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Sea Cloud II

An Bord der Sea Cloud II. Der Großsegler lief vor ein paar Jahren als Schwesterschiff der Sea Cloud I vom Stapel, die 1931 als Privatyacht eines Wall Street Brokers gebaut wurde. Die Sea Cloud II ist mit 117 Metern etwas größer und mindestens genauso schön wie die ältere Schwester. Das Segelschiff könnte auch ohne Dieselkraftstoff auf große Fahrt gehen; ohne Champagner aber niemals. An Bord ist Luxus etwas ganz selbstverständliches. Die Passagierdecks unterscheiden sich kaum von einem Hotel an Land. Es gibt eine Rezeption und Zimmer in unterschiedlichen Kategorien, die alle eines eint: Der Einrichtungsstil ist der Millionärsyacht aus den 30er Jahren nachempfunden. Von außen wirkt die Sea Cloud wie ein Segler aus dem 19. Jahrhundert, aber innen steckt sie voller Technik. Das Steuerrad arbeitet elektronisch, die Brücke -  hochmodern. In drei Schichten arbeiten die Offiziere hier. Kapitän Lickfett erzählt uns davon, wie man früher ohne so viel Technik so ein Schiff navigierte. Gerhard Lickfett, Kapitän: "So jetzt hab ich die Sonne hier drin und jetzt gehen wir 20 Jahre zurück, als wir noch keine Satellitennavigation hatten, so jetzt bin ich auf dem Horizont und dann hab ich jetzt einen Winkel gemessen von 48 Grad und 10 Sekunden. Und das haben wir eben unser Leben lang gemacht, weil wir noch keine Satellitennavigation hatten. Wir genießen den ersten Abend und den Sonnenuntergang auf den wir zusteuern." Die 60 Frauen und Männer der Besatzung haben alle Hände voll zu tun auf der Sea Cloud II. Der Kapitän gibt Befehl zum Segel setzen, für die Mannschaft heißt das: hinauf zur fast vierzig Meter hohen Mastspitze. Segeln ist harte Arbeit. Nur wenige Matrosen seien dazu überhaupt noch bereit, erzählt uns der Kapitän. Seine Mannschaft sei ein Trupp von Individualisten, der auf Geld und Bequemlichkeit verzichtet. Die Crew aber ist stolz darauf, ein über 100 Meter langes Schiff mit 24 Segeln und 2800 Quadratmetern Tuch zu beherrschen. Segeln wie zu Zeiten der Entdecker: An Bord der Sea Cloud II gibt es auch noch den Beruf des Segelmachers, der anderenorts komplett überflüssig ist. Auch der Kapitän ist ein Idealist, ein Seemann durch und durch. Lickfett, Kapitän: "Das war damals, auf der Passat vor 45 Jahren, da hab ich die Pamir im englischen Kanal gesehen und hab mir gedacht das ist mein Schiff. Da musst Du rauf. Und da war ich anderthalb Jahre auf der Passat und das hat mir so viel Spaß gemacht, weil ich ja als kleiner Junge schon auf dem Reck gerne geturnt hatte, obwohl ich zu lang bin, da konnte ich wenigstens oben in den Masten rumkrabbeln und rumklettern, das hat mir sehr viel Spaß gemacht." Die Segel werden eingeholt und verzurrt. Jetzt ist wieder der Dieselmotor dran. Abends beim Empfang zeigt die Sea Cloud II dann ihre elegante Seite. Zu Kaviar und Champagner darf man auch ein Tänzchen mit dem Kapitän wagen. Dieser Segler ist eben kein Partydampfer, sondern ein Schiff voller Nostalgie und  Seefahrerromantik. Hier  braucht es wirklich nicht viel Phantasie um sich wie zu Gast auf der Yacht eines Millionärs zu fühlen.

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