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Schiffsverlängerung

Hafen Hamburg. Einfahrt ins 350 Meter lange Trockendock - Elbe 17.Das Kreuzfahrtschiff "Norwegian Crown" soll hier um 30 Meter verlängert werden. Das neue Mittelstück wartet schon darauf eingebaut zu werden. Jetzt halten alle die Luft an, dass der Ozeanriese noch daneben passt. Geschafft, jetzt kann es losgehen. Zwei riesige Schwerlastkräne ziehen das neue Mittelstück zu der Stelle wo es in den Rumpf eingesetzt wird. Innerhalb von drei Stunden steht der hochhausgroße Stahlklotz genau am vorgesehenen Platz. Sofort beginnen die Werftarbeiter innen und außen mit dem Zerschneiden des Schiffes. An einer exakt errechneten Linie trennen sie den Rumpf in zwei Hälften. Die Trennlinie liegt vor dem Maschinenraum, damit die Antriebswelle nicht durchschnitten wird. Bevor der Kreuzfahrtriese auseinandergezogen wird, soll ein letzter Check feststellen, ob wirklich alle Wände und Leitungen durchtrennt sind. Nur so können irreparable Schäden vermieden werden. Spezielle Schlitten werden unter dem Rumpf montiert, auf ihnen soll das Vorderschiff später gleiten. Dieselbetriebene Pumpen und Hydraulikzylinder sollen den Rumpf über eingefettete Teflonplatten schieben. Eine heikle Sache: Denn nur wenn sich der Druck gleichmäßig verteilt, gerät der Stahlkoloss nicht aus dem Gleichgewicht. In Zeitlupe geht es voran. Meter für Meter bewegt sich das 9.000 Tonnen schwere Vorschiff. Die Lücke zwischen Bug und Heck wird immer größer. Nach etwas mehr als 30 Metern stehen Vorder- und Hinterschiff weit genug auseinander. Damit sich die Schiffshälften mit dem neuen Teil verbinden lassen, versehen Schweißer alle Schnittkanten mit Falzen, die über die Naht ragen.Währenddessen werden im Zwischenraum weitere Schienen verlegt. Dieses mal quer zum Schiff, damit das Rumpfsegment in die Lücke rutscht. Wieder dienen Teflonplatten als Gleitunterlage. Tief im Schiffsbauch werden noch Schnittkanten präpariert. Das Schweißen in den Unterdecks birgt die Gefahr, dass sich Öl und Dieselreste entzünden können. Um 17:00 Uhr ist es dann soweit, das Verschieben der Mittelschiffsektion wird von der Projektleitung freigegeben. Das Mittelstück schiebt sich in die Lücke. Nach 16 Stunden Millimeterarbeit, morgens kurz nach 04:00 erreicht das neue Mittelstück seinen Platz zwischen den Hälften des zu klein gewordenen Ozeanriesen. Keine zwei Stunden später beginnen Arbeiter schon mit dem Verkleiden der neuen Sektion. Kabinen müssen ausgebaut, Kabel und Rohre auf acht Decks miteinander verbunden werden. Schweißer sind unter, im und auf dem Schiff am Werk um die Nähte rundum zu schließen. Sobald die Segmente verbunden sind, beginnt der Innenausbau. 186 neue Passagier- und 53 Besatzungskabinen sind durch die Verlängerung entstanden und alles termingerecht. Das frischgebackene 210-Meter-Schiff verlässt Hamburg mit dem neuen Namen "Balmoral". Das Ziel: Die Kanarischen Inseln.

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