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Unsichtbare Wissens-Wunder des Alltags: Wie man Staub richtig putzt

Staub findet man überall, vor allem wenn man genau hinschaut – mit Spezialkameras. Dann tun sich faszinierende Formenwelten auf: die Staubteilchen erinnern an unbekannte Planeten und geheimnisvolle Wesen. In Reinräumen, bei der Produktion von elektronischen Bauteilen haben die faszinierenden Teilchen nichts zu suchen. Staubpartikel die nur einen tausendstel Millimeter groß sind stören bereits die Chipherstellung. Auch wenn der Staub in der Wohnung selten gesundheitsgefährdend ist, weg muss er doch, und da macht der Staubsauger für das Grobe den Anfang. Woraus besteht eigentlich der Staub, den der Staubsauger einsaugt? Da reicht die Lupe nicht. Das erkennt man nur mit einem Spezialmikroskop. Etwa 20 Prozent, also ein Fünftel des Staubs im Beutel besteht aus Krümeln.... der größte Anteil, etwa 70 Prozent besteht aus Textilfasern von Kleidung und Teppichen. Und die restlichen 10 Prozent sind ein Gemisch, vor allem aus Haaren… und Hautschuppen. Das heißt, den allermeisten Staub produzieren wir selbst. Wir sind also regelrechte Staubmonster. Am Tag machen sich mehr als 50 Gramm Textilfasern selbstständig, wir verlieren pro Tag etwa 100 Haare und im Jahr etwa ein halbes Kilogramm Hautschuppen. Ein gefundenes Fressen für Milben. Von den Schuppen, die wir pro Tag verlieren, können sich rund 1,5 Millionen Milben gut ernähren. Für die Arbeit im Reinraum packt sich die Staubschleuder Mensch mit großem Aufwand ein und befreit die Schuhe mit einer Klebefolie vom Staub. In der Wohnung entfernt der Staubsauger zwar den Grobstaub, aber den größten Teil des Feinstaubs lässt so mancher Staubsauger wieder frei. Feinstaub, –das sind Partikel, kleiner als ein 10 tausendstel Millimeter - hier in einer 200-fach verlangsamten Aufnahme -. Den Feinstaub produzieren wir nicht unmittelbar selbst. Häufig ist er natürlichen Ursprungs und wird von draußen in die Wohnung getragen und kann sehr weite Wege hinter sich haben. Dieses Sandkorn hier stammt aus der Sahara. Die Siliciumverbindungen sind so leicht, dass Wüstenstürme sie hoch in die Stratosphäre wirbeln und von Afrika aus auf andere Kontinente über tausende Kilometer transportieren. Auch durchs Fenster dringen winzige Feinstaubpartikel ein, die man nur bei mindestens 40.000-facher Vergrößerung identifizieren kann. Ruß aus Schornsteinen und Autoauspuffen. Pollen verschiedenster Pflanzen. Und sogar Salzkristalle aus dem Atlantik, die mit der Gischt verweht werden, finden sich im Hausstaub wieder. So paradox das klingt: Das Meer ist die größte Staubquelle der Erde. Und im Reinraum? Dass Feinstaub hier eindringt, wird durch einen permanenten Überdruck verhindert und die notwendige einströmende Luft zum Atmen wird durch diese extrem feinporigen Matten aus besonders feinem Vlies gefiltert. Im Reinraum gibt es in der Regel nur einen Staubpartikel pro Liter Luft - in der Wohnung dagegen meist mehr als 1 Milliarde... Um diesem Feinstaub Herr zu werden, hilft es vor allem, nass zu wischen. Die Staubpartikel werden in den Wassertropfen gefangen und so weggespült. Und beim trocken Nachwischen mit dem Wasserfilm entfernt! Für den Boden gilt das gleiche. Nach dem Saugen auch hier feucht aufwischen. Und an den Stellen wo man nicht feucht wischen sollte, hilft ein Mikrofasertuch. Das Gewebe bindet auch feinste Staubpartikel, aufgrund seiner großen Oberfläche. Die unzähligen Fasern erkennt man aber erst deutlich unter dem Mikroskop bei 100-facher Vergrößerung. Für schlecht zugängliche Stellen empfiehlt sich ein Staubwedel. Durch die Reibung laden sich die Fasern elektrisch auf und nehmen den Staub mit. Auch das sieht man nur unter dem Mikroskop. Auch in einem Reinraum muss regelmäßig geputzt werden. Selbst bei größter Sorgfalt können sich extrem kleine Staubpartikel einschleichen. Im Prinzip funktioniert das wie zu Hause, aber langsam und mit größter Akribie. Auf der Erde gibt es nun mal keinen völlig staubfreien Raum. Das ist auch gut so. Mikroben im Staub trainieren nämlich unser Immunsystem. Übertriebene Hygiene kann sogar Allergien begünstigen und das Leben ganz schön unbequem machen.

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