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Wenn es Denkmäler hagelt ...

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Kirsch: Das wurde damit gerechtfertigt, dass die DDR ein undemokratisches Regime mit verordneten Geschichtsbildern gewesen war und dass speziell Lenin nicht mehr in den öffentlichen Raum gehöre. Aber letztlich kann man ähnliches bei jeder Systemtransformation beobachten: Wenn ein Staat aufhört zu existieren, dann wird die symbolische Ordnung umgekehrt. Die Zeichen, die es bisher im öffentlichen Raum gab, werden in irgendeiner Weise abgeräumt oder werden, wenn sie nicht abgeräumt werden, zumindest unverständlich. Vieles, was aus der DDR-Zeit noch steht oder was es auch aus der NS-Zeit noch gibt, kann man heute gar nicht mehr so dekodieren wie zur Entstehungszeit, weil der symbolische Verwendungszusammenhang und die Geschichtskultur, die zur Entstehung geführt haben, nicht mehr existieren.

wissen.de: Die Zeit als natürliches Abrissunternehmen ...

Kirsch: Wenn man so will, ja. Und zu Ihrer Frage nach einem neuen Nationalbewusstsein: Der Entstehungsgrund dieser Denkmäler ist in der Tat, dass sich Deutschland als Nation neu konstituiert hat. Nach der deutschen Einheit und auch mit dem Hauptstadtumzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin ist überhaupt erst die Notwendigkeit entstanden, die Hauptstadt als solche mit Denkmälern zu markieren. Vorher, in Bonn, gab es ja nie eine Form von Nationaldenkmal.

wissen.de: Das hätte ja auch zu Bonn irgendwie nicht gepasst.

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von Ariane Greiner, Berlin
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