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Wie funktioniert ein Hörgerät?

In Deutschland leiden mehr als 15 Millionen Menschen unter Schwerhörigkeit. Um die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern, gibt es viele Hörgerätevarianten, die das Hörvermögen verbessern. Doch warum ist das Hörvermögen beeinträchtigt?

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte auf Handfläche
Moderne Hörgeräte sind sehr klein und unauffällig. Einige Modelle sind kaum noch von außen wahrnehmbar.

Bei einem gesunden Ohr gelangen die Schallwellen über den äußeren Teil des Gehörgangs bis zum Trommelfell und lassen dieses schwingen. Dadurch bewegen sich im Mittelohr die Gehörknöchelchen und ein komplexer Prozess macht daraus einen Höreindruck. Die häufigste Ursache für Schwerhörigkeit liegt im Innenohr. Die Betroffenen haben eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Häufig handelt es sich um Presbyakusis, die Altersschwerhörigkeit. Nicht immer aber ist es das Alter, das zu einer Schwerhörigkeit führt. In manchen Fällen ist die Schallübertragung gestört. Dann liegt eine Schallleitungsschwerhörigkeit vor. Das ist der Fall beispielweise bei angeborenen Ohrfehlbildungen, chronischer Ohrentzündung oder ständiger Ohrsekretion.

Kleinkinderpaar auf einem Spielplatz
Wenn bei Kindern die Schwerhörigkeit nicht behandelt wird, kann dies zu Problemen in der weiteren Entwicklung, insbesondere bei der Sprachentwicklung, führen.
Warum ist ein Hörgerät notwendig?

Für Erwachsene ist die Schwerhörigkeit lästig und wird als störend empfunden. Bei Kindern kann die Schwerhörigkeit zu Entwicklungsverzögerungen und -beeinträchtigungen kommen. Für sie sind ganz spezielle Hörsysteme notwendig, die ein Pädakustiker mit Sonderausbildung anpasst und betreut. Sonst lernen die Kinder nicht sprechen und finden sich in der Umwelt nur schwer zurecht.

Hörgeräte sind eine große Hilfe, wenn der Hörverlust mittel bis stark ist und im Bereich von 30 bis 90 Dezibel liegt. Ist das Hörvermögen schlechter, gibt es andere Möglichkeiten, wie beispielsweise das Cochlea-Implantat. Es stimuliert den Hörnerv direkt. Wie stark jemand von seinem Hörverlust tatsächlich beeinträchtigt ist, ist sehr verschieden. Denn „jeder Betroffene nimmt seinen Hörverlust auf eine andere Art und Weise wahr“, erklären die Experten von Geers.

Welches Funktionsprinzip haben Hörgeräte?

Heute kommen fast ausschließlich moderne, digitale Hörgeräte zum Einsatz. Sie haben ein Mikrofon, einen Prozessor und einen Lautsprecher. Mit dem Mikrofon nimmt das Gerät die Schallwellen auf und übersetzt sie in digitale Signale. Der Prozessor verarbeitet das Signal, verstärkt es und wandelt es wieder in Schallwellen um, die schließlich dem Träger über einen Lautsprecher einen Höreindruck vermitteln.

Welches Hörgerät bei Schallempfindungsstörungen?

Wer unter Schallempfindungsstörungen leidet, erhält in der Regel ein Luftleitungshörgerät. Dieses leitet das verarbeitete und verstärkte Signal über den Gehörgang zum Trommelfell. Hier ist es wichtig, dass Trommelfell und Gehörknöchelchen noch einwandfrei funktionieren. Dabei lassen sich mehrere Systeme unterscheiden:

  • HdO-Geräte

Dabei handelt es sich um Hinter-dem-Ohr-Geräte die Batterie, Mikrofon und Prozessor in einem kleinen Bauteil haben, dass der Betroffene hinter der Ohrmuschel trägt. Von dort leitet ein dünner Plastikschlauch die Schallwellen in den Gehörgang. Statt des Schlauches haben einige Geräte auch ein feines Kabel. Dieses überträgt die empfangenen Signale an einen sogenannten externen Hörer. Das ist ein kleines Gerät, das sich im Gehörgang befindet und die Schallwellen an das Trommelfell überträgt. Durch ausgereifte Technik lassen sich Rückkopplungen vermeiden.

Bei einer sehr hohen Verstärkung ist ein individuelles Ohrpassstück notwendig. Diese sogenannte Otoplastik verschließt den Gehörgang vollständig. Viele empfinden den Verschluss des Gehörgangs als unangenehm, denn es entsteht ein Okklusionseffekt. Dieser hat zur Folge, dass sich die eigene Stimme und die Körpergeräusche anders und lauter anhören. Eine Belüftungsbohrung, die am Ohrpassstück vorgenommen werden kann, schafft hier Abhilfe.

  • IO-Geräte

Im-Ohr-Geräte befinden sich vollständig im Gehörgang. Das gesamte Hörgerät befindet sich im Gehörgang oder in der Ohrmuschel. Die Geräte sind leichter und wesentlich unauffälliger. Auch hier kann es, bei unzureichender Belüftungsmöglichkeit zu einem Okklusionseffekt kommen. Für Kinder kommen diese Hörgeräte nicht infrage. Zum einen sind Ohr und Gehörgang noch zu klein und zum anderen wachsen sie noch. Dafür werden Erwachsene mit einer immer ausgefeilteren Technik beglückt, wie etwa der Möglichkeit, mit einem Im-Ohr-Hörgerät nicht nur besser zu hören, sondern auch zu telefonieren oder Musik zu hören.

Welches Hörgerät bei einer Schallleitungsstörung?

Betroffene, die unter einer Schallleitungsstörung leiden, die nicht therapierbar ist, brauchen oft knochenverankerte Hörgeräte. Die Verarbeitung der Schallsignale erfolgt wie bei anderen Hörgeräten auch. Sie gelangen über einen Knochenhörer, der sich auf der Haut hinter dem Ohr über dem Schädelknochen befindet, ins Ohr. Mithilfe dieses kleinen Umwegs gelangen die Schallsignale zum Innenohr. Kinder unter zwei Jahren haben dünnere Haut. Bei ihnen funktionieren diese Hörgeräte sehr gut. Häufig ist das Hörgerät mit einer Brille oder einem Stirnband befestigt.

Für Erwachsene ist das keine Option, da der Knochenhörer fester aufliegen muss. Hier kommt es sehr häufig zu Druckstellen. Um dies zu vermeiden, sind knochenverankerte Hörgeräte eine Lösung. Dafür ist allerdings eine Operation notwendig. Über einen kleinen Hautschnitt verankert ein Chirurg eine drei bis vier Millimeter lange Titanschraube mit dem Knochen hinter dem Ohr. Daran kommt ein sogenannter perkutaner Pfeiler oder Abutment. Dieser spezielle Aufsatz ragt ein wenig aus der Haut und verbindet den Knochenhörer des Hörgeräts mithilfe eines Schnappverschlusses.

Implantierbare Hörgeräte als Alternative

Wenn lediglich die Schallleitung gestört ist, können implantierbare Hörgeräte eine Alternative sein. Auch bei einer Schwerhörigkeit, wenn Schallleitung und Schallempfindung betroffen sind, sind sie eine Möglichkeit, das Hörvermögen wieder zu verbessern. Diese Hörgeräte machen aus den eingehenden Schallsignalen mechanische Bewegungen. Je nach Gerätetyp setzen sie direkt am Trommelfell, im Innenohr oder an den Gehörknöchelchen an. Dabei gibt es vollimplantierbare und teilimplantierbare Geräte. Letztere haben Mikrofon, Batterie und Prozessor in einem externen Geräteteil, das sich hinter dem Ohr befindet. Das ist der sogenannte Audioprozessor. Die vollimplantierbaren Geräte haben den großen Vorteil, dass sie von außen nicht zu sehen sind und den Gehörgang freilassen. Für beide Geräte ist eine relativ aufwendige Operation notwendig.

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