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Von fliegenden Schotten, dem Rheingold und sibirischer Kälte

Legendäre Züge und Zugstrecken

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Ab 1920 fuhr der Paris-Wien-Prag-Warschau-Express, der Ungarn umfuhr. 1923 durften französische Züge nicht mehr über deutsches Gebiet fahren, was zur Einführung des Suisse-Arlberg-Vienne-Express führte, der von Paris aus über die Schweiz und Österreich Richtung Balkan fuhr.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren Orient-Express-Züge und Simplon-Express Züge auf wechselnden und meist auf verkürzten Strecken. 1962 wurde der Simplon-Orientexpress eingestellt, 1977 der Orient-Express der CIWL. Bekannt wurde der Zug auch bei Nicht-Eisenbahnfreunden durch Agatha Christies Kriminalroman "Mord im Orient-Express" sowie dessen Verfilmung.

Der Name Orient Express wird heute für einige Nostalgiezüge genutzt, die mit alten, aber nicht unbedingt Original-Orient-Express Wagen, touristische Fahrten unternehmen. Diese Züge fahren unter Namen wie "Venice Simplon-Orient-Express", "Nostalgie Istanbul Orient Express" oder "Pullman Orient Express".

Der langsamste Schnellzug der Welt - der Glacier Express

Atemberaubende Alpenpanoramen, mondäne Bergorte und Gemütlichkeit im Zeichen des Schweizerkreuzes verbindet man mit dem Glacier Express. Seit dem 22. Juni 1930 fährt der Zug, der von mehreren Bahngesellschaften betrieben wird, zwischen Zermatt im Wallis und St. Moritz bzw. Davos im Kanton Graubünden durch die Schweizer Alpen. Einzelne Teilstrecken wurden schon vorher eröffnet, die erste war die Strecke Visp - Zermatt 1891. Durch die Verbindung der einzelnen Strecken entstand die Glacier-Bahn.

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Das Landwasser-Viadukt

Der Glacier Express passiert das 65 Meter hohe Landwasserviadukt.

Seit 1941 ist die Strecke durchgehend elektrifiziert, von Beginn an waren die Teilstrecken Zermatt-Brig und Disentis-St. Moritz elektrisch befahrbar. Hier fuhren die berühmten Schweizer Krokodile, grüne dreiteilige Elektrolokomotiven. Die Strecke ist eine einzige technische Herausforderung, aber touristisch eine Sensation. Der absolute Gegenentwurf zu deutschen oder französischen Hochgeschwindigkeitsstrecken. Kein Geschwindigkeitsrausch, keine pfeilgeraden Strecken und Schallschutzwände. Vom bequemen Sessel im Panoramawagen fährt man in gesetztem Tempo durch 91 Tunnels, über Brücken, im Schnitt etwa eine pro Kilometer, und Viadukte in schwindelerregender Höhe und sieht sich am Alpenpanorma, Heidi-Almwelt und gemütlichen schweizer Bergorten satt. Dazu gibt es mehrsprachige Erläuterungen der Umgebung. Zeit genug hat man, die Strecke ist knapp 300 Kilometer lang, aber die Fahrt dauert siebeneinhalb Stunden.

Auf 2033 Meter Höhe steigt die Strecke am Oberalppass an, der tiefste Punkt ist bei Chur mit 586 Meter Höhe. Eine Besonderheit ist auch das Landwasser-Viadukt, das in 65 Meter Höhe bogenförmig aus einem Tunnel heraus gleich wieder in einen Tunnel führt.

Erst seit 1982 wird die Strecke mit der Eröffnung des Furka-Basistunnels auch im Winter und somit ganzjährig befahrbar. Vorher musste ein Teil der Strecke zwischen Oberwald und Realp winterfest gemacht werden, indem Oberleitung und Masten abgebaut und eine Brücke eingezogen wurde. Erst im Frühjahr wurde die Strecke wieder befahrbar.

Allerdings verliert er durch die neue Strecke durch den Furka-Basistunnel eines seiner touristischen Highlights, den Blick auf den Rhône-Gletscher (franz. Glacier), der dem Zug auch den Namen gab. Der Blick auf den Gletscher ist heute von einer Museumseisenbahn aus möglich, die die alte Furka-Pass-Strecke befährt.

Trotz aller touristischen Bedeutung ist der Glacier Express keine Museumsbahn. Moderne Lokomotiven und komfortable, zum Teil klimatisierte Wagen sind Standard. Es gibt Wagen der eersten und zweiten Klasse, in beiden Klassen auch Panoramawagen. Auch im Jahr 2006 wurden wieder neue Wagen in Dienst gestellt. Sitzplatzreservierung in Sitz- und Speisewagen ist Pflicht.
Wer nostalgische Züge liebt, kann im Sommer mit dem Alpine Classic Glacier Express in restaurierten Pullman-Wagen fahren.

Glacier Express Homepage
http://www.glacierexpress.ch/derglacierexpress.php

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von Ulrich Strelzing, wissen.de
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