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Retortenstadt vom Reißbrett

Hamburg ist eine der deutschen Metropolen mit dynamischem Wachstum. In nur wenigen Städten wird ein höheres Bruttoinlandsprodukt erzielt. Laut Umfragen sind die Bewohner keiner anderen deutschen Stadt so zufrieden mit ihrem Wohnort wie hier. Überall entstehen neue Gebäude, in denen der Boom fortschreiten soll. Und es gibt weitere Pläne. Städtebau wird hier als Instrument der Wirtschaftspolitik eingesetzt.Die geplante Hafencity in Hamburg ist ein städtebauliches Vorzeigeobjekt und die größte städtische Baustelle Europas. Im Innern der Stadt soll die vermeintlich perfekte Infrastruktur mit Wohn- und Arbeitsraum für über 50.000 Menschen entstehen und die potenten Unternehmen, für die sie arbeiten. Bis 2025 soll die Hafencity fertig sein. Jacques Herzog, Architekt"Jede Stadt hat das Recht und die Pflicht sogar, sich weiter zu entwickeln und sich weiter zu denken. Man kann nicht in Kategorien verharren, die Stadt Hamburg ist jetzt so und München ist jetzt so und Basel muss immer so bleiben, auf den schweizerischen Teil konzentriert. Jede Stadt muss sich entfalten und entwickeln. Nur so bleibt sie konkurrenzfähig und nur so bleibt sie eine Stadt." Die Planer der Hafencity stehen vor großen Herausforderungen. Denn das Mammut-Projekt soll das Selbstbewusstsein der Stadt in die ganze Welt tragen und Investoren und gebildete Arbeitskräfte anziehen. Jörn Walter, Oberbaudirektor: "Natürlich ist die Hoffnung bei einem so gossen Bauprojekt, wo man das ja über viele, viele Jahre durchhalten muss, dass durch diese Vielfalt, in einem aber gegebenen Rahmen so etwas wie urbane Stadt entsteht." Urbanität: Der Pulsschlag, mit dem sich Städte messen lassen. Die Kulisse dazu ist bereitet. Die neue Hafencity strahlt wie ein Hochglanzprodukt. Die ersten Behausungen für die von der Stadt beworbene "Kreative Klasse" sind schon errichtet - Wohnungen, die ab 3.500 € pro Quadratmeter kosten. Kritiker bemängeln: Ein soziales Ghetto! Lange wurde heftig darüber debattiert, ob sich die Stadt aus der Retorte mit Leben füllen wird. Die Planer waren sich sicher: Menschen werden das Tote lebendig machen.Und die Zeit scheint ihnen Recht zu geben. Jetzt, da die Hafen City allmählich an Kontur gewinnt, und die Baustelle weiter nach Osten wandert, hält das Leben Einzug. Und auch die Dienstleistungsarbeiter von morgen sind schon da: Software-Firmen, Logistik-Unternehmen und Reedereien haben Büros eröffnet. Inzwischen ist durchaus vorstellbar, dass die Vision der Städteplaner hier Realität wird.

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