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Schamanenkult in Südkorea

Südkorea: Binnen einer Generation schaffte man hier den Sprung vom Agrarland ins Industriezeitalter. Die Republik ist in einigen Branchen weltweit führend. Mit Wachstumsraten von denen andere nur träumen können. Und doch scheint es, als würde der Glaube allein den Menschen hier Halt geben. Wir sind in einem kleinen Tempel etwas außerhalb von Seoul und werden Zeuge eines jahrhundertealten Rituals, das sonst im Verborgenen stattfindet. Ein Schamane wird geboren, wenn, so sagt man, die mächtigen Himmel das zulassen. Ein Job, für den sich Kim Hyun Seuk (gesprochen: Kim-Jun Suk) berufen fühlt. Kim Hyun Seuk: "Vor zehn Jahren wurde ich schwer krank, ohne, dass mir jemand helfen konnte. Ich hatte Lähmungserscheinungen und Halluzinationen, irgendwann begriff ich, dass Geister und Götter meinen Körper besetzt haben. Ich begriff, dass ich mich ihnen widmen muss. Deshalb bin ich hier." Seine Mutter ist mitgekommen, und auch seine Schwestern. Für sie ist es ein schwarzer Tag. Karriere und Südkorea gehören zusammen, wie soll man das nur den Nachbarn erklären. Kim Hyun Seuk: "Es tut mir leid für sie, mehr kann ich nicht sagen." Für 9.000 Euro überträgt sie ihre Götter und Geister auf den Novizen. Kim Keum Hwa (Gesprochen: Kim Quem Qua) ist eine der berühmtesten Schamaninnen in Südkorea. So bekannt und verehrt gar, dass die Regierung sie kürzlich zum lebenden Kulturgut machte. Kim Keum Hwa: "Ich kann ihnen nicht erklären wo meine Energie herkommt und sie würden das auch nicht verstehen. Wir Schamanen leben in einer Welt mit vier Dimensionen. Wir können Wunder vollbringen und Kranke heilen. Das klingt vielleicht unglaublich für sie, aber das passiert." Und es passiert überall im Land. Mehr als 300 Tempel schmiegen sich in die Hügel rund um Seoul. Insgesamt soll es in Südkorea fast 300.000 Schamanen geben. Das Übersinnliche boomt und das in einem der modernsten Ländern der Welt. Auch Kim Hyun Seuk wird künftig als Medium den Menschen helfen können. Nach fünf Stunden unaufhörlichem Beten haben die Götter ihn erhört. Kim Hyun Seuk: "Dieser Junge wird künftig nicht mehr dein Sohn sein, dieser Junge ist von nun an Gottes Sohn, so musst du von nun an denken. Kim Hyun Seuk: "Diese Worte kommen spontan aus mir heraus, da spreche nicht ich, sondern die Person in mir drin. Ein Gott, der die Welt mit anderen Augen sieht und Dinge erkennt, die wir nicht sehen." Irgendwann wird Kim Hyun Seuk seinen eigenen Tempel haben und gutes Geld damit verdienen. Himmlische Botschaften sind wertvoll im irdischen Südkorea.

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