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Voll Grass!

Ein Kommentar zur Biografie-Debatte

Herr Grass war als junger Mann ein paar Monate in der Waffen-SS. Das ist nicht schön. Noch weniger schön ist, dass er das nun als PR-Gag für seine Autobiografie benutzt. Das ist billig und schamlos. Doch erschreckend ist auch die Reaktion der zahllosen Kritiker, die sich als moralisch unangreifbare Instanzen inszenieren und Günter Grass nun der Lüge bezichtigen. Nur hat Günter Grass nie gelogen, er hat aus seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS keinen Hehl gemacht und in der Kriegsgefangenschaft Auskunft gegeben darüber. Dass er als junger Mann Sympathien für Hitler hegte, hat er ohnehin immer mal wieder erwähnt.

 

Sicher, er hatte viele Möglichkeiten die Station Waffen-SS in seiner Biografie zu thematisieren und zu erklären, doch warum hätte er das tun sollen? Sind wir verpflichtet, über unsere Fehltritte in der Öffentlichkeit Abbitte zu leisten? Wann sind wir dazu verpflichtet? Ab 20 Minuten Fernsehpräsenz pro Woche? Einer BILD-Schlagzeile im Quartal oder erst wenn wir einen Nobelpreis gewonnen haben? Günter Grass hat als Jugendlicher eine schlimme Fehlentscheidung getroffen und später als anerkannter Schriftsteller eine weitere. Er hat die Dimension seiner Beichte unterschätzt. Grass - SS - Sommerloch; er hätte sich denken können, dass er Prügel bekommt.

 

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von Dietmar Hefendehl, wissen.de
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