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Wie der Barcode unseren Alltag eroberte

Er ist heute kaum mehr wegzudenken: Der Strichcode mit seinen schwarz-weißen Streifen prangt heute auf nahezu allen Produkten. Dank seiner müssen Waren an der Kasse nur noch über den Scanner gezogen werden, ein Eintippen des Preises ist nur noch selten nötig. Doch wer hat den Barcode erfunden? Und wie kam es dazu, dass er sich nahezu weltweit ausgebreitet hat? Den Anfang nahm das Ganze im Jahr 1949.

Logistiker mit Barcode-Scanner
Strichcodes sind allgegenwärtig - kaum ein Artikel kommt ohne sie aus.
Dem typischen Strichmuster des Barcodes begegnen wir heute auf unzähligen Waren und Produkten: Im Supermarkt hat er die alten Preisetiketten abgelöst, er ist auf Bücher, Zeitungen und DVDs aufgedruckt und hilft Versandunternehmen bei der Zuordnung ihrer Pakete. In Arztpraxen, im Krankenhaus und in medizinischen Laboren kennzeichnen Barcodes die Blutproben von Patienten, in Fabriken werden so Bauteile automatisch sortiert und auseinandergehalten.

Das Praktische daran: Die Abfolge der weiße und schwarzen Balken im Strichcode kodieren in genormter Form Informationen über das Produkt, die Herkunft, den Patienten oder andere zur Identifizierung wichtige Daten. Je nach Branche und Anwendungszweck existieren dabei verschiedene Normen, die sicherstellen, dass der Code in seinem Wirkungsbereich allgemein auslesbar und decodierbar ist.

Linien im Sand

Doch wie kam es dazu? Den Anfang machte im Jahr 1948 die Klage eines Supermarktbesitzers: Bei einer Tagung fragte dieser einen der Leiter des Drexel Institute of Technology in Philadelphia, ob die Forscher nicht mal etwas erfinden könnten, um das Kassieren zu beschleunigen. Könnte man dafür nicht eine automatische Lösung finden? Diese Bitte erzählte der Drexel-Mitarbeiter Bernard Silver wenig später dem Ingenieur und Erfinder Joe Woodland, der darauf begann, über eine Lösung nachzugrübeln.

Wie Woodland erzählt, kam ihm die entscheidende Idee, als er im Januar 1949 am Strand von Miami Beach im Sand saß.  Beim Nachdenken über automatisierte Kennungen fiel ihm der Morsecode ein: "Ich erinnere mich, dass ich über Punkte und Striche nachdachte, während ich mit meinen Fingern im Sand herumspielte", erzählte er später. "Aus irgendeinem Grund zog ich dabei meine Hand zu mir heran und die Finger hinterließen vier gerade Linien im Sand."

Die Linien im Sand brachten Woodland darauf, dass man Abfolgen von dünnen und dicken Linien nutzen könnte, um Zahlenabfolgen zu kodieren – und diese wiederum könnte für Produkt- und Preisinformationen stehen. Zurück in Philadelphia arbeitete Woodland gemeinsam mit Silver die Idee zu diesem Strichcode aus. Sie entwickeln einmal eine Variante, bei dem ein rechteckiges, gerades Linienfeld als Barcode dient und eine Variante, bei der die Linien zu konzentrischen Kreisen gebogen sind.

Erste Seite des Patentantrags von 1949 - mit einem "Bull's Eye Barcode".
Der Barcode wird patentiert

Am 20. Oktober 1949 reichten Woodland und Silver das Patent für diesen Code ein, zusammen mit einer ersten Beschreibung, wie ein Lesegerät für diesen Code aussehen könnte. Damals allerdings gab es noch keine Laser, sodass zum Lesen der Strichcodes ein Oszilloskop mit einer 500-Watt-Lampe dienen musste – das ganze Lesegerät war so groß wie ein Schreibtisch. Dennoch: Im Jahr 1952 erteilte ihnen das US-Patentamt das Patent für ihren Barcode. Der Strichcode ist geboren.

Das Problem jedoch: Ohne praktisch einsetzbares Lesegerät ist der Barcode auch für Supermärkte quasi nutzlos. 20 Jahre lang blieben der Strichcode und die Idee eines automatisierten Kassierens daher in der Schublade liegen.

Das jedoch änderte sich, nachdem in den 1960er Jahren die ersten Laser entwickelt wurden. Bei der Suche nach möglichen Anwendungsfeldern stieß ein Forscherteam der Radio Corporation of America (RCA) auf das Patent des Strichcodes. Ausgehend von der kreisförmigen Variante des Barcodes entwickelte das Team ein Lesegerät, das am 3. Juli 1972 erstmals in einem Supermarkt in Cincinnati getestet wurde – mit Erfolg.

Vom Supermarkt zum Universalcode

Allerdings hatten diese Barcode-Etiketten ein großes Manko: Sie waren nur für die Kassen in diesem einen Supermarkt verständlich, nicht für andere. Daher wurde ein Komitee gegründet, das mithilfe einer Ausschreibung einen Universellen Produktidentifizierung-Code entwickeln sollte. Acht Unternehmen reichten Vorschläge ein, darunter auch IBM.

Deren Vorschlag umfasste die rechteckige, heute allgemein bekannte rechteckige Variante des Barcodes, bei dem unterhalb oder oberhalb der Striche zusätzlich Zahlen die Daten kodierten. Das machte es möglich, den Code auch manuell in Kassen einzugeben. IBM entwickelte zudem einen neuen Laserscanner, der das Ablesen dieses Codes möglichst fehlerfrei erlauben sollte.

Im März 1973 wurde das neue Strichcode-System in einem New Yorker Hotel erstmals getestet und vom Komitee für machbar befunden. Schon im Jahr darauf wurde der Barcode von ersten Supermarktketten in den USA eingesetzt. 1976 wurde ein leicht abgewandelter Strichcode auch in Europa eingeführt – der Siegeszug des Barcodes hatte begonnen.

NPO, 17.10.2019
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