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Was tun bei Kreuzschmerzen?

Aua, mein Kreuz: Rückenschmerzen sind inzwischen zu einer echten Volkskrankheit avanciert -immer häufiger sind sie auch der Grund für einen Arztbesuch. Was aber erwartet Patienten in der Praxis? Wir erklären, wie Mediziner bei Kreuzschmerzen diagnostisch vorgehen, warum sie häufig zunächst zu Bewegung raten und wann womöglich eine Operation in Frage kommt.

Rückenschmerzen sind ein echtes Volksleiden. Weltweit verursachen allein Schmerzen im unteren Rücken mehr Einschränkungen und Behinderungen als jede andere Krankheit, wie eine Studie vor einigen Jahren ergab. Auch die Deutschen "haben Rücken": Bei uns geht jeder fünfte gesetzlich Versicherte mindestens einmal im Jahr wegen Kreuzschmerzen zum Arzt - 27 Prozent davon suchen sogar vier Mal oder häufiger die Praxis auf.

Ausführliche Untersuchung

Wie aber sollten Arzt und Patient in dieser Situation am besten vorgehen? Am Anfang jeder Behandlung stehen ein ausführliches Gespräch sowie eine eingehende körperliche Untersuchung. "Wir überprüfen gezielt mögliche Warnzeichen, die auf eine abwendbare gefährliche Erkrankung als körperliche Ursache für den Schmerz hindeuten", erklärt Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Bei 85 bis 90 Prozent der Betroffenen lassen sich solche Warnzeichen nicht finden. Für sie gilt: Weitere Untersuchungen, zum Beispiel mittels Röntgen oder Magnetresonanztomografie, sind zunächst nicht nötig. Denn ihre Beschwerden gehen wahrscheinlich auf harmlose Ursachen wie falsche Körperhaltungen zurück und können mit einfachen Mitteln behandelt werden.

Bewegung hilft

Die Therapiemethode der Wahl ist in solchen Fällen Bewegung: Gemütliche Spaziergänge, gezielte Rückenübungen und leichtes Krafttraining können bei Rückenschmerzen wie Medizin wirken. Bei Bedarf helfen zusätzlich Schmerzmittel oder Entzündungshemmer, die Pein schnell wieder loszuwerden. "Die meisten akuten, nicht-spezifischen Kreuzschmerzen verschwinden so nach vier bis sechs Wochen wieder", sagt Kladny.

Halten die Beschwerden trotz entsprechender Maßnahmen an, ist eventuell doch eine bildgebende Untersuchung notwendig. Aufnahmen der Wirbelsäule offenbaren zum Beispiel, wenn ein Bandscheibenschaden, sogenanntes Wirbelgleiten oder eine andere krankhafte Veränderung vorliegt. "Wichtig ist immer, dass der Befund der Bildgebung zusammen mit Vorgeschichte, Symptomen und klinischem Befund des Patienten gewertet wird. Nur dann lässt sich Kreuzschmerz erklären - Bilder allein sagen wenig", betont Kladny.

Letzte Option Operation

Ist eine spezifische Erkrankung als Ursache der Schmerzen identifiziert, sollte schnellstmöglich eine zielgerichtete Behandlung eingeleitet werden. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine Operation handeln. Im Gegenteil: Wenn keine Alarmsignale wie Lähmungserscheinungen oder fehlende Kontrolle über Darm und Blase auftreten, ist zunächst die konservative Therapie der Standard - zum Beispiel in Form von Schmerz- und Physiotherapie. Erst wenn diese Verfahren keine Linderung bringen, können Arzt und Patient die Vor- und Nachteile eines operativen Eingriffs besprechen.

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. / DAL, 12.10.2018
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