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Ramadan in Ägypten

Kairo: Einen Monat im Jahr weicht die Hektik des Tages einer sanften Lethargie. Es ist Ramadan, die Fastenzeit der Muslime. Mit jedem Tag, den der Ramadan andauert, gleitet die Stadt tagsüber mehr und mehr in einen Tiefschlaf: Restaurants, Cafes, Einkaufs-Center, alles hat geschlossen. Das Ziel der Gläubigen ist es, während des Fastenmonats ihrem Gott Allah näher zu kommen. Durch Verzicht und Frömmigkeit, durch intensives Studieren des Korans und ausgiebiges Beten. Der Ramadan ist eine Zeit der Besinnung. Arbeit hin oder her: Nichts kann so wichtig sein, dass man es nicht auch noch nach dem Gebet erledigen könnte. Nur am Rande der Stadt herrscht Betriebsamkeit: Den ganzen Tag über arbeiten Helfer hier an Kairos Stadion, um tausende Essensrationen vorzubereiten. Das ist die andere Seite des Fastenmonats. Spenden und Wohltätigkeitsgesten, auch sie werden im Koran ausdrücklich den Gläubigen nahegelegt. Im Gegenzug hoffen die Wohlhabenden, die mit ihren Spenden das Essen für die Armen zubereiten lassen, auf eine gute Beurteilung durch Allah. Mit dem Sonnenuntergang endet auch der Fastentag für die Gläubigen. Es gibt Frühstück. Wer bei dieser kostenlosen Speisung an die Fleischtöpfe will, muss allerdings gut zu Fuß sein und einen gewissen Durchsetzungswillen haben. Viele Staatsbeamte und Angestellte mit geringen Gehältern nutzen diese Gelegenheit, um die Familienkasse zu entlasten. "Ifta," wie diese erste Mahlzeit der Ramadannacht genannt wird, bildet aber nur den Auftakt der Völlerei: Bis bei Sonnenaufgang der neue Fastentag beginnt, essen die Ägypter oft noch drei bis vier Mal. Alle Gesellschaftsschichten verbringen den Großteil der Nacht mit Essen. Verzicht, das ist im Ramadan eben nur etwas für die hellen Tagesstunden. Nachts wird gefeiert, das Verbotene nachgeholt. Ganz oben auf der Hitliste steht im Ramadan das süße Naschwerk. Die Konditoreien bleiben die ganze Nacht über geöffnet. Die Folgen sind an der Statistik abzulesen: Bis zu fünf Kilo nehmen Ägypter während des Ramadans zu. Trotz oder gerade wegen des strengen Fastens am Tage.

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