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Wiener Kaffeehäuser

In Wien ist das Kaffeehaus eine Institution, ein Stück Kultur und Tradition. Das Kaffeehaus war schon immer ein beliebter Treffpunkt für Literaten und Künstler. Daraus entwickelte sich die Kaffeehausliteratur. Denn Typisch ist der großzügige Umgang mit der Zeit: in einem Wiener Kaffeehaus kann man eine Melange bestellen und stundenlang sitzen bleiben - um die Zeitung zu lesen oder selbst daran zu schreiben. Denn hier bewegt man sich in gut unterrichteten Kreisen. Gregor Eichinger, Architekt: "Früher war es so, im Kaffeehaus hat man sich getroffen, da hat man auch gewusst, wer gerade in der Stadt ist. Das ist eigentlich der Saloon des Westens, ganz Amerika wurde auf diesem Prinzip aufgebaut. Es braucht diesen Informationsknoten, damit man einfach informiert ist. Man kann beruhigt in seinem Kaffeehaus verweilen und versäumt nichts." Gregor Eichinger ist einer der wenigen Architekten für zeitgenössische Kaffeehäuser. Für ihn gehören zu einem modernen Konzept ein Lichtdesign, bequeme Möbel, die zurückhaltend und nicht zu aufdringlich sind - aber vor allem eine ansprechende Atmosphäre. Die Blütezeit der Kaffeehauskultur war um 1900. Damals gab es hunderte Kaffeehäuser in Wien, ein Luxus, den sich nur eine kleine Schicht leisten konnte - vor allem Männer. Zu jener Zeit war die Platzierung des Gastes üblich, heute ist dies eher die Ausnahme in wenigen, gut geführten Häusern. Auch die Karte hat sich gewandelt: Maximilian Platzer, Kommerzialrat: "Früher waren es eigentlich diese Kaffee-Konditoreien, die kleine Konditoreien waren, die vor allem Torten angeboten haben. Die Kaffeehäuser haben früher eher mehr trockene Mehlspeisen gehabt, bei uns sagt man Golatschen oder der Gugelhupf oder einen Teekuchen oder etwas in der Richtung. Mit den Jahren hat im Kaffeehaus die Mehlspeise immer mehr an Bedeutung gewonnen. Und so haben wir heute Gott sei Dank auch hier Mehlspeisen oder Torten von einem der besten Konditoreien Wiens, machen aber trotzdem unsere alt hergebrachten Topfenstrudel, Apfelstrudel oder die Sachertorte selber. Sie sehen, diese ist nicht ganz so gerade, aber sie ist hausgemacht und hat so einen leicht - wie man in Wien sagt - verwackelten Touch." In der Wiener Kaffeehauskultur geht es noch immer ganz intim zu. Große Ketten findet man hier nicht, es sind eher Familienbetriebe, die das Geschäft von Generation zu Generation weiter gegeben. Maximilian Platzer, Kommerzialrat: "Auch ich bin in einem Kaffeehaus aufgewachsen, als kleines Kind schon, hab serviert durch den langen Raum, und da ist mir immer etwas runter gefallen. Und dort in der Ecke war früher ein großer Kamin, und als ich dann am Kamin war, hab ich den Rest dazu geschmissen und bin gegangen. Aber jetzt bin ich halt noch immer hinter der Theke, heißt das im Kaffeehaus, nachdem ich nichts Gescheites gelernt habe, bin ich Cafetier geworden." Die Wiener Kaffeehäuser bleiben also in guten Händen.

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