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Schaukeln verboten

Wenn es hart auf hart kommt müssen sie ran: Die Löschhubschrauber. Der Spezialtank kann bis zu 5000 Liter Wasser fassen und es punktgenau abwerfen. An Präzision sind Hubschrauber nicht zu überbieten. Dennoch gibt es Schwachstellen: Die tonnenschwere Wasserlast beginnt schnell zu schwingen und droht so außer Kontrolle zu geraten. Der Pilot muss die Fluglage der Maschine ständig korrigieren, sonst würde sie abstürzen. Eine gefährliche Situation auch für erfahrene Piloten. Eine technische Neuentwicklung soll das Fliegen mit Außenlast sicherer machen. Die Idee wird 1999 geboren, beim Deutschen Luftfahrtzentrum in Braunschweig. Die Ingenieure versuchen die hochkomplexe Bewegung der pendelnden Außenlasten im Voraus zu berechnen und die Ergebnisse auf ein Computerprogramm zu übertragen. Das Ziel: Den Piloten Informationen in einer Form zur Verfügung zu stellen, die ihn in der vorhandenen Stresssituation nicht noch mehr belastet. Eine Aufgabe, die vor ihnen noch niemand bewältigt hat. Über Jahre erfassen und analysieren sie Pendelbewegungen. Entwickeln ein spezielles Kamerasystem und einen Hochleistungsrechner. Ihr Plan: Die fliegerische Intuition des Piloten ausnutzen. Auf einem künstlichen Horizont zeigen sie dem Piloten eine falsche Fluglage an, die ihn dazu verleitet das Richtige zu tun. Mario Hamers Ingenieur DLR Braunschweig "Das ist eigentlich ein ganz einfaches Prinzip. Wenn das Pendel oder die Last nach links bewegt, müsste der Hubschrauber eigentlich auch nach links bewegen, nach links steuern. Nur der Hubschrauberpilot kann das unter der Arbeitsbelastung, im Stress nicht immer richtig einschätzen. Darum täuscht unser System dem Hubschrauberpiloten vor er hätte eine Drift nach rechts worauf er instinktiv mit einer Steuerbewegung nach links reagiert. Also tut er in dem Moment genau das richtige um die Pendelbewegung abzudämpfen."Soweit die Theorie. Doch wie wird sich das System in der Praxis bewähren? Testfluggelände Manching, Militärisches Sperrgebiet. Das neue System steht auf dem Prüfstand, wenn es funktioniert, kann es den Piloten helfen, die Maschine auch mit Außenlast sicher zu fliegen. Der Hubschrauber muss dazu gezielt in Extremsituationen gebracht werden. Im Notfall kann der Pilot die Last abwerfen um so das Leben der Besatzung und die Maschine zu retten. Nachdem sich die Maschine aufgeschaukelt hat, versucht der Pilot durch gezieltes Gegensteuern die schwingende Außenlast wieder zu beruhigen. Bislang bestand das Problem darin, dass der Pilot erst verspätet auf die pendelnde Last reagieren konnte, da sie außerhalb seines Bilckfeldes hängt. Jetzt verlässt sich der Pilot auf den künstlichen Horizont. Die Last beruhigt sich, der Pilot hat die Maschine wieder unter Kontrolle. Das Experiment ist geglückt: Oberstleutnant Hans Pfeffer Testpilot  "Schwingungen können nicht nur unerfahrende Piloten treffen, sondern können jeden treffen. Das heißt es kann im Prinzip auch einen erfahrenen Piloten treffen. Und dann ist es auch für diesen erfahrenen Piloten eine Hilfe, eine Unterstützung um mit diesem Problem fertig zu werden."Lastenhubschrauber sind sehr schwer zu fliegen. Der neue künstliche Horizont ist ein Meilenstein für die Zukunft der Flugsicherheit.

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