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Von "Wortleichen" und "Elchtests"

Wie der "Elchtest" ins Wörterbuch kam

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Welche Bedeutung hat das Wort „Elchtest“ heute?
Heute finden wir den Begriff „Elchtest“ mehr und mehr in der allgemeinsprachlichen Bedeutung einer „Bewährungsprobe“, einer „Feuerprobe“. So bestehen beispielsweise eine Person oder ein Konzept „den Elchtest nicht“ – ob beim Kennenlern-Wochenende in einer Beziehung oder beim Test der neuen Magnetschwebebahn. Vielleicht ist die ursprüngliche Bedeutung und ihre Geschichte manch Jüngerem heute gar nicht mehr geläufig.

 

Gibt es ähnliche Fälle?
Sehr viele. Die deutsche Sprache ist hier sehr produktiv und erfinderisch. Dass technische oder fachsprachliche Begriffe den Bereich wechseln oder in die Allgemeinsprache eingehen, kommt häufiger vor. So z. B. das Wort „schwächeln“, das zunächst nur im Sportbereich verwendet wurde, dann auf die Börse und das Finanzwesen allgemein übertragen wurde und jetzt noch allgemeiner in verschiedensten Bereichen verwendet wird.

Ein älteres Beispiel wäre etwa die Redewendung „unter Strom stehen“, die ausdrückt, dass jemand extrem angespannt ist. Oder denken Sie an die Wendung, dass jemand „auf etwas programmiert ist“. Allerdings sind diese Beispiele selten so eingängig wie der „Elchtest“.

Übrigens: Nicht alle neuen und originellen Wörter schaffen langfristig den Sprung in die Bestsellerlisten der Wörterbücher: Die Nachbarn in der Liste der „Wörter des Jahres“ von 1997, das „Klonschaf“ Dolly oder das „Tamagotchi“ sind nach ihrer enormen Bekanntheit im ersten Jahr rasch wieder in der Versenkung verschwunden. In der Wörterbucharbeit sprechen wir in diesem Zusammenhang etwas makaber vom Aufspüren von „Lücken“ und „Leichen“ – und solche Wortleichen werden dann eben aus dem Wörterbuch gestrichen, wenn sie nicht mehr im Sprachgebrauch verwendet werden – so bleiben unsere Wörterbücher immer aktuell!

aus der wissen.de-Redaktion
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