieser permanente „blinde Fleck“ kann beispielsweise beim Überqueren von Straßen zu Problemen führen, da alles, was in diesem Bereich liegt (ein Auto oder eine andere Person), nicht sichtbar ist.

Lichtblitze, schwarze Punkte, ein dunkler Schatten und verschwommene Sicht gehören zu den gängigen Symptomen. Man kann außerdem auf der Rückseite des Auges keinen Schmerz spüren und Lichtblitze (verursacht durch das Gelee im Auge, das an der Netzhaut zieht) weisen auf die Erkrankung hin. Je früher eine Netzhautablösung, ein Loch oder Riss in der Netzhaut behandelt wird, desto besser sind die Chancen, die Fotorezeptoren zu retten und den dauerhaften Sehverlust zu reduzieren.

Visualisierung eines Gesichtsfeldausfalls infolge einer Netzhautablösung
Zu den möglichen Symptomen einer Netzhautablösung zählt neben Blitzen und sich bewegenden schwarzen Punkten oder Flocken auch ein Gesichtsfeldausfall, bei dem das Sehvermögen in bestimmten Arealen komplett verloren geht.

Retinitis Pigmentosa (RP)

Die Retinitis Pigmentosa ist eine seltene, erbliche Augenkrankheit, bei der die Zellen der Netzhaut langsam absterben und dadurch die in der Netzhaut liegenden Fotorezeptoren zerstört werden. Die Wahrscheinlichkeit, an RP zu erkranken, liegt zwischen 1:3.000 und 1:7000. Zu den Symptomen gehören Nachtblindheit und der Verlust des peripheren Gesichtsfeldes.

RP kann einen starken Tunnelblick verursachen und zu Nachtblindheit führen. Für Menschen mit Retinitis Pigmentosa ist das Autofahren nicht möglich. Es besteht außerdem das Risiko einer angeschwollenen Makula, was wiederum die zentrale Sicht beeinträchtigt. Auch die Fähigkeit, Farben wahrzunehmen, kann beeinflusst werden. Regelmäßige Augenuntersuchungen, insbesondere wenn jemand in der Familie an dieser Erkrankung leidet, sind besonders wichtig.

Visualisierung eine Seheindrucks mit Retinitis Pigmentosa
Zu den Symptomen der Retinitis Pigmentosa gehören Nachtblindheit und der schleichende Verlust des peripheren Gesichtsfeldes, bis nur noch ein kleiner zentraler Sehrest übrig bleibt.

Lenstore, 09.12.2019
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