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Warum Kinderlebensmittel ungesund sind – und wie man Kindern Gesundes nahebringt

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Das Experiment: Drei Verpackungen – ein Produkt

Im Experiment konnten die Acht- bis Zehnjährigen zwischen drei Joghurt-Früchtemüsli-Snacks wählen, die unterschiedlich verpackt waren: Der erste in einer schlichten Standardverpackung, der zweite in einer Verpackung mit zusätzlichen Gesundheitshinweisen und der dritte in einer Verpackung, die mit für Kinder besonders attraktiven Zeichentrickfiguren geschmückt war. Was die Kinder nicht wussten: In allen drei Verpackungen steckte der gleiche Snack.

Für die Auswertung erfassten sich die Forscher nicht nur die jeweilige Wahl der Kinder: Sie registrierten zusätzlich auch mit einem speziellen Messgerät, mit wie viel Kraft die Kinder ihre "Beute" umklammerten, wenn sie sie an sich nahmen. "Wir konnten mit diesem Handdynamometer ablesen, wieviel Anstrengung die Kinder bereit waren, für das Produkt zu leisten“, erläutert Laura Enax von der Universität Bonn. Anschließend durften die Kinder die Snacks kosten und angeben, wie gut ihnen der Müsli-Joghurt schmeckte.

Die Verpackung bestimmt den Geschmack

Das Ergebnis: Wie erwartet, griffen die meisten Kinder zu den Snacks mit den Zeichentrickfiguren.

Die Messungen mit dem Dynamometer ergaben zudem, dass sie diese Joghurt-Variante dabei unbewusst besonders fest umklammerten. Sowohl die Standardverpackung als auch die an die Gesundheit appellierende Verpackung fiel in der Gunst der Kinder deutlich ab.

Das Interessante aber: Auch beim Geschmackstest schnitt das Müsli mit den spaßigen Zeichentrickfiguren am besten ab – obwohl in allen Verpackungen ja das gleiche drin war. "Es handelt sich dabei um einen klassischen Marketing-Placeboeffekt", erklärt Weber. Die attraktive Verpackung weckte bei den Kindern die Erwartung eines besonders leckeren Geschmacks, also gaukelte ihr Gehirn ihnen genau dies vor. Obwohl alle den gleichen Inhalt hatten, glaubten die Grundschulkinder zu erkennen, dass sich der Geschmack in den verschiedenen Verpackungen voneinander unterscheidet.

Kindergericht, darunter Tomate mit Gesicht aus Gemüseteilen
Auf die Präsentation kommt es an, dann schmeckt dem Kind auch der Salat.

Außen spaßig – innen gesund

Genau dieser Effekt könnte auch für gesunde Lebensmittel ausgenutzt werden. Denn was spricht eigentlich dagegen, auch einen weniger süßen Joghurt entsprechend kindgerecht anzubieten? Oder ein Vollkornbrötchen oder einen Apfel mit einer lustigen Banderole zu verzieren? So könnte beispielsweise in Kantinen oder dem Schulkiosk erreicht werden, dass sich mehr Kinder für eine gesündere Alternative entscheiden.

Umgekehrt wäre es natürlich wünschenswert, wenn die Lebensmittel-Hersteller nicht mehr ausgerechnet nur Junkfood als Kinderprodukt bewerben würden. Hier gegenzusteuern dürfte allerdings schwierig sein. Denn mit Süßigkeiten und Co lässt sich einfach mehr verdienen als mit Obst und Co.

NPO, 27.-07.2015
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