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Was wann geschah - Chronik des Mauerfalls

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Aber wie kam es eigentlich dazu? Und was passierte in den Wochen und Monaten davor? Wir haben eine kleine Chronik der wichtigsten Ereignisse im Jahr 1989 zusammengestellt.

5. Februar 1989: Der letzte Mauertote

Am Abend des 5. Februar versuchen zwei junge DDR-Bürger, über den Teltowkanal nach Westberlin zu gelangen. Der 20-jährige Chris Gueffroy möchte so dem Wehrdienst zu entgehen, sein Freund, der 21-jährige Christian G. hat ebenfalls die Nase voll von der Unfreiheit im Osten. Weil zu dieser Zeit der schwedische Ministerpräsident zu Gast in Ost-Berlin sein soll, hoffen sie, dass die Wachsoldaten an der Grenze nicht schießen. Zudem haben sie gehört, dass der Schießbefehl an der Mauer ausgesetzt worden sein soll.

Doch dies erweist sich als fataler Irrtum: Als die beiden Flüchtlinge gegen 23.30 Uhr über die Sperranlagen an einem Zweigkanal steigen, wird Alarm ausgelöst und die DDR-Grenzwachposten eröffnen das Feuer. Christian G. wird verletzt, gefangen genommen und inhaftiert, Chris Gueffroy jedoch wird tödlich getroffen und stirbt noch vor Ort. Das Bekanntwerden seines Todes heizt die Prostest gegen das DDR-Regime weiter an.

März 1989: "Wir wollen raus!"

Während der Leipziger Frühlingsmesse demonstrieren mehrere hundert Menschen vor der Leipziger Nikolaikirche für eine Ausreise in den Westen. Sie skandieren: "Wir wollen raus!". Die Volkspolizei greift ein und verhaftet mehrere Demonstranten.

April 1989: Aufhebung des Schießbefehls

Erich Honecker ordnet informell die Aufhebung des Schießbefehls an. Er sagte: "Es gilt zu beachten: Lieber einen Menschen abhauen lassen, als in der jetzigen politischen Situation die Schusswaffen anzuwenden." Die Grenzposten werden über diese Regelung mündlich informiert.

Mai 1989: Die ungarische Grenze wird löchrig

Ungarn beginnt mit der Demontage von Teilen des "Eisernen Vorhangs" an der Grenze zu Österreich. In den folgenden Monaten nutzen immer wieder DDR-Bürger diese Schlupflöcher zur Flucht.

13. August 1989

Am Jahrestag des Mauerbaus demonstrieren DDR-Bürger vor dem Brandenburger Tor für eine freie Ausreise – vergebens.

4. September 1989: die erste Montagsdemonstration

In Leipzig findet nach Ende des Friedensgebets in der Nikolaikirche die erste Montagsdemonstration statt. Mehr als 1.000 Menschen fordern mehr Freiheit und Rechte und skandieren "Stasi raus" und "Wir wollen raus!".

11. September 1989: Ungarn macht die Grenze auf

Die ungarische Regierung öffnet offiziell die Grenze nach Österreich für alle DDR-Bürger. Zuvor hatte ein gegenseitiges Abkommen mit der DDR beide Länder dazu verpflichtet, Staatbürger des jeweils anderen Landes an der Ausreise zu hindern. Ungarn kündigt dieses Abkommen nun auf.

30.September 1989: Prager Botschaft

Vor der Botschaft der Bundesrepublik in Prag haben sich im Verlauf der letzten Wochen tausende von DDR-Bürgern versammelt. Sie hoffen darauf, durch Vermittlung westdeutscher Politiker doch noch eine Ausreiseerlaubnis zu bekommen. Auf Druck der Bundesrepublik und auch der Sowjetunion lenkt die DDR-Führung schließlich ein. Am 30. September reist der westdeutsche Außenminister Dietrich Genscher nach Prag und verkündet vom Balkon der Botschaft die Ausreiseerlaubnis. Mit Sonderzügen werden daraufhin rund 6.000 DDR-Flüchtlinge in die Bundesrepublik transportiert.

7. Oktober 1989: 40. Jahrestag der DDR

Zu den offiziellen Feierlichkeiten am 40. Jahrestag der Gründung der DDR reist auch der Michael Gorbatschow nach Ostberlin. Er wird begeistert mit "Gorbi"-Rufen empfangen. Der Rest der Veranstaltungen wird jedoch von massiven Protesten und teils gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Volkspolizei begleitet.

9. Oktober 1989: "Tag der Entscheidung"

An der Montagsdemonstration in Leipzig nehmen mehr als 75.000 Menschen teil. Trotz Verboten und Drohungen im Vorfeld wird die Protestkundgebung jedoch nicht von der Volkspolizei aufgelöst. Die Regierung schreckt vor dem Einsatz militärischer Gewalt zurück – für die Montagsdemonstrationen ist dies ein entscheidender Meilenstein.

17. Oktober 1989: Honecker muss gehen

Der langjährige SED-Generalsekretär Erich Honecker wird abgesetzt. Zu seinem Nachfolger wird Egon Krenz. Dieser verspricht in einer Rede am nächsten Tag, einen Gesetzentwurf über Reisen von DDR-Bürgern ins Ausland vorzubereiten – und stellt Lockerungen in Aussicht.

4. November 1989: Großdemo auf dem Alexanderplatz

Auf dem Berliner Alexanderplatz demonstrieren 250.000 bis 500.000 Menschen für Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die DDR-Regierung hat zwar die Volksarmee vor dem Brandenburger Tor aufmarschieren lassen, um eine Stürmung der Grenze zu verhindern. Sie greift aber nicht in die Demonstration ein.

7./8. November 1989: DDR-Regierung tritt zurück

Am 7. November tritt erst die DDR-Regierung, am folgenden Tag auch das SED-Politbüro zurück. Es folgen interne Neuwahlen, bei denen nun auch Reformer zugelassen werden.

Trabi beim Passieren des Check Point Charlie, 14.11.1989
Begrüßung eines Trabis, dessen Fahrer die Grenzöffnung zu einem Besuch in Westberlin nutzt.

9. November 1989: Die Mauer fällt

Am Morgen dieses Tages einigen sich Angehörige des DDR-Innenministeriums und der Staatsicherheit darauf, künftig die Einschränkungen bei Ausreisen und auch Besuchsreisen wegfallen zu lassen. Dennoch müssen diese Reisen weiterhin bei der Polizei beantragt werden. Um 18:00 Uhr tritt SED-Funktionär Günter Schabowski bei einer Pressekonferenz vor die Mikrophone und informiert über die Entscheidungen.

Auf Nachfrage eines Journalisten antwortet er: "Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen. ...Also, Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen, Reiseanlässen und Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt...Das tritt nach meiner Kenntnis, ähh, ist das sofort, unverzüglich."

In den nächsten Stunden verbreiten Medien in der Bundesrepublik und dem Ausland die Nachricht von der "Grenzöffnung". Die Antragspflicht geht dabei weitgehend unter. An den Grenzübergängen in Berlin versammeln sich immer mehr DDR-Bürger, die über die Grenze wollen. Schließlich ist der Druck so groß, dass die überforderten Grenzpolizisten die Schlagbäume heben und die Menschen durchlassen. Um mittenacht sind alle Grenzübergänge in Berlin offen.

NPO, 08.11.2019
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