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Wasserversorgung in Gefahr

Alarmierende Bilder aus Brandenburg. Immer häufiger kommt es zu Dürreperioden. Ganze Flussbetten trocknen aus, die Elbzuflüsse geraten aus dem Gleichgewicht. Doch Bilder aus der Hauptstadt zeigen, von Wassermangel keine Spur. Berlins Brunnen fließen trotz vertrockneter Zuflüsse. Die Spree ist gefüllt, ein Paradox. Prof. Uwe Grünewald und seine Kollegen von der Universität Cottbus wollen die Pegelstände der Flüsse am Rand eines Braunkohleabbaugebietes in der Lausitz prüfen. Hier sind die Flüsse mehr als voll. Die Forscher wissen, dass der Kohleabbau damit zu tun hat. Ganz in der Nähe säumen Pumpanlagen die Straße, sie pumpen Grundwasser systematisch aus der Erde und leiten es in die Flüsse. Für eine Tonne Kohle immerhin sieben Tonnen Grundwasser. Dieses Pumpwasser erhöht künstlich die Flusspegel, deshalb ist Berlin reich an Wasser. Wird der Tagebau gestoppt, werden auch die Flüsse weniger Wasser nach Berlin tragen. Weit ab vom Tagebau sind die enormen Veränderungen durch den Klimawandel schon sichtbar. Überall sind die Grundwasserpegel erheblich gefallen. Im Großrechner laufen die Daten zusammen. Hochrechnungen ermöglichen einen Blick in die Zukunft. Die Klimaszenarien sind besorgniserregend. Die roten Bereiche zeigen, dass die Niederschläge in Zukunft immer stärker zurückgehen werden: Fred F. Hattermann, Dipl.-Geoökologe "Unsere Szenarien-Rechnungen zeigen, dass sich das in Zukunft so fortsetzen wird. Und das trockene Jahre, wie wir es beispielsweise 2003 hatten im Jahre 2050 mindestens jedes zweite, dritte Jahr auftreten können." Dazu kommen immer häufiger Extremwetterlagen. 2002 an der Elbe: Katastrophenalarm. In reißenden Sturzfluten tritt der Fluss über die Ufer. Städte sind innerhalb weniger Stunden überflutet, Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Die reguläre Trinkwasser Aufbereitung bricht zusammen. Das Problem: Innerhalb weniger Stunden fiel 2002 der Niederschlag, der sonst über mehrere Monate fällt. Kein einmaliges Erlebnis, sondern Auftakt einer wiederkehrenden Bedrohung. Die Tendenz: Niederschläge gehen zwar insgesamt zurück, doch wenn es regnet, dann im Extremfall so stark, dass es zur Katastrophe führt. Für einen gleichmäßigen Wasserhaushalt müsste es gelingen, das plötzliche Überangebot an Wasser aufzufangen. Die Lösung: Künstliche Seen. Forscher wollen die gigantischen Restlöcher des ehemaligen Tagebaus fluten. Das Problem: Der Tagebau hat Mineralien aus tiefen Erdschichten freigelegt, die im Wasser Säure bilden. Forschungen zur Neutralisierung laufen zwar schon, doch die Zeit drängt. Der Tagebau steht allmählich vor dem Aus. Bald wird es kein zusätzliches Wasser mehr geben, das in die Spree geleitet wird. Düstere Prognosen. Die Trinkwasserversorgung ist zwar nicht gefährdet, doch einen üppigen Umgang mit der Ressource wird sich die Region Berlin in Zukunft wohl kaum mehr leisten können.

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