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Wer sind die typischen Nutzer von Instagramm, Facebook und Co?

Jünger, weiblich und eher extrovertiert: Dies sind Forschern zufolge die Merkmale von typischen Vielnutzern sozialer Medien wie Facebook, Instagram und WhatApp. Dabei liegen Instagram und WhatsApp bei den jüngeren Nutzerinnen und Nutzern eher im Trend als Facebook, wie die Studie ergab. Die meisten nutzen zudem nicht nur eine dieser Plattformen, sondern alle drei oder zumindest zwei davon parallel.

Symbolbild Social Media
Welche Persönlichkeitsmerkmale eint die Nutzer der verschiedenen Social-Media-Plattformen?

Rund 2,7 Milliarden Menschen weltweit sind zurzeit allein auf den drei zum Facebook-Konzern gehörenden Social-Media-Plattformen Facebook, WhatsApp, and Instagram aktiv. Die meisten dieser Nutzer verwenden dabei mehr als nur eines dieser sozialen Medien, um Bilder zu posten, mit Freunden zu chatten oder von ihren Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten.

Gibt es eine typische Social-Media -Persönlichkeit?

Wer genau sind diese Menschen sind und welche Persönlichkeitsmerkmale sie eint, haben nun Wissenschaftler um Christian Montag von der Universität Ulm für deutsche Nutzerinnen und Nutzer näher untersucht. Dafür werteten sie Online-Fragebögen aus, die rund 3.000 Smartphonebesitzerinnen und -besitzer im Rahmen der Studie ausgefüllt hatten. Alle Teilnehmer wurden zu ihrer Nutzung der drei Plattformen befragt, aber auch um Angaben zu Alter, Geschlecht und Bildungsniveau.

Außerdem beantworteten alle Teilnehmer eine Reihe standardisierter Fragen, die Rückschluss auf grundlegende Persönlichkeitsmerkmale erlauben. Zu diesen "Big Five" gehören gängiger Klassifizierung nach die emotionale Labilität und Ängstlichkeit (Neurotizismus), das Ausmaß von Geselligkeit und Optimismus (Extraversion), die Offenheit für neue Erfahrungen, die Verträglichkeit und Kooperationsbereitschaft sowie die Gewissenhaftigkeit.

Infografik
Zusammenhang zwischen den verschiedenen Facebook-Plattformen und dem Geschlecht der Nutzer.

Weiblich, jung und auf mehreren Plattformen aktiv

Die Auswertungen ergaben: Auf nahezu allen Social-Media-Plattformen hatten Frauen die Nase vorn. Sowohl bei den einzelnen Kanälen wie auch bei allen zusammen gab es mehr Nutzerinnen als Nutzer. Sowohl bei Männern wie Frauen hat der Messenger-Dienst WhatsApp die größte Reichweite – 92 Prozent benutzen ihn. Facebook und Instagram folgen erst mit einigem Abstand, sie werden von rund der Hälfte beziehungsweise gut 43 Prozent genutzt.

Die Studie bestätigte zudem, dass Menschen, die mehrere dieser sozialen Medien nutzen, im Schnitt eher jünger sind. Mit knapp 26 Jahren Durchschnittsalter am jüngsten ist die Teilnehmergruppe, die gleichzeitig Instagram und WhatsApp nutzt. "Insgesamt stützen unsere Ergebnisse die Annahme, dass Instagram vor allem die jüngere Nutzergeneration anzieht", erklärt Montag. Diejenigen, die dagegen nur den Messenger-Dienst allein nutzen, sind mit im Schnitt 42 Jahren deutlich älter. Auch die Kombination WhatsApp und Facebook ist mit einem Durchschnittalter von 38 Jahren offenbar eher eine Domäne der Älteren.

Immerhin rund ein Drittel der Teilnehmer ist aber auf allen drei Plattformen aktiv. "Dies entspricht eher der Lebenswirklichkeit der Userinnen und User. Wir konnten zeigen, dass sie oft mehrere Social-Media-Kanäle nutzen, wenn auch in unterschiedlicher Kombination", berichtet Davide Marengo von der Universität Turin.

Infografik
Unterschiede in Persönlichkeitsmerkmalen der „Big Five“ je nach Muster der Nutzung sozialer Medien.

Emotional labiler und weniger diszipliniert

Aber wie hängt die Nutzung dieser sozialen Medien mit den Persönlichkeits-Merkmalen zusammen? Hier waren die Ergebnisse je nach Merkmal unterschiedlich. Relativ augenscheinlich und leicht zu erklären ist die Tatsache, dass die Menschen, die überhaupt auf sozialen Medien aktiv sind tendenziell extrovertierter sind als die Nichtnutzer. Denn wer eher gesellig veranlagt ist und gern auf andere Menschen zugeht, teilt sich auch eher über solche Plattformen mit. Innerhalb der verschiedenen Social-Media-Kanäle gab es in dieser Hinsicht aber keine weiteren Unterschiede. In der Offenheit und Verträglichkeit konnten die Wissenschaftler überhaupt keine auffallenden Übereinstimmungen oder Trends feststellen.

Dafür gab es bei der emotionalen Labilität und der Gewissenhaftigkeit einige Unterschiede: "Wir stellten fest, dass der Neurotizismus, das heißt die emotionale Labilität, bei Personen, die alle Plattformen oder nur WhatsApp und Instagram nutzen, signifikant ausgeprägter war als bei Personen, die keine Plattform oder nur WhatsApp verwenden“, berichtet Marengo.

Einen ähnlichen, aber umgekehrten Trend gab es bei der Gewissenhaftigkeit: Personen, die auf allen drei Plattformen oder vorwiegend in der Kombination WhatsApp/Instagram aktiv sind, waren im Schnitt etwas weniger diszipliniert und gewissenhaft. "Insoweit stimmen diese Ergebnisse mit früheren Studien über die ,Big Five‘-Persönlichkeitsmerkmale und die Verwendung spezifischer Social-Media-Plattformen überein", sagt Montag.

Was sagt uns das?

Zusammengenommen bestätigt sich damit, dass Menschen, die auf mehreren Social-Media-Plattformen aktiv sind, eher jünger, weiblich und extrovertierter sind – das ist weniger verwunderlich. Die Tatsache, dass die Nutzer von Instagram tendenziell jünger sind, könnte möglicherweise erklären, warum gerade diese Nutzergruppe auch emotional ein wenig labiler und auch weniger gewissenhaft sind – sie sind eben noch in einem Alter, für die dies typisch ist.

"Wir sind aber auch davon überzeugt, dass unsere Ergebnisse dabei helfen können, zu verstehen, welche Bevölkerungsgruppen möglicherweise besonders anfällig für die Effekte von Fake-News oder Filterblasen zu sein scheinen, die vor allen Dingen durch Social Media befeuert werden", sagt Montag.

Universität Ulm / NPO, 04.06.2020
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